Was ist eine Rohraußenzentrierung?
Die Rohraußenzentrierung sitzt um den Stoß zweier Rohrenden und drückt sie radial in Position. Damit ist der Kantenversatz im Rahmen — bevor die Wurzellage geschweißt wird. Dieser Artikel deckt vier Bauformen ab, von der leichten Heft-Zentrierung bis zur No-Tack-Variante für Großrohre.
Welche Ausführung passt, hängt von Rohrdurchmesser, Wandstärke und Schweißposition ab. Die Variantenwahl erfolgt unten in der Auswahl, dazu die passende Dimension. Nicht jede Kombination ist möglich — die Übersicht weiter unten zeigt, welche Bauform welchen DN-Bereich abdeckt.
Vier Ausführungen im Überblick
Fallnaht (DN 80 – DN 500)
Bauform mit überdimensionierter Spindel und stabilem, verzinktem Gehäuse. Die gesamte Wurzellage lässt sich einbringen, ohne die Zentrierung zu lösen. Auch unrunde Rohre werden zuverlässig zentriert — die Spindel hat genug Reserve, um Ovalitäten zurückzudrücken.
Typischer Einsatz: Fallnahtschweißen (Position PG / 5G nach unten) im Rohrleitungs- und Anlagenbau, häufig mit zelluloseumhüllten Stabelektroden.
Mechanisch leicht (DN 80 – DN 450)
Reine Heft-Zentrierung. Über einen Exzenter werden beide Rohrenden mittels Stege gespannt — schnell anbringen, vier Heftpunkte setzen, abnehmen, weiterschweißen. Geringes Gewicht, einfache Bedienung.
Geeignet für Werkstattfertigung und mobilen Anlagenbau, wo das Heften die Hauptaufgabe ist und die Wurzel anschließend frei geschweißt wird.
Mechanisch mittelschwer (DN 100 – DN 1200)
Zentriergerät mit weit ausgesparten Brücken und Druckschrauben. Bis zu 80 % der Wurzellage werden eingebracht, ohne die Zentrierung zu lösen. Die Druckschrauben richten deformierte Rohre aus, sodass ein bündiges Heften möglich ist.
Standardbauform für mittlere bis größere Nennweiten im Pipeline- und Behälterbau.
Mechanisch mittelschwer No-Tack (DN 600 – DN 1200)
Variante mit Omega-Brücken — gewölbte Querstege, die einen langen Bogen über die Schweißfuge schlagen. Bis zu 80 % der Wurzellage werden in einem Zug geschweißt, ohne dass die Zentrierung bewegt werden muss. Heften entfällt im Regelfall.
Sinnvoll bei langen Schweißfolgen an Großrohren, wo jedes Lösen und Neusetzen der Zentrierung Produktionszeit kostet.
Hinweis: Sondergrößen außerhalb der genannten DN-Bereiche sind auf Anfrage möglich. Eine kurze Mail an
info@ab-industrie.de mit Rohrdurchmesser, Wandstärke und gewünschter Bauform genügt.
Spalteisen — das Zubehör, das den Versatz wegnimmt
Allein durch das Festziehen der Druckschrauben oder Spindeln lässt sich ein Kantenversatz nicht immer beseitigen — vor allem bei Wandstärken-Toleranzen oder leicht ovalen Rohren. Hier kommt das Spalteisen ins Spiel: ein keilförmiges Werkzeug, das unter die schräg angefasten Brücken der Zentrierung getrieben wird. Der Keil hebt das tieferliegende Rohrende lokal an, bis Innen- und Außenmantel fluchten.
Auf der Baustelle gilt das Spalteisen als Pflicht-Zubehör — ohne lassen sich enge Hi-Lo-Toleranzen nach API 1104 oder DIN EN ISO 5817 in der Praxis kaum einhalten. Ein Satz Spalteisen in mehreren Stärken gehört zum Schweißerwerkzeug.
Wann darf die Zentrierung gelöst werden?
Die Zentrierung hält die Rohrenden in Position, bis die Wurzel die Last übernimmt. Wird sie zu früh gelöst, schrumpft die noch heiße Wurzel und kann reißen. Faustregel:
-
Dünnwandig (Wandstärke ≤ 6 mm): Lösen nach 80 % der Wurzel.
-
Mittlere Wand (6–12 mm): Lösen nach kompletter Wurzellage.
-
Dickwandig (über 12 mm) und Großrohrstähle: Lösen erst nach der Heißlage.
Bei den Bauformen Fallnaht und Mittelschwer No-Tack lässt sich die Wurzel zu großen Teilen einbringen, ohne die Zentrierung überhaupt zu bewegen — das spart Aufwand und reduziert das Risiko, dass die Lage durch das Umsetzen leidet.
Achtung: Beim Anbringen und Schließen der Zentrierung besteht Quetschgefahr für Hände und Finger. Größere Geräte mit zwei Personen handhaben, beim Spannen der Druckschrauben gleichmäßig über Kreuz arbeiten. Vor Gebrauch die Gefährdungsbeurteilung des Betreibers beachten.
Achtung: Diese Bauformen haben Auflagepunkte aus Stahl. Für Edelstahlrohre nicht geeignet — Eisenkontamination führt später zu Lochfraß. Für Edelstahl-Anwendungen werden Zentrierungen mit Edelstahl-Auflagen oder Edelstahl-Vollausführung benötigt; auf Anfrage lieferbar.
Technische Daten
| Merkmal |
Wert |
| Bauformen |
Fallnaht / Mech. leicht / Mech. mittelschwer / Mech. mittelschwer No-Tack |
| Nennweitenbereich |
DN 80 bis DN 1200 |
| Antrieb |
rein mechanisch (Spindel, Druckschrauben, Exzenter) |
| Werkstoff |
Stahl, verzinkt |
| Wurzellage ohne Lösen |
Fallnaht 100 %, Mittelschwer und No-Tack je bis 80 %, Leicht nur Heften |
| Sondergrößen |
auf Anfrage |
| Edelstahl-Variante |
auf Anfrage |
Verfügbare Dimensionen pro Ausführung
| DN / Zoll / DA |
Fallnaht |
Mech. leicht |
Mittelschwer |
Mittelschwer NT |
| DN 80 / 3″ / 88,9 mm |
✓ |
✓ |
– |
– |
| DN 100 / 4″ / 114,3 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 125 / 5″ / 139,7 mm |
✓ |
✓ |
– |
– |
| DN 150 / 6″ / 168,3 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 200 / 8″ / 219,1 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 250 / 10″ / 273,0 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 300 / 12″ / 323,9 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 350 / 14″ / 355,6 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 400 / 16″ / 406,9 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 450 / 18″ / 457,0 mm |
✓ |
✓ |
✓ |
– |
| DN 500 / 20″ / 508,0 mm |
✓ |
– |
✓ |
– |
| DN 600 / 24″ / 610,0 mm |
– |
– |
✓ |
✓ |
| DN 700 / 28″ / 711,0 mm |
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– |
✓ |
✓ |
| DN 750 / 30″ / 762,0 mm |
– |
– |
✓ |
✓ |
| DN 800 / 32″ / 813,0 mm |
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– |
✓ |
✓ |
| DN 850 / 34″ / 864,0 mm |
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✓ |
| DN 900 / 36″ / 914,0 mm |
– |
– |
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✓ |
| DN 1000 / 40″ / 1016,0 mm |
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– |
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✓ |
| DN 1050 / 42″ / 1067,0 mm |
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✓ |
| DN 1100 / 44″ / 1118,0 mm |
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✓ |
| DN 1200 / 48″ / 1220,0 mm |
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– |
✓ |
✓ |
✓ verfügbar – nicht in dieser Ausführung
Passendes Zubehör und verwandte Geräte
Rohraußenzentrierung allein reicht selten. Auf der Baustelle gehört das Spalteisen mit dazu — als Keil unter den Brücken nimmt es den Restversatz, den Druckschrauben und Spindel allein nicht mehr schaffen.
Zum Spalteisen
Auf der Baustelle ergänzend im Einsatz
Schutz vor Wind, Regen und Funkenflug bietet der Schweißerschirm Pipeliner Ø 2,5 m — schwer entflammbar. Zum Reinigen der Schweißkanten zwischen den Lagen sind Pipeline-Rundbürsten OSBORN Standard. Bei dickwandigen oder niedriglegierten Stählen kommen Wärmematten für Rohr zum Vorwärmen und kontrollierten Abkühlen dazu, und der Elektrodentrockner hält basisch umhüllte Stabelektroden auf Verarbeitungstemperatur — Wasserstoffeintrag bleibt im Griff.
Alternativen in der Bauform
Wo Außenzentrierung an ihre Grenzen stößt, kommen Rohrzentrierketten ins Spiel — flexibel für Sonderquerschnitte und Formstücke. Für Großrohre und dickwandige Rohre, wo mechanische Spannkraft nicht mehr reicht, gibt es die hydraulische Bauform.
Zur hydraulischen Rohraußenzentrierung
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen mittelschwer und mittelschwer No-Tack?
Beide Bauformen lassen bis zu 80 % der Wurzellage einbringen, ohne die Zentrierung zu lösen. Der Unterschied liegt in der Brückenform: Die Standard-Mittelschwer-Variante hat ausgesparte Brücken mit Druckschrauben, mit denen sich auch deformierte Rohre ausrichten lassen — Heften vor dem Schweißen ist üblich. Die No-Tack-Variante hat gewölbte Omega-Brücken, die einen langen Bogen über die Schweißfuge schlagen, sodass die Wurzel in einem Zug durchgeschweißt werden kann — ohne Heften.
Wann darf die Zentrierung nach dem Schweißen gelöst werden?
Faustregel: Bei dünnwandigen Rohren bis 6 mm nach 80 % der Wurzel, bei mittlerer Wandstärke nach kompletter Wurzellage, bei dickwandigen Rohren über 12 mm erst nach der Heißlage. Die maßgebliche Vorgabe steht in der jeweiligen Schweißanweisung (WPS) — diese geht in jedem Fall vor.
Welche Toleranzen für den Kantenversatz sind üblich?
Im Pipelinebau lässt API 1104 bei gleicher Wandstärke maximal 3 mm Versatz zu. Im Anlagen- und Druckbehälterbau sieht ASME B31.3 1,6 mm bei NPS bis 24 vor, 3,2 mm bei NPS ab 26. Für Schmelzschweißverbindungen nach DIN EN ISO 5817 hängt die zulässige Höhe vom Bewertungsgrad B, C oder D ab — bei Wandstärken über 3 mm typisch zwischen 0,1 × t und 0,25 × t. Verbindlich ist immer der Originaltext der zitierten Norm in der jeweils aktuellen Ausgabe.
Welche Schweißverfahren passen zu welcher Variante?
Die Fallnaht-Bauform ist auf das Schweißen aus der Position PG (5G nach unten) abgestimmt — typisch mit zelluloseumhüllten Stabelektroden im Pipelinebau. Mittelschwer und mittelschwer No-Tack passen zu allen üblichen Verfahren — Stabelektrode, MAG mit STT- oder RMD-Modus, Fülldraht, manuelles WIG. Die Bauform Mech. leicht ist auf das Heften ausgelegt; die Wurzel wird anschließend in der Regel ohne Zentrierung geschweißt.
Wofür wird das Spalteisen gebraucht?
Das Spalteisen ist ein Keil, der unter die schräg angefasten Brücken der Zentrierung getrieben wird, sobald durch Druckschrauben oder Spindel allein der Kantenversatz nicht weiter zu reduzieren ist. Es hebt das tieferliegende Rohrende lokal an, bis die Mantelflächen fluchten. Auf der Baustelle gilt es als Pflicht-Zubehör — ein Satz Spalteisen in mehreren Stärken gehört zur Grundausstattung.
Sind die Bauformen für Edelstahlrohre geeignet?
Nein, nicht in dieser Standard-Ausführung. Die Auflagepunkte sind aus Stahl — bei Kontakt mit Edelstahl bleibt Eisen am Rohr, was später zu Lochfraß führen kann. Für Edelstahl-Schweißungen werden Bauformen mit Edelstahl-Auflagen oder eine Vollausführung in Edelstahl benötigt. Auf Anfrage lieferbar — kurze Mail an info@ab-industrie.de mit Rohrdurchmesser und Wandstärke genügt.
Sind Sondergrößen außerhalb der genannten DN-Bereiche möglich?
Ja. Außerhalb der oben gelisteten Standard-Dimensionen sind Sonderanfertigungen möglich — auch außerhalb des Spannweiten-Rahmens dieses Artikels (z. B. größer als DN 1200 oder kleiner als DN 80). Anfrage mit Rohrdurchmesser, Wandstärke und gewünschter Bauform per E-Mail.
Angaben zu Maßen, Werten und Eigenschaften nach bestem Wissen und Gewissen. Trotz sorgfältiger Pflege können sich Fehler einschleichen — verbindlich sind die Angaben des Herstellers im Datenblatt sowie die tatsächliche Lieferung. Bei Unstimmigkeiten oder Detailfragen schreiben Sie an info@ab-industrie.de.
Überarbeitet: 05/2026