Flexible Rohrprüfblase — passt sich an, wo andere nicht mehr abdichten
Die Flexible Rohrprüfblase ist eine pneumatische Rohrabsperrtechnik mit eingebautem Durchgang. Sie verschließt das Rohr und lässt gleichzeitig zu, dass Wasser oder Druckluft durch einen innenliegenden Schlauch geführt wird. Damit eignet sie sich für Spülen, Befüllen und Druckprüfungen — ohne dass die Blase zwischendurch abgebaut werden muss.
Verfügbar in zwei Druckklassen — 1,5 bar oder 2,5 bar — und in elf Größen von DN 35 bis DN 2.000. Die Durchgangsgrößen reichen von 1/16" für kleine Hausanschluss-Stutzen bis 4" für große Sammler.
Was die flexible Bauform leistet
Im Gegensatz zur Absperrprüfblase mit Metallkern hat die flexible Variante keine feste tragende Struktur. Stattdessen besteht sie aus einem äußeren Naturkautschuk-Mantel mit Gewebeeinlage und einem innenliegenden Schlauch. Der Mantel sorgt für die Dichtwirkung an der Rohrwand, der Schlauch bildet den Durchgang für die Flüssigkeits- oder Druckluftführung.
Der Vorteil dieser Bauweise: Die Blase passt sich auch dort an, wo ein starres Modell nicht mehr gleichmäßig anliegt — bei alten, gesetzungsgeschädigten Rohren mit ovalisierten Querschnitten, bei verzogenen Steinzeugleitungen, bei stark inkrustierten Beton-Rohren mit unregelmäßiger Innenwand. In intakten, runden Rohren ist die Metallkern-Variante schneller im Setzen; in deformierten Beständen kommt die flexible Bauform zum Zug.
Druckklasse 1,5 bar oder 2,5 bar — welche wann?
Beide Druckklassen sind für dieselben Größen verfügbar (mit kleineren Abweichungen am Sortimentsrand) und unterscheiden sich vor allem im maximal zulässigen Gegendruck:
-
1,5 bar — Standard-Variante. Max. Gegendruck 0,5 bar (≈ 5 m Wassersäule) bei DN 50 bis DN 500, ab DN 600 auf 0,3 bar (≈ 3 m WS) reduziert. Reicht für die meisten Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 und DIN 1986-30.
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2,5 bar — Variante mit höherem Gegendruck. Max. Gegendruck 1,0 bar (≈ 10 m WS) bei DN 35 bis DN 500, ab DN 600 auf 0,8 bar (≈ 8 m WS) reduziert. Notwendig bei tieferen Schächten oder höheren Aufstauhöhen.
Faustregel: Wenn Sie nicht wissen, ob 1,5 bar reicht — also bei Standard-Dichtheitsprüfungen in flachen Schächten — nehmen Sie die 1,5-bar-Variante. Bei tiefen Hausanschluss-Schächten, großen Aufstauhöhen oder wenn der Prüfvorgang einen höheren Druck erfordert, greifen Sie zur 2,5-bar-Variante. Die Variante DN 35 ist nur in 2,5 bar verfügbar.
Aufbau und Anschluss
Aufgepumpt wird die Blase über ein Reifenventil, geregelt wird der Druck über ein Steuerorgan mit Manometer. An den innenliegenden Schlauch werden Druckluft- oder Wasser-Schläuche per Schnellkupplung angeschlossen — die Größe richtet sich nach der gewählten Variante (1/16" bis 4"). Bei den kleinen Größen reicht eine Fußluftpumpe mit Doppelzylinder, ab DN 200 lohnt sich eine Standluftpumpe.
Der Temperaturbereich liegt zwischen −20 °C und +80 °C. Im Werk wird jede Blase mit dem 1,3-fachen Betriebsdruck geprüft, bevor sie ausgeliefert wird.
Sicherer Einsatz auf der Baustelle
Vor jedem Einsatz wird die Blase mit einer Sicherungsleine an einem belastbaren Festpunkt außerhalb des Rohres gesichert. Die DGUV Regel 201-022 schreibt eine formschlüssige Ausschubsicherung mit Sicherheitsfaktor 1,5 vor — bei einer Blase, die unter Druck steht, ist das nicht verhandelbar. Bei tieferen Schächten und größeren Bauformen wird die Blase mit einer Luftschiebestange in Position gebracht.
Gefahr: Tätigkeiten an unter Druck stehenden Anlagen und Komponenten dürfen nur durch befähigte Personen unter Beachtung der einschlägigen Sicherheitsvorschriften durchgeführt werden. Vor Gebrauch sind Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Prüfpflichten im Einzelfall maßgeblich.
Lebensdauer — Naturkautschuk altert
Naturkautschuk verliert mit der Zeit Substanz, auch wenn die Blase ungenutzt im Lager liegt. Wärme, UV-Licht und Ozon beschleunigen den Prozess; selbst bei optimaler Lagerung wird der Kautschuk irgendwann spröde. Branchenüblich werden Naturkautschuk-Blasen deshalb spätestens nach acht Jahren ausgesondert — auch wenn sie noch unbeschädigt aussehen.
Achtung: Eine Naturkautschuk-Blase, die acht Jahre oder älter ist, gehört nicht mehr in den Einsatz. Anders als bei der
Absperrprüfblase mit Metallkern ist hier kein modularer Mantel-Tausch möglich — die ganze Blase wird ersetzt.
Technische Daten
Die folgende Tabelle zeigt das Größenspektrum mit den verfügbaren Druckklassen und maximalen Gegendrücken. Die Durchgangsgröße ist je nach Bauform unterschiedlich — für viele Größen sind alternative Durchgänge oder Doppel-Durchgänge auf Anfrage über info@ab-industrie.de lieferbar.
| Einsatzbereich |
Gesamtlänge |
Durchmesser |
1,5 bar |
2,5 bar |
Max. Gegendruck |
Standard-Durchgang |
| DN 35 – DN 70 |
300 mm |
33 mm |
✗ |
✓ |
1,0 bar (2,5 bar) |
1/16" |
| DN 50 – DN 100 |
330 mm |
45 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
1/4" / 1/2" |
| DN 70 – DN 150 |
400 mm |
64 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
1/2" / 1" |
| DN 100 – DN 200 |
500 mm |
88 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
1" |
| DN 150 – DN 300 |
580 mm |
138 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
2" |
| DN 200 – DN 400 |
680 mm |
185 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
2" |
| DN 200 – DN 500 |
820 mm |
185 mm |
✓ |
✗ |
0,5 bar |
2" |
| DN 300 – DN 600 |
850 mm |
285 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
2" |
| DN 500 – DN 1.000 |
1.200 mm |
485 mm |
✓ |
✓ |
0,5 / 1,0 bar |
2" |
| DN 600 – DN 1.200 |
1.400 mm |
585 mm |
✓ |
✓ |
0,3 / 0,8 bar |
2" |
| DN 800 – DN 2.000 |
3.200 mm |
790 mm |
✓ |
✓ |
0,3 / 0,8 bar |
2" |
Allgemeine technische Eckdaten
| Bauform |
flexible Rohrprüfblase mit Mantel und innenliegendem Schlauch |
| Material |
Naturkautschuk-Mantel mit Gewebeeinlage, innenliegender Schlauch |
| Druckklassen |
1,5 bar oder 2,5 bar (Betriebsdruck) |
| Werkprüfdruck |
1,3-fache des Betriebsdrucks (1,95 bzw. 3,25 bar) |
| Temperaturbereich |
−20 °C bis +80 °C |
| Anschluss Aufpumpen |
Reifenventil / Schnellkupplung |
| Anschluss Durchgang |
1/16" bis 4" (größenabhängig); Doppel-Durchgänge auf Anfrage |
| Norm-Bezug |
geeignet für Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 (Verfahren L und W) und DIN 1986-30 |
Häufige Fragen
Was unterscheidet die Flexible Rohrprüfblase von einer Standard-Absperrblase?
Zwei Unterschiede. Erstens hat die flexible Variante einen innenliegenden Schlauch, durch den das Rohr trotz gesetzter Blase befüllt oder mit Druck beaufschlagt werden kann — eine Standard-Absperrblase verschließt das Rohr ohne Durchgang. Zweitens ist sie hochflexibel und passt sich auch an deformierte oder unrunde Rohrquerschnitte an. Wer nur absperren will, ist mit der Standard-Absperrblase günstiger bedient. Wer absperren UND prüfen will und dabei mit deformierten Altbeständen zu tun hat, nimmt die Flexible Rohrprüfblase.
Was ist der Unterschied zur Absperrprüfblase mit Metallkern?
Beide Modelle haben einen Durchgang und eignen sich zum Absperren und Prüfen. Die Absperrprüfblase mit Metallkern hat einen festen Stahlkern, der die Geometrie definiert — sie sitzt schneller, ist formstabiler unter Druck und der Mantel ist austauschbar. Die Flexible Rohrprüfblase hat keinen Kern und passt sich stärker an unrunde Rohre an. Faustregel: Bei intakten, runden Rohren ist die Metallkern-Variante schneller und auf längere Sicht wirtschaftlicher (modularer Mantel-Tausch). Bei stark deformierten Altbeständen, ovalisierten Steinzeugleitungen oder Rohren mit ausgeprägten Inkrustationen ist die flexible Variante die richtige Wahl.
Wann nehme ich die 1,5-bar-Variante, wann die 2,5-bar-Variante?
Bei Standard-Dichtheitsprüfungen in flachen Schächten (Aufstauhöhe bis ca. 5 m) reicht die 1,5-bar-Variante. Sobald Sie tiefere Schächte haben, höhere Aufstauhöhen benötigen oder die Anwendung höheren Prüfdruck verlangt, greifen Sie zur 2,5-bar-Variante. Außerdem ist die kleinste Größe DN 35 nur in der 2,5-bar-Variante verfügbar — wer Hausanschluss-Stutzen ab DN 35 prüfen will, hat keine Wahl.
Was bedeutet der innenliegende Schlauch?
Der innenliegende Schlauch ist der Befüll- und Prüfkanal, der durch die Mitte der Blase verläuft. Beim Aufpumpen dichtet der äußere Naturkautschuk-Mantel das Rohr ab, während der Schlauch im Inneren als durchgehender Kanal frei bleibt. Über diesen Schlauch wird das gesperrte Rohr von außen erreicht — zum Spülen, zum Befüllen mit Wasser oder Druckluft, oder zum Anlegen eines Prüfdrucks. Die Größe des Schlauches richtet sich nach der gewählten Variante und reicht von 1/16" bei DN 35 bis 4" bei großen Sammlern.
Welche Durchgangsgröße ist die richtige?
Faustregel: Je größer der Durchgang, desto höhere Volumenströme lassen sich durchsetzen — aber desto mehr Platz nimmt er auch im Rohrquerschnitt ein. Bei kleinen Hausanschluss-Stutzen ab DN 35 ist 1/16" oder 1/4" üblich. Bei mittleren Kanalgrößen (DN 100 bis DN 300) ist 1" bis 2" Standard. Bei großen Sammlern ab DN 500 kommen 2" oder Doppel-Durchgänge zum Einsatz, ab DN 800 lohnen sich auch 4". Wenn Sie unsicher sind, welche Größe für Ihre Anwendung passt, beraten wir gern unter info@ab-industrie.de.
Warum ist der maximale Gegendruck ab DN 600 reduziert?
Der zulässige Gegendruck hängt von der Mantelfläche ab, die der hydrostatische Druck im aufgestauten Rohr belastet. Bei größeren Durchmessern verteilt sich derselbe Druck auf eine deutlich größere Mantelfläche — die Belastung pro Flächenstück steigt, der zulässige Gesamt-Gegendruck sinkt entsprechend. Konkret: Bei der 1,5-bar-Variante reduziert sich der max. Gegendruck ab DN 600 von 0,5 bar auf 0,3 bar (etwa 3 m Wassersäule), bei der 2,5-bar-Variante von 1,0 bar auf 0,8 bar (etwa 8 m WS). Bei tieferen Schächten mit großen Rohrdurchmessern ist deshalb eine Hochdruckabsperrblase die richtige Wahl.
Welche Druckprüfungen lassen sich mit der Flexiblen Rohrprüfblase durchführen?
In Verbindung mit einem Steuerorgan und einem Manometer eignet sich die Blase für Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 — sowohl Verfahren L (Luft) als auch Verfahren W (Wasser). Auch die Bestandsprüfung der Grundstücksentwässerung nach DIN 1986-30 ist damit möglich. Die Blase wird gesetzt, der Prüfabschnitt über den innenliegenden Schlauch befüllt oder mit Druck beaufschlagt, der Druckabfall am Manometer abgelesen.
Wie lange ist eine Flexible Rohrprüfblase einsatzbereit?
Bei sachgerechter Lagerung und Pflege geht man branchenüblich von einer Standzeit von acht Jahren aus — danach wird die Blase ausgesondert, auch wenn sie noch unbeschädigt aussieht. Anders als bei der Absperrprüfblase mit Metallkern ist hier kein Mantel-Tausch möglich; die Blase wird komplett ersetzt. Zusätzlich verlangt die DGUV Regel 201-022 eine jährliche Prüfung durch eine befähigte Person sowie eine Sichtprüfung vor jedem Einsatz auf Risse, Quetschstellen und Ventilschäden.
Liefern Sie ins Ausland?
Versand in alle EU-Länder, in die Schweiz und nach Norwegen. Andere Länder auf Anfrage.
Damit die Flexible Rohrprüfblase regelkonform und kontrolliert eingesetzt werden kann, brauchen Sie das passende Zubehör — Steuerorgan mit Manometer, Schlauch, Pumpe, Sicherungsleine.
Zum Steuerorgan Manometer Alle Rohrabsperr- und Prüfblasen
Angaben zu Maßen, Werten und Eigenschaften nach bestem Wissen und Gewissen. Trotz sorgfältiger Pflege können sich Fehler einschleichen — verbindlich sind die Angaben des Herstellers im Datenblatt sowie die tatsächliche Lieferung. Bei Unstimmigkeiten oder Detailfragen schreiben Sie an info@ab-industrie.de.
Überarbeitet: 05/2026