Pneumatischer Rohrendverschluss — schnell gesetzt, mit Durchgang
Der pneumatische Rohrendverschluss ist eine aufblasbare Lösung zum Verschließen und Prüfen von Rohrleitungen und kreisförmigen Kanälen. Aufgebaut aus einem Metallkern mit Durchgang und einem Naturkautschuk-Mantel, wird er über ein Autoventil aufgeblasen — der Gummimantel dehnt sich aus und presst sich von innen an die Rohrwand. Verfügbar von DN 200 bis DN 700 in 9 Nennweiten, Spannbereich 190–710 mm.
Was den pneumatischen Rohrendverschluss von den mechanischen Standard-Verschlüssen unterscheidet: Es muss nichts angezogen werden. Reinschieben, aufblasen, fertig. Im Vergleich zu klassischen Rohrabsperrblasen ist der Vorteil der feste Metallkern — er bringt Stabilität in den Verschluss, ermöglicht den Durchgang in der Mitte und hält die Form auch ohne Anpressdruck.
Aufbau und Funktion
Der Verschluss besteht aus einem zylindrischen Metallkern mit Durchgang in der Mitte, einem dichten Naturkautschuk-Mantel um den Kern und einem Autoventil zum Aufblasen. Wird der Verschluss in das Rohrende eingeschoben und über das Autoventil mit Druckluft beaufschlagt, dehnt sich der Gummimantel radial aus und legt sich umlaufend an die Rohrinnenwand an. Der Verschluss sitzt — durch den Reibschluss zwischen Gummi und Rohrwand.
Der zentrale Durchgang erlaubt eine Bypasslegung — also das Weiterleiten oder Absaugen von Wasser, Luft oder Spülmedium an der Absperrung vorbei. Im Standard ist der Durchgang mit einem Blindverschluss verschlossen; bei Bedarf wird der Blindverschluss abgenommen und ein Anschlussstück eingedreht. Je nach Nennweite ist der Durchgang 1″ (bis DN 250) oder 2″ (ab DN 300).
Wann der pneumatische Rohrendverschluss die richtige Wahl ist
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Schnelles Setzen und Lösen: Anders als bei mechanischen Verschlüssen entfällt das Anziehen mit Schlüssel. Reinschieben, aufblasen, los.
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Bypass nötig: Wenn während der Absperrung Wasser oder Luft an der Sperrstelle vorbeigeleitet werden soll, ist der Durchgang die schnellste Lösung. Bei reinen Scheiben-Verschlüssen ist das oft nicht möglich oder sehr eingeschränkt.
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Häufiger Standortwechsel: Bei Inspektionen, Schacht- und Kanalreparaturen oder mobilen Prüfeinsätzen ist der pneumatische Verschluss schneller einsatzbereit als ein mechanischer Verschluss mit Spannmechanik.
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Mittlerer Druckbereich (bis 4 bar): Wo Standard-Rohrverschlüsse zu wenig halten und der Hochdruck-Rohrverschluss zu starr ist, schließt der pneumatische Endverschluss die Lücke.
Typische Anwendungen
- Absperrung bei Kanal- und Schachtreparaturen
- Verschluss bei Rohreinbrüchen und unplanmäßigen Wartungseinsätzen
- Kanalinspektion mit gleichzeitigem Bypass
- Niederdruck-Dichtheitsprüfungen (DIN EN 1610 Verfahren W bis 0,5 bar, Verfahren L bis 0,2 bar)
- Verschluss von Toleitungen während Umbau- und Sanierungsarbeiten
- Bypass-Lösungen im Tiefbau und in der Stadtentwässerung
Gefahr: Aufblasbare Verschlüsse können bei Überdruck oder Beschädigung des Gummimantels schlagartig versagen — der gespeicherte Luftdruck und das ausströmende Material wirken wie ein Geschoss. Aufblasdruck und Gegendruck dürfen niemals die jeweilige Nennlast überschreiten. Der Verschluss muss formschlüssig gegen Ausschub gesichert werden — Verbau im Schacht, Abstützung am Schachtbauwerk oder eine Sperrkette mit Auslegung gegen die maximal zu erwartende Druckkraft. Reibung darf rechnerisch nicht in Ansatz gebracht werden. Auslegung mit Sicherheitsfaktor 1,5 nach DGUV Information 201-022 in der jeweils gültigen Fassung. Während Aufblasen, Druckaufbau und Druckabbau halten sich keine Personen vor dem Verschluss auf — auch nicht in seitlicher Verlängerung der Rohrachse.
Aufblasdruck und Gegendruck — der wichtige Unterschied
Bei aufblasbaren Verschlüssen werden zwei Drücke unterschieden, die nicht verwechselt werden dürfen:
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Aufblasdruck: Der Druck, mit dem der Verschluss innen befüllt wird (über das Autoventil). Bei diesem Verschluss bis 6 bar.
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Gegendruck: Der Druck, der von außen auf den eingebauten Verschluss wirken darf — also der Druck im abgesperrten Rohrabschnitt. Maximal 4 bar.
Die 4 bar Gegendruck sind das, was im Anwendungsfall zählt: Bis dahin hält der Verschluss dicht und in Position. Wer höhere Drücke braucht, greift zum mechanischen Hochdruck-Rohrverschluss bis 6 bar oder zu einer Hochdruck-Absperrblase.
Achtung: Aufblasen ausschließlich mit drucklimitiertem Kompressor oder Manometer am Aufblas-Anschluss. Schlagartiges Aufpumpen oder Überdruck zerstört den Gummimantel und macht den Verschluss unbrauchbar — schlimmstenfalls platzt er in der Hand. Ein einfacher Druckminderer am Kompressor löst das Problem.
Eigenschaften im Überblick
| Max. Gegendruck |
4 bar |
| Max. Aufblasdruck |
6 bar |
| Mantel |
Naturkautschuk (NR) |
| Kern |
Metall (mit Durchgang) |
| Aufblasanschluss |
Autoventil (Schrader-Ventil) |
| Durchgang |
1″ (DN 200, DN 250) bzw. 2″ (DN 300–DN 700) |
| Temperaturbereich |
–20 °C bis +80 °C |
| Einsatzbereich |
DN 200 bis DN 700 (190–710 mm) |
Technische Daten je Nennweite
9 Nennweiten von DN 200 bis DN 700. Die Tabelle entspricht den Hersteller-Angaben.
| DN |
Spannbereich |
Länge |
Außen-Ø |
Durchgang |
Max. Gegendruck |
Gewicht |
| 200 |
190–210 mm |
110 mm |
185 mm |
1″ |
4 bar |
2,7 kg |
| 250 |
245–255 mm |
110 mm |
230 mm |
1″ |
4 bar |
3,9 kg |
| 300 |
290–305 mm |
110 mm |
280 mm |
2″ |
4 bar |
4,9 kg |
| 350 |
345–360 mm |
110 mm |
330 mm |
2″ |
4 bar |
5,9 kg |
| 400 |
390–405 mm |
110 mm |
380 mm |
2″ |
4 bar |
7,0 kg |
| 450 |
445–460 mm |
160 mm |
440 mm |
2″ |
4 bar |
15,7 kg |
| 500 |
495–505 mm |
160 mm |
485 mm |
2″ |
4 bar |
17,0 kg |
| 600 |
590–610 mm |
160 mm |
585 mm |
2″ |
4 bar |
20,0 kg |
| 700 |
690–710 mm |
160 mm |
685 mm |
2″ |
4 bar |
24,0 kg |
Hinweis zur Bauform: Bis DN 400 ist der Verschluss 110 mm lang, ab DN 450 wechselt die Bauform auf 160 mm Länge. Beide Bauformen funktionieren identisch — die längere Variante bietet bei den größeren Nennweiten zusätzliche Anlagefläche an der Rohrwand.
Einbau und Bedienung
Vor dem Einsatz wird die Rohrinnenwand geprüft — auf scharfe Kanten, Grate, Schmutz und Eis. Bei einem Gummimantel-Verschluss sind diese Prüfungen besonders wichtig: Eine scharfe Kante reicht, um den Mantel beim Aufblasen zu beschädigen.
Der Verschluss wird in das offene Rohrende eingeschoben und mittig ausgerichtet. Anschließend wird das Autoventil mit einem Kompressor oder einer Luftpumpe verbunden. Aufblasen langsam und kontrolliert — am besten mit Druckminderer am Kompressor und Manometer. Der Aufblasdruck muss nicht das Maximum erreichen; je nach Spannbereich genügen 3–5 bar Aufblasdruck, um eine sichere Abdichtung herzustellen. Mehr Druck bringt bei korrekt gewählter Größe nichts.
Wenn ein Bypass genutzt werden soll, wird der Blindverschluss am Durchgang abgeschraubt und das Anschlussstück (1″ oder 2″, je nach Nennweite) eingedreht — vor oder nach dem Aufblasen ist beides möglich.
Vor dem Lösen: erst Druck ablassen
Vor dem Entfernen des Verschlusses wird sowohl der Sperrdruck im Rohrabschnitt als auch der Aufblasdruck im Verschluss vollständig abgebaut. Das ist die Standard-Reihenfolge: Sperrdruck zuerst (über Ablassventil im Rohrsystem), dann den Verschluss entlüften (über das Autoventil). Erst danach lässt sich der Verschluss aus dem Rohr ziehen. Wer den Verschluss bei noch anliegendem Sperrdruck löst, riskiert, dass der Verschluss aus dem Rohr katapultiert wird.
Sichtprüfung vor jedem Einsatz
Nach DGUV Information 201-022 in der jeweils gültigen Fassung ist der Verschluss vor jedem Einsatz auf sichtbare Schäden zu prüfen — Risse, poröse Stellen oder Einschnitte am Gummimantel, Korrosion am Metallkern, Funktion des Autoventils. Bei sichtbaren Schäden am Mantel ist der Verschluss auszusondern und nicht mehr einzusetzen — auch wenn der Schaden „nur klein" wirkt. Wiederkehrende Prüfungen erfolgen nach betrieblicher Festlegung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
Pneumatisch oder mechanisch — was passt wann?
Beide Verschluss-Arten erfüllen das gleiche Grundziel: Rohr dicht verschließen. Der Unterschied liegt in der Aktivierung, im Druckbereich und im Komfort.
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Pneumatischer Rohrendverschluss (dieser Artikel): Schnell gesetzt durch Aufblasen, mit Durchgang für Bypass, mittlerer Druckbereich bis 4 bar. Empfehlung bei häufigem Setzen, Bypass-Bedarf, mobilen Einsätzen.
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Mechanischer Hochdruck-Rohrverschluss bis 6 bar: Höherer Druckbereich, robuste zylindrische Bauform, NBR-Dichtung (ölbeständig), kein Durchgang im Standard. Empfehlung bei tatsächlich höherem Druck oder ölhaltigen Medien.
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Standard-Rohrverschluss mit 1 Dichtring: Druckloser Einsatz mit kleinen Drücken, deutlich günstiger, leichter. Empfehlung wenn kein nennenswerter Druck ansteht.
Für Druckprüfungen mit gleichzeitiger Befüllung sind Rohrabsperr- und Prüfblasen die alternative Lösung — sie sind reine Gummi-Bauteile ohne Metallkern und entsprechend flexibler im Rohr, aber ohne den festen Durchgang des pneumatischen Endverschlusses.
Passendes Zubehör
Zum Aufblasen genügt ein gewöhnlicher Werkstattkompressor mit 6-bar-Auslass und Reifenfüller-Anschluss. Empfohlen wird ein Druckminderer und ein Manometer am Aufblas-Anschluss. Für Bypass-Anwendungen werden zusätzlich Anschlussstücke mit 1″- oder 2″-Außengewinde benötigt — je nach Anwendung Schlauch-Adapter, Manometer-Anschluss oder Absperrhahn.
Alle Rohrverschlüsse im Überblick
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Aufblasdruck und Gegendruck?
Der Aufblasdruck ist der Druck, mit dem der Verschluss innen befüllt wird — bei diesem Verschluss bis 6 bar. Der Gegendruck ist der Druck, der von außen auf den eingebauten Verschluss wirken darf — also der Druck im abgesperrten Rohrabschnitt. Maximal 4 bar. Die 4 bar Gegendruck sind der Wert, der im Anwendungsfall zählt: Bis dahin hält der Verschluss in Position und dichtet ab. Der höhere Aufblasdruck ist nötig, um den Mantel ausreichend an die Rohrwand zu pressen — er wirkt nicht als Gegendruck-Reserve.
Welchen Kompressor brauche ich zum Aufblasen?
Ein gewöhnlicher Werkstattkompressor mit 6-bar-Auslass und Reifenfüller-Anschluss reicht völlig aus. Für gelegentlichen Einsatz genügt im Notfall sogar eine kräftige Fußluftpumpe, allerdings wird das Aufblasen größerer Verschlüsse damit mühsam. Empfehlenswert ist ein Druckminderer am Kompressor und ein Manometer am Aufblas-Anschluss — schon aus Sicherheitsgründen.
Was ist ein Autoventil?
Das ist der gleiche Ventil-Typ wie bei einem Autoreifen oder Mountainbike-Reifen — auch Schrader-Ventil genannt. Standardanschluss in der Werkstatt, kein Spezialwerkzeug nötig. Vorteil: Was im Reifenregal funktioniert, funktioniert auch hier — gewöhnliche Reifenfüller-Stutzen passen.
Wie wähle ich die richtige Größe?
Maßgeblich ist der Innendurchmesser des Rohrs, in dem der Verschluss sitzen soll. Ideal ist die Nennweite, bei der der Rohrinnendurchmesser im mittleren Drittel des angegebenen Spannbereichs liegt. Beispiel: Bei einem 300-mm-Innendurchmesser passt DN 300 (290–305 mm) — das ist genau passend. Bei einem 250-mm-Innendurchmesser ist DN 250 (245–255 mm) richtig, nicht DN 200 (190–210 mm).
Was bedeutet „Durchgang" und wie nutze ich ihn?
Der Durchgang ist eine durchgehende Öffnung in der Mitte des Verschlusses — bei DN 200/250 mit 1″-Innengewinde, ab DN 300 mit 2″-Innengewinde. Im Standard ist der Durchgang mit einem Blindverschluss verschlossen. Wird der Blindverschluss abgeschraubt, lässt sich an der Stelle ein Schlauch, ein Manometer oder ein Absperrhahn anschließen — für Bypass-Anwendungen, Mengenmessung oder gezielten Druckaufbau.
Was passiert bei Überdruck oder Beschädigung?
Bei Überdruck zerstört der Mantel — der Verschluss verliert die Dichtfunktion und kann je nach Schaden plötzlich versagen. Bei einer aufblasbaren Konstruktion mit gespeicherter Druckenergie ist das ein Sicherheitsthema, weshalb formschlüssige Sicherung gegen Ausschub und Druckminderer am Kompressor Standard sind. Vor jedem Einsatz Sichtprüfung des Mantels — Risse, Einschnitte oder poröse Stellen führen zur Aussonderung.
In welchem Temperaturbereich darf der Verschluss eingesetzt werden?
Der Hersteller gibt einen Einsatzbereich von –20 °C bis +80 °C an. Außerhalb dieses Bereichs verliert der Naturkautschuk-Mantel seine Elastizität (zu kalt) oder altert beschleunigt (zu warm). Bei Einsätzen außerhalb des Bereichs vor Bestellung Rücksprache an info@ab-industrie.de.
Darf ich den Verschluss an Gasleitungen einsetzen?
Nicht bestimmungsgemäß. Für Druckprüfungen an Gasleitungen ist DVGW G 469 in der jeweils gültigen Fassung das einschlägige Regelwerk; eingesetzt werden dort spezialisierte Prüfgeräte und Gas-Absperrblasen. Der pneumatische Rohrendverschluss ist für Wasser, Abwasser und vergleichbare Medien konzipiert.
Wie pflege ich den Verschluss?
Nach dem Einsatz Verschluss vollständig entlüften und mit klarem Wasser abspülen, dann trocken lagern. Nicht im aufgeblasenen Zustand lagern. Dichtflächen am Autoventil und am Durchgang sauber halten. Bei sichtbaren Schäden am Gummimantel oder am Autoventil: Verschluss aussondern, nicht reparieren. Ein pneumatischer Verschluss mit verkratztem Mantel ist ein Sicherheitsrisiko.
Liefern Sie ins Ausland?
Versand in alle EU-Länder, in die Schweiz und nach Norwegen. Andere Länder auf Anfrage.
Angaben zu Maßen, Werten und Eigenschaften nach bestem Wissen und Gewissen. Trotz sorgfältiger Pflege können sich Fehler einschleichen — verbindlich sind die Angaben des Herstellers im Datenblatt sowie die tatsächliche Lieferung. Bei Unstimmigkeiten oder Detailfragen schreiben Sie an info@ab-industrie.de.
Überarbeitet: 05/2026