SOLAR FLUX Formierpaste Typ B – Wurzelschutz ohne Formiergas
Wer Edelstahl-Rohre WIG-schweißt, kennt das Problem: Das Schutzgas hält nur die Vorderseite der Naht sauber. Die Wurzel oxidiert von innen her, wenn nichts dagegen unternommen wird – „Sugaring", poröse Naht, Korrosionsanfälligkeit, Ausschuss. Klassische Antwort ist die Formiergas-Spülung mit Argon. Funktioniert, kostet aber Gas, Zeit und Aufbau.
SOLAR FLUX Typ B ist die Alternative dazu: ein dunkelgraues Pulver, das mit Methanol zur streichfähigen Paste angerührt und auf die Wurzelseite aufgetragen wird. Beim Schweißen schmilzt es zu einer glasartigen Schutzschicht, hält den Sauerstoff weg, leitet Wärme und Oxide ab. Eine 454-g-Dose reicht für etwa 30 m Schweißnaht.
Für welche Werkstoffe der Typ B passt
Typ B ist für alle ferritischen und austenitischen Stähle mit einem Nickelanteil unter 25 % geeignet. Konkret:
-
Edelstahl (austenitische Stähle wie 304, 316)
-
Niedrig legierte Stähle und Chrom-Molybdän-Stähle
-
Ausscheidungshärtende Stähle (precipitation hardening)
-
Hochchrom-Legierungen mit Nickel unter 25 %
Achtung: Bei den Werkstoffen 309 und 310 ist Typ B grundsätzlich einsetzbar – der Hersteller empfiehlt für diese beiden allerdings den Typ I. Bei Nickel-Basis-Legierungen über 25 % Nickel (Inconel, Monel und vergleichbare) ist ausschließlich Typ I zu verwenden.
Schweißverfahren
SOLAR FLUX Typ B wird vom Hersteller für zwei Schweißverfahren bestätigt:
-
WIG-Schweißen (TIG)
-
Autogenschweißen (Oxy-Acetylen)
Der Aktivitätsbereich liegt zwischen 1093 °C und 1593 °C – die Paste reagiert erst bei Schweißtemperatur, für Hartlöten oder Weichlöten ist sie nicht heiß genug und damit ungeeignet.
SOLAR FLUX vs. Formiergas-Spülung – wann was sinnvoller ist
| Kriterium |
SOLAR FLUX Typ B |
Formiergas-Spülung |
| Aufbau-Aufwand |
Pinsel, Pulver, Methanol |
Gasflasche, Druckminderer, Schläuche, Stopfen oder Formiergas-System |
| Geeignet für |
Einzel-Nähte, Reparaturen, beengte Stellen, mobile Einsätze |
Serien-Schweißungen, lange Rohrstränge, ortsfeste Werkstattarbeit |
| Verbrauchskosten |
~ 30 m Naht pro 454-g-Dose |
laufender Argon-Verbrauch |
| Nicht geeignet für |
Lebensmittelleitungen, medizinische Sauerstoffleitungen, Reinraum-Druckluftleitungen, Dampfleitungen über 538 °C |
geringe Einschränkungen |
| Rückstand auf der Naht |
dünne, glasartige Schicht – chemisch inert, muss meist nicht entfernt werden |
keiner |
Anwendung
Untergrund vorbereiten: das Metall muss frei von Fett, Öl und Schmutz sein. Schmutz und Oxide nimmt SOLAR FLUX selbst weg, Fett dagegen nicht – das wird mit einem Lösemittel oder Dampfentfetter abgereinigt.
Anrühren: Pulver mit Methanol verrühren, bis eine Paste in der Konsistenz von dünner bis mittelfester Sahne entsteht. Methanol ist die Hersteller-Empfehlung; reine Alkohole ohne Zusätze sind die nächstbeste Wahl. Wasser geht ebenfalls, der Trocknungsprozess dauert dann etwas länger.
Auftragen: nur so viel anrühren, wie an einem Tag verbraucht wird – Dose anschließend dicht verschließen. Paste mit Pinsel, Roller oder Stab auf die Wurzelseite der Naht auftragen und einige Minuten stehen lassen, damit die chemische Reaktion zwischen Pulver und Alkohol stattfinden kann. Eine dünne Schicht zwischen den Heftpunkten verhindert Oxide an den Heftstellen.
Schweißen: nach dem Trocknen wie gewohnt schweißen. Geheftete Teile können auch mehrere Tage später noch geschweißt werden, solange die Beschichtung nicht abgerieben wurde.
Tipp: Die angerührte Paste verdickt während der Arbeit. Mit ein paar Tropfen Alkohol wieder dünner rühren – aber bereits eingetrocknete Paste nicht erneut aufmischen, sondern verwerfen.
Was sichtbar passiert – mit und ohne SOLAR FLUX
Wurzelseite mit SOLAR FLUX – glatt, oxidfrei, dünne glasartige Schicht
Wurzelseite ohne Schutz – zuckerartige Oxidschicht („Sugaring"), porös
Rückstände entfernen – nur, wenn nötig
Nach dem Schweißen bleibt eine dünne, glasartige Schicht auf der Naht zurück. Sie ist chemisch inert und haftet fest am Grundwerkstoff. In den meisten Anwendungen muss sie nicht entfernt werden. Eine Entfernung wird nur in drei Fällen nötig:
- Wenn die Naht später mit Lebensmitteln oder Getränken in Kontakt kommt
- Bei Betriebstemperaturen über 538 °C in oxidierender Atmosphäre
- Wenn die Optik oder Passgenauigkeit zu Anschlussbauteilen eine saubere Oberfläche verlangt
Entfernung mechanisch (Schleifen, Meißeln, Sandstrahlen) oder chemisch (Beizbad). Bei dünnwandigen Bauteilen ist das Beizen meist die schonendere Variante.
Technische Daten
| Merkmal |
Wert |
| Inhalt |
454 g |
| Form |
dunkelgraues Pulver |
| Dichte |
2,2 g/cm³ bei 20 °C |
| Aktivitätsbereich |
1093 °C bis 1593 °C |
| Ergiebigkeit |
ca. 30 m Schweißnaht pro Dose |
| Geeignete Werkstoffe |
ferritische und austenitische Stähle mit Nickel unter 25 % |
| Schweißverfahren |
WIG, Autogen |
| Anrühren mit |
Methanol (bevorzugt), reiner Alkohol oder Wasser |
| Lagerung |
trocken, dicht verschlossen, im Originalbehälter |
| Haltbarkeit (Pulver) |
unbegrenzt, solange trocken gelagert |
| Wassergefährdungsklasse |
WGK 3 (stark wassergefährdend) |
| Lagerklasse (TRGS 510) |
LGK 6.1 D |
Gefahr: SOLAR FLUX Typ B ist ein gewerblicher Gefahrstoff (GHS08, Signalwort GEFAHR). H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, kann das Kind im Mutterleib schädigen (bei Verschlucken). H372: Schädigt die Organe (Lunge) bei längerer oder wiederholter Exposition (bei Einatmen). EUH032: Entwickelt bei Berührung mit Säure sehr giftige Gase. Abgabe nur an gewerbliche Anwender. Staub nicht einatmen. Schutzhandschuhe (EN 374), Schutzbrille (EN 166) und bei unzureichender Belüftung Partikelfilter (EN 143) tragen. Vor Gebrauch das Sicherheitsdatenblatt lesen.
Zum Formiergassystem Alle Produkte zum Formieren
Häufige Fragen
Welcher Alkohol eignet sich am besten zum Anmischen?
Methanol ist die Hersteller-Empfehlung – er verdunstet zügig und reagiert sauber mit dem Pulver. Reine, additivfreie Ethanol-Sorten funktionieren ebenfalls. Wasser geht auch, der Trocknungsprozess dauert dann nur länger. Was nicht geht: Alkohole mit Zusatzstoffen (z. B. Frostschutz mit Additiven) – die können die chemische Reaktion stören.
Wie lange ist eine angerührte Charge verwendbar?
Solange sie streichfähig bleibt. Verdickt die Paste, kann mit ein paar Tropfen Alkohol nachgerührt werden. Eingetrocknete Paste wird verworfen, nicht erneut angerührt – die chemische Reaktion findet kein zweites Mal statt.
Kann Typ B auch für Hartlöten oder Weichlöten genutzt werden?
Nein. SOLAR FLUX braucht die hohen Temperaturen des Schweißens, um zu reagieren. Die Aktivierungstemperatur liegt bei 1093 °C – Hartlöten und Weichlöten erreichen diese Temperatur nicht.
Müssen die Rückstände nach dem Schweißen entfernt werden?
In den meisten Fällen nicht. Die dünne, glasartige Schicht ist chemisch inert und stört die Naht funktional nicht. Entfernung ist nur nötig, wenn die Naht später Lebensmittel-/Trinkwasser-Kontakt hat, dauerhaft über 538 °C arbeitet oder optisch beziehungsweise passungstechnisch sauber sein muss. Dann mechanisch (Schleifen, Sandstrahlen) oder im Beizbad entfernen.
Was passiert bei einem Nickelanteil über 25 %?
Typ B ist dafür nicht freigegeben. Für Nickel-Basis-Legierungen wie Inconel oder Monel ist Typ I die richtige Variante. Im Zweifel den Werkstoff prüfen, bevor angerührt wird – falsche Type-Wahl kann zu Wurzeloxidation trotz Pasteneinsatz führen.
Liefern Sie ins Ausland?
Wir liefern innerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Lieferungen in andere EU-/EWR-Staaten sind auf Anfrage möglich; bitte sprechen Sie uns an.
Diese technische Information stellt eine allgemeine Orientierungshilfe dar und ersetzt nicht die fachliche Prüfung im Einzelfall. Auswahl, Auslegung und sicherheitstechnische Bewertung obliegen dem Anwender beziehungsweise dem von ihm beauftragten Fachplaner unter Berücksichtigung der konkreten Einsatzbedingungen. Bei der Anwendung von Gefahrstoffen sind die Sicherheitsdatenblätter und Gefahrenhinweise auf dem Produktetikett zu beachten. Die Bereitstellung des Sicherheitsdatenblatts erfolgt auf Anfrage und gemäß den einschlägigen Vorgaben.