Spülzylinder für Großrohre — von Ø 145 bis 1000 mm
Ab Rohrinnendurchmessern von etwa 145 mm wird klassisches Doppel-Scheiben-Formieren unhandlich. Stattdessen kommen Spülzylinder zum Einsatz: zylindrische Werkzeuge mit umlaufenden Dichtlippen, die im Rohr zwei abgegrenzte Kammern erzeugen, zwischen denen das Schutzgas die Schweißnaht umspült. Das Sortiment deckt diesen Bereich mit zwei Modellen ab — dem WS für Standard-Anwendungen und dem WS Plus für höhere Temperaturen und komplexere Geometrien.
Für kleinere Rohre ist das einseitige Schutzgasfinger-System (Ø 13–43 mm) oder das Formiergassystem mit doppelter Silikondichtung (Ø 25–320 mm) die richtige Wahl. Im Übergangsbereich um Ø 200–320 mm überlappen sich Silikondichtungs-System und WS-Spülzylinder — welches passt, hängt vom konkreten Einsatzfall ab.
WS oder WS Plus — der Vergleich
Beide Modelle erfüllen denselben Zweck: schnelles, effizientes Spülen großer Rohrabschnitte. Der Unterschied liegt in der Bauart der Dichtlippen, in den verarbeiteten Materialien und damit in der Temperaturreserve.
| Merkmal |
WS Spülzylinder |
WS Plus Spülzylinder |
| Anwendungsbereich |
Ø 145–1000 mm |
8″ bis 40″ (Ø 180–905 mm) |
| Dichtlippen |
doppelte Dichtlippen, hitzefest |
doppelte, längere Dichtlippen |
| Temperaturbereich |
bis 280 °C, max. 1 Stunde |
bis 340 °C, max. 1 Stunde |
| Spülzeit |
ca. 2,5 Min, dimensionsunabhängig |
ca. 2,5 Min, dimensionsunabhängig |
| Geeignete Schweißverfahren |
WIG, MIG/MAG |
WIG, MIG/MAG |
| Empfohlener Gasfluss |
10 % der Rohrdimension (20 % bei Titan) |
10 % der Rohrdimension (20 % bei Titan) |
| Bögen / Geometrie |
gerade oder leicht gebogen, mit Ziehball |
mehrere Bögen, mit Konsole und Ziehball |
| Typischer Einsatzbereich |
Standard-Rohrleitungsbau |
Offshore, anspruchsvolle Geometrien |
Achtung: Die Temperaturwerte „bis 280 °C" und „bis 340 °C" sind Belastungsgrenzen für jeweils maximal eine Stunde, keine Dauerbetriebswerte. Bei langen Schweißnähten an dickwandigem Material Pausen einplanen, das System abkühlen lassen oder die nächsthöhere Temperaturklasse wählen.
Welcher Zylinder für welchen Einsatz?
Die Wahl entscheidet sich am konkreten Anwendungsfall:
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WS Spülzylinder: Standard-Wahl bei geraden oder leicht gebogenen Rohrleitungen, dünnwandigem Material und Schweißtemperaturen bis 280 °C. Wird typischerweise mit Ziehball gezogen.
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WS Plus Spülzylinder: Wahl bei mehreren Bögen hintereinander, dickwandigem Material, höherem Wärmeeintrag oder Anwendungen mit Vorwärmung. Wird mit Konsole und Ziehball kombiniert, damit der Zylinder beim Durchziehen nicht an Bogeninnenseiten hängenbleibt.
Neben Rohrdurchmesser, Bogen-Anzahl, Wandstärke und Vorwärmen entscheidet auch die Wiederholrate mit über die Wahl: Wer denselben Zylinder mehrmals täglich durch wechselnde Rohrgeometrien zieht, profitiert beim WS Plus von Konsole und Ziehball deutlich — es spart Zeit und Verschleiß.
Funktionsprinzip und Variantenlogik
Doppelte Dichtlippen, kurze Spülzeit
Beide Zylinder arbeiten mit doppelten umlaufenden Dichtlippen. Diese erzeugen im Rohr zwei abgegrenzte Volumen, zwischen denen das Schutzgas durchströmt — exakt im Bereich der Schweißnaht. Bei einem Gasfluss von rund 10 % der Rohrdimension (20 % bei Titan) ist die Spülung typischerweise nach etwa 2,5 Minuten so weit, dass geschweißt werden kann. Der Wert ist dimensionsunabhängig — ein 600-mm-Rohr braucht nicht messbar länger als ein 200-mm-Rohr.
Variantenlogik im Konfigurator
Im Variantenkonfigurator stehen zwei Achsen zur Auswahl: Temperatur (280 °C oder 340 °C) und Rohr-Innendurchmesser. Aus der Hersteller-Logik ergibt sich eine feste Zuordnung:
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WS Spülzylinder sind ausschließlich in der 280-°C-Variante verfügbar — Größenbereich Ø 145–1000 mm.
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WS Plus Spülzylinder sind ausschließlich in der 340-°C-Variante verfügbar — Größenbereich 8″ bis 40″ (Ø 180–905 mm).
Hinweis: Bei Unsicherheit zur richtigen Auswahl helfen wir telefonisch weiter — bei sehr großen Durchmessern oder Sondergeometrien sind außerdem Sondermaße möglich, die nicht im Standard-Konfigurator gelistet sind.
Konsole, Ziehball, Zugseil — wann was?
Beim Ziehen durch Bögen legt sich das Zugseil immer an die Innenseite des Bogens — ohne Hilfsmittel besteht das Risiko, dass der Zylinder verkantet. Drei Zubehörteile helfen:
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Ziehball vor dem Zylinder: zentriert das Seil im Rohr, wirkt wie eine kleine Vorhut, die den Bogen vorprüft.
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Konsole am Zylinder: hält den Zylinder beim Durchziehen mittig im Rohr, statt an einer Wand entlangzuschleifen.
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Nicht-isoliertes Zugseil (statt isoliertem): in Kombination mit Konsole und Ziehball reduziert es die Reibung weiter und ist die übliche Empfehlung für Offshore- oder Serien-Anwendungen.
Für gerade Rohrabschnitte ohne Bögen reicht oft das einfache Zugseil ohne Zubehör. Für ein bis zwei Bögen ist Ziehball plus Zugseil eine sinnvolle Kombination. Ab mehreren Bögen oder bei häufigem Einsatz lohnt sich die volle Ausstattung mit Konsole.
Häufige Fragen
Was bedeutet „bis 280 °C / 340 °C, max. 1 Stunde" in der Praxis?
Das ist eine Belastungsgrenze, kein Dauerbetriebswert. Bei Standard-WIG-Schweißen an dünnwandigem Edelstahl bleibt die Wärmebelastung der Dichtlippen typischerweise weit darunter. Kritisch wird es bei langen Nähten an dickwandigem Material oder bei Verfahren mit Vorwärmung, wenn die Wärme länger im Rohrabschnitt bleibt. Im Zweifel: in Etappen arbeiten oder die nächsthöhere Temperaturklasse (WS Plus) wählen.
Lassen sich die Zylinder durch Bögen ziehen?
Ja, mit Einschränkungen. Der WS-Zylinder ist für gerade oder leicht gebogene Strecken konstruiert; er lässt sich mit Ziehball vor dem Werkzeug durch einzelne Bögen ziehen. Der WS Plus ist für mehrere Bögen ausgelegt und arbeitet dann am besten mit Konsole und Ziehball. Bei sehr engen Radien oder Innenversätzen vorab prüfen, ob der Außendurchmesser des Zylinders den Bogen passiert — ein Probelauf ohne Gas ist die schnellste Methode.
Wie lange muss ich vor dem ersten Schweißfunken spülen?
Bei rund 10 % der Rohrdimension Gasfluss erreicht die Wurzelkammer typischerweise nach etwa 2,5 Minuten den Zielwert für Standard-Edelstahl. Wer den Wert exakt wissen will — vor allem bei Duplex oder kritischen Anwendungen unter 0,01 % Restsauerstoff — misst ihn mit einem Sauerstoffmessgerät PM40 direkt am Gasaustritt.
Lassen sich die Zylinder für mehrere Rohrgrößen verwenden?
Ja, mit Einschränkungen. Durch Tausch der Dichtlippen lässt sich ein Zylinder für benachbarte Rohrgrößen umrüsten — ein Ø-265-mm-Zylinder etwa für 12″-Rohre. Damit deckt ein einzelner Zylinder mit ein bis zwei Dichtlippen-Sätzen oft drei verschiedene Rohrgrößen ab. Verschleißteile (Dichtlippen, Spannbänder beim WS Plus) liefern wir auf Anfrage zu Ihrer Variante.
Wo verläuft die Grenze zum kleineren Doppelscheiben-System?
Im Bereich Ø 145–320 mm überlappen sich Spülzylinder und das Doppelscheiben-Formiergassystem. Die Daumenregel: Bei kurzen Strecken ohne Bögen und ohne hohen Wärmeeintrag ist das Doppelscheiben-System leichter und schneller einsetzbar. Bei langen Strecken, mehreren Bögen oder höheren Temperaturanforderungen ist der Zylinder die robustere Wahl.
Ist der Gasfluss-Wert von 10 % wörtlich gemeint?
Ja — 10 % bezieht sich auf den Rohrinnendurchmesser in mm als l/min. Bei einem 300-mm-Rohr also rund 30 l/min Schutzgas. Bei Titan-Anwendungen, wo besondere Reinheit gefordert ist, verdoppelt sich der Wert auf 20 %. Der Wert ist eine Faustregel — bei Sondergeometrien oder bei Vorwärmung kann er nach oben angepasst werden müssen.
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