Doppelmaul- und Doppelringschlüssel aus Sonderbronze für EX-Zonen
Doppelmaul- und Doppelringschlüssel sind die Standardwerkzeuge für Schraubverbindungen – funkenarm aus Sonderbronze (Aluminium-Bronze) ausgeführt für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen. Beide Ausführungen sind nach Norm gefertigt: Doppelmaulschlüssel analog DIN 3110, Doppelringschlüssel analog DIN 838 (gekröpft). Made in Germany.
Das Sortiment deckt einen breiten Schlüsselweiten-Bereich ab: Doppelmaulschlüssel von SW 6×7 bis 75×80 mm, Doppelringschlüssel von SW 6×7 bis 85×90 mm. Damit sind die typischen Verschraubungen an Anlagenkomponenten, Armaturen und Maschinen abgedeckt – für deutlich größere Schlüsselweiten als hier gelistet ist eine Anfrage möglich.
Gefahr: Maximaler Energieeintrag 31 Nm – bezogen auf Schlagpartner aus armiertem Estrich-Beton. Reibvorgänge zwischen Schlüsselmaul/-ring und Werkstück fallen unter die BAM-Prüfgrundlage. Funkenarme Werkzeuge sind nie alleinige Schutzmaßnahme – Vorgaben der Berufsgenossenschaft und das Explosionsschutzdokument sind zusätzlich einzuhalten.
Doppelmaulschlüssel oder Doppelringschlüssel — was wann?
Der Doppelmaulschlüssel wird seitlich angesetzt – das geht schnell, ist aber auf zwei Sechskant-Flächen begrenzt. Bei hohen Drehmomenten besteht die Gefahr, dass der Schlüssel abrutscht und die Schraube beschädigt. Faustregel: für leichte bis mittlere Anzugs- und Lösemomente, schnellen Werkzeugwechsel.
Der Doppelringschlüssel umschließt den Schraubenkopf vollständig – der Sitz ist deutlich kraftschlüssiger, das Drehmoment wird auf alle sechs Flanken verteilt. Faustregel: für höhere Drehmomente, festsitzende Verbindungen, sicherheitskritische Verschraubungen. Der Ring ist leicht gekröpft, das schafft Platz zwischen Schlüssel und Anlagenwand.
Werkstoff Aluminium-Bronze
Die Sonderbronze ist eine Kupfer-Aluminium-Legierung. Sie ist weicher als herkömmlicher Werkzeugstahl, hat dafür aber zwei Eigenschaften, die in EX-Zonen entscheidend sind: Sie ist nichtfunkend bei Reibvorgängen im normalen Anwendungsbereich und sie korrodiert nicht. Die Schlüssel sind durchgängig aus Bronze – keine Beschichtung, keine Mischmetalle.
Im Vergleich zum härteren Kupfer-Beryllium ist Aluminium-Bronze die wirtschaftlichere Wahl, wenn die Explosionsgruppe IIC nicht relevant ist. Für IIC-Bereiche (Wasserstoff, Acetylen-Mischungen, Schwefelkohlenstoff) wäre das funkenarme Pendant aus Kupfer-Beryllium notwendig.
Allgemeine Daten
| Merkmal |
Wert |
| Werkstoff |
Sonderbronze (Aluminium-Bronze) |
| Norm Doppelmaulschlüssel |
analog DIN 3110 |
| Norm Doppelringschlüssel |
analog DIN 838 (gekröpft) |
| Schlüsselweiten Maul |
SW 6×7 bis 75×80 mm (mehr auf Anfrage) |
| Schlüsselweiten Ring |
SW 6×7 bis 85×90 mm (mehr auf Anfrage) |
| Zugelassene EX-Zonen |
1, 2, 21, 22 nach Richtlinie 1999/92/EG |
| Explosionsgruppen |
I, IIA, IIB und Acetylen |
| Prüfgrundlage |
DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09 |
| BAM-Zertifikat |
BAM/ZBF/001/24 (Sonderbronze) |
| Maximaler Energieeintrag |
31 Nm bei armiertem Estrich-Beton |
| Herkunft |
Made in Germany |
Verfügbare Schlüsselweiten
Die nachfolgende Übersicht zeigt, welche Schlüsselweiten für die jeweilige Ausführung verfügbar sind. Größen, die hier nicht gelistet sind, sind auf Anfrage erhältlich.
| SW |
Doppelmaul |
Doppelring |
| 6×7 |
✓ |
✓ |
| 6×8 |
✓ |
✓ |
| 7×8 |
✓ |
✓ |
| 7×9 |
✓ |
✓ |
| 8×9 |
✓ |
✓ |
| 8×10 |
✓ |
✓ |
| 9×10 |
✓ |
✓ |
| 9×11 |
✓ |
✓ |
| 10×11 |
✓ |
✓ |
| 10×12 |
✓ |
✓ |
| 10×13 |
✓ |
✓ |
| 10×14 |
✓ |
✓ |
| 11×13 |
✓ |
✓ |
| 11×14 |
✓ |
✓ |
| 12×13 |
✓ |
✓ |
| 12×14 |
✓ |
✓ |
| 13×14 |
– |
✓ |
| 13×15 |
✓ |
✓ |
| 13×16 |
– |
✓ |
| 13×17 |
– |
✓ |
| 14×15 |
✓ |
✓ |
| 14×16 |
✓ |
✓ |
| 14×17 |
✓ |
✓ |
| 16×17 |
✓ |
✓ |
| 16×18 |
✓ |
✓ |
| 17×19 |
✓ |
✓ |
| 17×22 |
✓ |
✓ |
| 18×19 |
✓ |
✓ |
| 18×20 |
✓ |
✓ |
| 18×21 |
✓ |
✓ |
| 19×22 |
✓ |
✓ |
| 19×24 |
✓ |
✓ |
| 20×22 |
✓ |
✓ |
| 21×23 |
✓ |
✓ |
| 21×24 |
– |
✓ |
| 22×24 |
✓ |
✓ |
| 22×27 |
✓ |
✓ |
| 23×26 |
✓ |
✓ |
| 24×26 |
✓ |
✓ |
| 24×27 |
✓ |
✓ |
| 24×30 |
✓ |
✓ |
| 25×28 |
✓ |
✓ |
| 26×29 |
✓ |
✓ |
| 27×29 |
✓ |
✓ |
| 27×30 |
✓ |
✓ |
| 27×32 |
✓ |
✓ |
| 30×32 |
✓ |
✓ |
| 30×34 |
✓ |
✓ |
| 30×36 |
✓ |
✓ |
| 32×34 |
✓ |
✓ |
| 32×36 |
✓ |
✓ |
| 34×36 |
✓ |
✓ |
| 35×38 |
✓ |
✓ |
| 36×38 |
✓ |
✓ |
| 36×41 |
✓ |
✓ |
| 38×42 |
– |
✓ |
| 41×46 |
✓ |
✓ |
| 46×50 |
✓ |
✓ |
| 50×55 |
✓ |
✓ |
| 50×60 |
✓ |
✓ |
| 55×60 |
✓ |
✓ |
| 60×65 |
✓ |
✓ |
| 65×70 |
✓ |
✓ |
| 70×80 |
✓ |
✓ |
| 75×80 |
✓ |
✓ |
| 85×90 |
– |
✓ |
Typische Einsatzbereiche
- Wartung und Montage an Maschinen, Anlagen und Rohrleitungen in EX-Zonen
- Lösen und Anziehen von Sechskant-Verschraubungen aller Art
- Chemie, Petrochemie, Raffinerien, Gas- und Energieversorgung
- Anlagen-Service in staubexplosionsgefährdeten Zonen 21 und 22
- Sortimentsbasis für Werkzeugkoffer und Wartungsstationen in EX-Bereichen
Achtung: „Funkenarm“ ist der fachlich korrekte Begriff – auch DGUV und BG RCI verwenden ihn so. „Funkenfrei“ ist im Markt geläufig und meint dasselbe Werkzeug, ist aber technisch nicht ganz präzise: Bei sehr hohem Energieeintrag oder bei Reib- und Schlagvorgängen mit metallischen Verunreinigungen können auch hier zündfähige Funken entstehen. Deshalb gilt das Limit von 31 Nm.
Pflege und Sorgfalt im Umgang
Funkenarme Schlüssel sind weicher als Stahlschlüssel. Vor jedem Einsatz Sichtkontrolle: Maul nicht ausgeweitet, Ring nicht ausgeschlagen, keine Risse. Bei Verschleiß sofort aussortieren – ein abrutschender Schlüssel im EX-Bereich ist doppelt gefährlich (Verletzung plus Funkenrisiko). Verlängerungen mit Stahlrohren sind unzulässig: Sie überlasten den Bronze-Hebel und bringen Stahl in den Einsatzbereich. Wenn ein höheres Drehmoment nötig ist, wird die nächstgrößere Schlüsselweite gewählt – sofern die Verschraubung das zulässt.
Welche EX-Zonen und Explosionsgruppen im Betrieb tatsächlich vorliegen, regelt das Explosionsschutzdokument nach § 6 GefStoffV – Sonderbronze ist nicht für die Explosionsgruppe IIC freigegeben.
Alle funkenarmen Werkzeuge Knarrenkasten ansehen
Häufige Fragen
Wann nehme ich Maul, wann Ring?
Maulschlüssel sind schneller angesetzt – sie greifen seitlich und brauchen nur zwei Sechskant-Flanken. Bei hohen Drehmomenten besteht Abrutsch-Gefahr, dann ist der Ringschlüssel die sichere Wahl: Er umschließt den Schraubenkopf vollständig und verteilt das Drehmoment auf alle sechs Flanken. Faustregel: Maul für Routinearbeit und schnellen Wechsel, Ring für festsitzende und sicherheitskritische Verschraubungen.
Was bedeutet „analog DIN 3110" und „analog DIN 838"?
DIN 3110 ist die Norm für Doppelmaulschlüssel mit Schlüsselweiten und Toleranzen. DIN 838 ist die Norm für gekröpfte Doppelringschlüssel. „Analog" heißt: Die Schlüssel folgen den geometrischen Vorgaben dieser Normen, sind aber aus Sonderbronze gefertigt – einem Werkstoff, den die ursprünglichen DIN-Normen nicht vorsehen. Funktion und Maße entsprechen der Norm, der Werkstoff ist auf den EX-Einsatz angepasst.
Was ist eine ungewöhnliche Schlüsselweite und was bekomme ich auf Anfrage?
Im Sortiment sind die marktüblichen Schlüsselweiten – beim Doppelmaulschlüssel von SW 6×7 bis SW 75×80 mm, beim Doppelringschlüssel bis SW 85×90 mm. Größere oder kombinierte Sondergrößen (etwa für Sonderverschraubungen, Inch-Maße oder einseitige Schlüssel) sind auf Anfrage erhältlich.
Welche EX-Zonen sind abgedeckt?
Zugelassen für die EX-Zonen 1 und 2 (Gase, Dämpfe, Nebel) sowie 21 und 22 (Stäube) nach Richtlinie 1999/92/EG. Für die Zonen 0 und 20 sind die Schlüssel nicht zugelassen.
Was bedeutet das BAM-Zertifikat BAM/ZBF/001/24?
Das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Sonderbronze auf Funkenverhalten geprüft. Das Zertifikat bestätigt die Eignung für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Geprüft wurde nach DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09. Voraussetzung: Schlagpartner armierter Estrich-Beton, Energieeintrag bis 31 Nm. Auf Anfrage ist das Zertifikat verfügbar.
Darf der Schlüssel verlängert werden?
Nein. Bronze ist weicher als Stahl, der Hebel würde überbeansprucht. Verlängerungen mit Stahlrohren bringen zudem Stahl in den Einsatzbereich – das hebelt die durchgängige Funkenarmut aus. Wenn ein höheres Drehmoment nötig ist, wird ggf. die nächstgrößere Schlüsselweite gewählt oder auf einen Ringschlüssel umgestiegen, der höhere Momente verträgt.
Wie werden die Schlüssel gepflegt?
Vor jedem Einsatz Sichtkontrolle. Festsitzender Schmutz wird trocken mit Bürste oder Lappen entfernt – kein Stahlbürsten, das hinterlässt Stahlpartikel. Schlüssel mit ausgeweitetem Maul oder ausgeschlagenem Ring werden aussortiert; wiederverwenden ist im EX-Bereich nicht akzeptabel.
Reicht Sonderbronze für jede Explosionsgruppe?
Nicht für alle. Sonderbronze ist freigegeben für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Nicht freigegeben ist sie für die Explosionsgruppe IIC – also für Atmosphären mit Wasserstoff, Acetylen-Mischungen oder Schwefelkohlenstoff (außer reinem Acetylen, das gesondert geprüft ist). Für IIC-Bereiche werden funkenarme Werkzeuge aus Kupfer-Beryllium eingesetzt.