Schutzgasfinger-System für die Rohr-Innenformierung
Wer eine WIG-Wurzelnaht an Edelstahl- oder Buntmetall-Rohren legt, braucht das Wurzelseite blank — ohne Anlauffarben, ohne Oxide. Genau dafür ist dieses Schutzgasfinger-System gebaut: einseitig eingeführt, schnell abgedichtet, mit definiertem Gasaustritt direkt unter der Schweißnaht. Geeignet für Rohrinnendurchmesser von 13 bis 43 mm und für die Verfahren WIG, MIG/MAG und Plasma.
Das System ist eine Handelsware aus dem Sortiment für Formieren und ergänzt unsere Auswahl an Formiergas-Lösungen — von der SOLAR FLUX Formierpaste bis zum Formiergassystem für Ø 25 bis 320 mm für größere Rohrdimensionen.
Patentierte 3-fach-Dichtlippen — schnell dicht, geringer Gasverbrauch
Die Abdichtung gegen das Rohr-Innere übernehmen Dichtlippen-Elemente in patentierter Bauart. Bei den kleinen Größen (Ø 17, 21, 24 mm) sitzen zwei Doppel-Dichtlippen, ab Ø 30 mm sind es drei. Der Effekt: Die Spülzeit bis zum erforderlichen Restsauerstoff-Wert ist kurz, und der Gasverbrauch im laufenden Betrieb liegt bei rund 10 % der Rohrdimension — also deutlich unter dem, was bei reiner Stopfen-Lösung verloren geht.
Sintermetall-Gasaustritt mit gleichmäßiger Strömung
Der eigentliche Gasfinger ist ein Sintermetall-Element, das das Schutzgas fein und gleichmäßig verteilt — kein punktueller Strahl, sondern eine breite, ruhige Strömung über die Naht. Drei Längen sind verfügbar: 10 × 12 mm, 10 × 25 mm und 10 × 50 mm. Für die größte Rohrkategorie (Ø 36–43 mm) gibt es eine Sondergröße 17,5 × 13 mm.
Entlüftung statt Hinterdruck
Beim einseitigen Formieren entsteht Druck — wenn das Gas nicht abgeführt wird, kann es die Naht aus der Wurzel drücken oder die Dichtlippen aus ihrer Position bringen. Das System hat dafür einen integrierten Entlüftungspfad. Hinterdruck wird abgebaut, der Gasstrom bleibt gleichmäßig.
Schweißen bis 30 mm vor Rohrende
Der Gasfinger wird offen ins Rohrende eingeführt. Geschweißt werden kann bis 30 mm vor das Rohrende — danach ist die Dichtlippe selbst zu nah am Wärmeeintrag. Für Stumpfnähte direkt am Rohrende reicht das in der Regel nicht; dort wird mit anderen Formier-Methoden (Stopfen, Verschluss-Bauteile) gearbeitet.
Achtung: Der Wert „bis 340 °C" gilt für eine Belastungsdauer von maximal einer Stunde. Längere Standzeiten bei dieser Temperatur — etwa bei langen Schweißnähten an dickwandigem Material — überfordern die Dichtlippen. In solchen Fällen Pausen einplanen, das System abkühlen lassen oder eine Lösung mit höherer Temperaturreserve wählen.
Variante richtig wählen — Gasfinger und Rohr-Innendurchmesser
Das System wird in zwei Achsen konfiguriert: Gasfinger-Größe (10 × 12, 10 × 25, 10 × 50, 17,5 × 13 mm) und Rohr-Innendurchmesser (sechs Stufen von 13–16 bis 36–43 mm). Nicht jede Kombination ist zulässig: Die kleinen Gasfinger (10 × 12, 10 × 25, 10 × 50 mm) decken den Bereich Ø 13 bis Ø 38 mm ab. Der Sondergasfinger 17,5 × 13 mm ist exklusiv für die größte Stufe Ø 36–43 mm.
| Gasfinger |
Ø 13–16 |
Ø 16–20 |
Ø 18–23 |
Ø 23–29 |
Ø 29–38 |
Ø 36–43 |
| 10 × 12 mm |
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| 10 × 25 mm |
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| 10 × 50 mm |
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| 17,5 × 13 mm |
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Hinweis: Im Variantenkonfigurator sind alle Kombinationen anwählbar — gültig sind aber nur die mit ✓ markierten. Bei Unsicherheit zur richtigen Auswahl helfen wir telefonisch weiter.
Technische Daten
| Merkmal |
Wert |
| Anwendungsbereich Rohr-Innendurchmesser |
Ø 13–43 mm |
| Bauart |
einseitig eingeführter Formiergasfinger |
| Dichtlippen |
2-fach (Ø 17, 21, 24 mm) bzw. 3-fach (ab Ø 30 mm), patentiert |
| Gasaustritt |
Sintermetall-Element, Längen 10 × 12 / 10 × 25 / 10 × 50 / 17,5 × 13 mm |
| Temperaturbereich |
bis 340 °C, max. 1 Stunde |
| Geeignete Schweißverfahren |
WIG, MIG/MAG, Plasma |
| Schweißbar bis |
30 mm vor Rohrende |
| Anwendungsposition |
in allen Schweißpositionen einsetzbar |
| Empfohlener Gasfluss |
ca. 10 % der Rohrdimension |
Häufige Fragen
Ist das System für eine Wurzelnaht an Edelstahl geeignet?
Ja. Die Wurzelseite ist genau der typische Anwendungsfall: einseitige Einführung, Spülung der Innenseite mit Argon oder Formiergas, Schweißen mit WIG, MIG/MAG oder Plasma. Bei dünnwandigen Edelstahl-Rohren ab Ø 13 mm Innendurchmesser ist das System die übliche Lösung — bei größeren Durchmessern jenseits 43 mm wechselt man auf ein zweiseitig abgedichtetes Formiergassystem für größere Rohrdurchmesser.
Welcher Gasfluss ist empfehlenswert?
Als Faustwert ca. 10 % der Rohrdimension — bei Ø 25 mm also rund 2,5 l/min. Vor dem ersten Schweißfunken ausreichend lange spülen, bis der Restsauerstoff den Zielwert erreicht hat. Wer das messen möchte, nutzt einen Sauerstoffmonitor wie den Oxygen Monitor Typ PM40.
Was bedeutet „bis 340 °C, max. 1 Stunde" in der Praxis?
Das ist eine Belastungsgrenze, kein Dauerbetriebswert. Bei kurzen Schweißzeiten an dünnwandigem Material liegt die Wärmebelastung der Dichtlippen typischerweise weit darunter. Kritisch wird es bei langen Nähten oder dickwandigem Material, wenn die Wärme länger im Rohrabschnitt bleibt. Im Zweifel: Schweißpause einplanen, abkühlen lassen.
Kann ich bis ans Rohrende schweißen?
Nein, nur bis 30 mm vor das Rohrende. Näher heran kommt der Wärmeeintrag in den Bereich der Dichtlippen, das überfordert das Material. Wer eine Stumpfnaht direkt am Rohrabschluss legen muss, arbeitet entweder mit einem zweiseitigen Stopfen-System oder formiert das gesamte Rohrinnere.
Welche Verschleißteile gibt es?
Verschleiß betrifft vor allem die Dichtlippen (Discs in den passenden Durchmessern) und den Sintermetall-Gasfinger selbst. Bei intensivem Einsatz mit häufigem Wechsel des Rohrdurchmessers oder bei wiederholten Hitze-Belastungen lohnt es sich, Disc-Sets als Ersatzteile mit zu bestellen. Auf Anfrage liefern wir die passenden Verschleißteile zu Ihrer Variante.
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