Elektrodentrockner 100–350 °C – Rücktrocknen und Warmhalten in einem Gerät
Beim Schweißen von hochfesten Stählen, warmfesten Stählen und Feinkornbaustählen mit Streckgrenzen über 355 N/mm² ist die Rücktrocknung basischer Elektroden keine Empfehlung, sondern Pflicht – sonst steigt das Risiko wasserstoffinduzierter Rissbildung im Schweißgut. Dieser Elektrodentrockner deckt den gesamten Temperaturbereich ab, den der Baustellen-Alltag verlangt: 100 bis 350 °C, stufenlos per Thermostat einstellbar.
Das Gerät fasst bis zu 10 kg Stabelektroden – Inhalt von rund zwei Verpackungseinheiten – und kann sowohl zur eigentlichen Rücktrocknung eingesetzt werden als auch zur anschließenden Warmhaltung. Wer keinen Werkstattofen auf die Baustelle mitbringt, hat mit diesem Gerät die vollständige Lösung in einem Koffer.
Stufenlose Thermostat-Regelung – das entscheidende Merkmal
Die stufenlose Regelung ist der zentrale Unterschied zum Elektrodentrockner T150 mit Festtemperatur. Basische Elektroden für niedriglegierte Stähle unter 355 N/mm² Streckgrenze: 2 Stunden bei 250 °C. Hochlegierte Elektroden oder Feinkornbaustähle mit erhöhten Anforderungen an den H2-Gehalt: 2 Stunden bei 300–350 °C. Hochlegierte Elektroden zur Zwischenlagerung: 150 °C. All das lässt sich mit diesem Gerät einstellen, ohne ein zweites Gerät zu benötigen.
Bauweise: doppelwandig, isoliert, mit Kaminheizung
Das Gehäuse ist doppelwandig, gut isoliert und aus pulverbeschichtetem Stahlblech gefertigt – die Innenwand aus verzinktem Stahl. Der Heizkörper ist zentral-vertikal eingebaut, wodurch eine konvektionswirksame Kaminheizung entsteht: Warme Luft steigt an den Elektroden entlang, ein Luftkreislauf bildet sich, und ein gleichmässiges Wärmepolster umgibt die Elektroden von allen Seiten. Das ist effizienter als eine reine Außen-nach-innen-Erwärmung und verhindert Temperaturgefälle zwischen äusseren und inneren Lagen.
Am Deckel sitzt eine gezielte Feuchte-Entlüftung, die feuchtigkeitsgesättigte Luft nach aussen ableitet. Elektroden geben beim Erwärmen Feuchtigkeit ab – diese muss entweichen können, sonst kondensiert sie und wird von den Elektroden wieder aufgenommen.
Tipp: Mehrmaliges Rücktrocknen ist für alle Elektrodentypen ausser Cellulose-Elektroden zulässig – die Gesamtdauer sollte jedoch 10 Stunden nicht überschreiten. Elektroden in unbeschädigter Originalverpackung, die trocken gelagert wurden, müssen bei rutil- und säureumhüllten Typen in der Regel nicht rückgetrocknet werden.
Transport-Tragegriff und Elektrodenheber
Ein kombinierter Stütz-Tragegriff ermöglicht es, das Gerät als Elektrodenköcher direkt neben dem Schweißplatz zu nutzen – nicht nur als stationären Ofen, sondern als mobilen Griffbereit-Speicher. Der mitgelieferte Elektrodenheber erleichtert das Befüllen und Entnehmen der Elektroden, ohne den Deckel lange offenzuhalten.
Achtung: Cellulose-Elektroden dürfen nicht rückgetrocknet werden – sie benötigen eine definierte Restfeuchtigkeit in der Umhüllung. Das Gerät ist nicht für Cellulose-Elektroden geeignet. Ableitstrommessungen nach VDE erst nach vollständiger Durchwärmung und Austrocknung durchführen – Magnesiumoxid im Gehäuse bindet bei längerer Nichtnutzung Feuchtigkeit aus der Umgebung, was zu erhöhten Fehlerstromwerten führen kann.
Technische Daten
| Merkmal |
Wert |
| Temperaturbereich |
100–350 °C (stufenlos einstellbar) |
| Fassungsvermögen |
bis 10 kg Elektroden |
| Heizleistung |
450 W |
| Eingangsspannung |
230 V / 50 Hz (Schuko) |
| Maße (H × B × T) |
610 × 155 × 160 mm |
| Gewicht |
ca. 8 kg |
| Schutzgrad |
IP 23 |
| Gehäuse |
doppelwandig, pulverbeschichtet, Innen verzinkt |
| Temperaturregelung |
stufenloser Thermostat |
| Lieferumfang |
Elektrodentrockner, Elektrodenheber |
Rücktrocknungs-Richtwerte nach Elektrodentyp
Die folgenden Richtwerte gelten als allgemeine Orientierung. Verbindlich sind die Angaben des jeweiligen Elektrodenherstellers.
| Elektrodentyp |
Temperatur |
Dauer |
| Basisch, niedriglegiert (S < 355 N/mm²) |
250 °C |
2 Stunden |
| Warmfeste / Feinkornbaustähle, H2 < 5 ml/100 g gefordert |
300–350 °C |
min. 2 Stunden |
| Hochlegiert (Vermeidung von Startporen) |
300 °C ± 25 °C |
2 Stunden |
| Hochlegiert, Zwischenlagerung nach Rücktrocknung |
ca. 150 °C |
dauerhaft |
| Rutil/sauer/rutilbasisch (trockene Lagerung, ungeöffnet) |
keine Rücktrocknung nötig |
– |
| Rutil/sauer/rutilbasisch (Umhüllung zu feucht) |
100–110 °C |
1 Stunde |
| Cellulose |
✗ nicht trocknen |
– |
Häufige Fragen
Kann ich mit dem T100-350 Elektroden wirklich selbst rücktrocknen und nicht nur warmhalten?
Ja. Die stufenlose Regelung bis 350 °C deckt die Temperaturen für die eigentliche Rücktrocknung aller gängigen basischen Elektrodentypen ab. Für Elektroden mit H2-Anforderungen unter 5 ml/100 g bei warmfesten Stählen werden 300–350 °C benötigt – das schafft dieses Gerät. Der Unterschied zum T150 mit Festtemperatur: dort ist nur Warmhalten und Zwischenlagerung möglich, keine vollständige Rücktrocknung.
Was ist der Unterschied zwischen Rücktrocknen und Warmhalten?
Rücktrocknen bedeutet, feuchte Elektroden auf 250–350 °C zu erhitzen, damit die aufgenommene Feuchtigkeit vollständig verdampft. Warmhalten bedeutet, bereits rückgetrocknete Elektroden bei niedrigerer Temperatur (typisch 100–150 °C) zu lagern, bis sie verbraucht werden. Beides übernimmt das T100-350 per Thermostat.
Wie lange darf ich Elektroden im Trockner warmhalten?
Mehrmaliges Rücktrocknen ist zulässig. Die Gesamtdauer aller Rücktrocknungsvorgänge sollte 10 Stunden nicht überschreiten. Zur reinen Warmhaltung gibt es keine äquivalente Obergrenze – massgeblich sind die Angaben des Elektrodenherstellers.
Warum kann das Gerät nach längerem Stillstand erhöhte Fehlerstromwerte zeigen?
Das Magnesiumpulver im Innengehäuse bindet bei Nichtnutzung Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft. Dieser erhöhte Fehlerstromwert ist kein Gerätefehler. Nach kurzer Betriebszeit verdunstet die Feuchtigkeit. Ableitstrommessungen nach VDE dürfen daher erst nach vollständiger Durchwärmung und Austrocknung durchgeführt werden.
Für welche Elektroden darf der T100-350 nicht verwendet werden?
Cellulose-Elektroden dürfen grundsätzlich nicht rückgetrocknet werden. Sie benötigen eine definierte Restfeuchtigkeit in der Umhüllung für optimale Schweißeigenschaften – Wärme würde diese zerstören.
Welche Elektroden sind in Vakuumverpackung lieferbar, und brauchen die keine Rücktrocknung?
Ja. Stabelektroden in Vakuumverpackung können bis zu 9 Stunden nach dem Öffnen (eine Schichtlänge) ohne Rücktrocknung verarbeitet werden – der H2-Gehalt liegt dann unter 5 ml/100 g. Werden die Elektroden länger offen gelagert, empfiehlt sich eine Rücktrocknung von 2 Stunden bei 300–350 °C.
Wie viel Elektroden fasst das Gerät?
Bis zu 10 kg – entspricht rund zwei handelsüblichen Verpackungseinheiten Stabelektroden. Das T100-350 hat gegenüber dem T150 dasselbe Fassungsvermögen, wiegt jedoch mit 8 kg etwas mehr (T150: 5 kg) – bedingt durch die höhere Heizleistung von 450 W gegenüber 120 W.
Was leistet der kombinierte Stütz-Tragegriff?
Der Griff ist so gestaltet, dass das Gerät sowohl getragen als auch neben dem Schweißplatz aufgestellt und als Elektrodenköcher genutzt werden kann. Elektroden bleiben dabei warm und griffbereit, ohne dass der Trockner extra umgestellt werden muss.
Angaben zu Maßen, Werten und Eigenschaften nach bestem Wissen und Gewissen. Trotz sorgfältiger Pflege können sich Fehler einschleichen — verbindlich sind die Angaben des Herstellers im Datenblatt sowie die tatsächliche Lieferung. Bei Unstimmigkeiten oder Detailfragen schreiben Sie an info@ab-industrie.de.
Überarbeitet: 06/2026