Rohrverschluss mit Multiverschluss für große Nennweiten
Der Rohrverschluss mit Multiverschluss ist die Großdurchmesser-Lösung der Rohrverschluss-Familie. Er ist ein mechanischer Verschluss aus Stahl mit Aluminiumbeschichtung, mit einem Naturkautschuk-Dichtring und einem 2"-Durchgang in der Mitte. Der Spannbereich reicht von 415 mm bis 930 mm in 20 Nennweiten von DN 425 bis DN 900.
Was den Multiverschluss von den Standard-Rohrverschlüssen unterscheidet, ist die Spannmechanik. Bei großen Durchmessern reicht eine einfache Flügelmutter nicht mehr — der Dichtring muss über den gesamten Umfang gleichmäßig anliegen. Die Multiverschluss-Bauart ist auf diese Anforderung ausgelegt und sorgt dafür, dass auch bei DN 800 oder DN 900 eine umlaufend gleichmäßige Anpresskraft auf die Rohrinnenwand wirkt.
Aufbau und Funktion
Die Scheibe besteht aus Vorder- und Rückteller (Stahl mit Aluminiumbeschichtung), einem Naturkautschuk-Dichtring dazwischen und der Multiverschluss-Spannmechanik mit zentralem Durchgang. Wird die Spannmechanik angezogen, stauchen die Teller den Dichtring axial — dieser dehnt sich radial aus und presst sich über den vollen Umfang an die Rohrinnenwand.
In der Mitte sitzt ein Durchgang mit aufgeschraubtem Blinddeckel und Dichtring. Wird der Blinddeckel abgenommen, lässt sich der 2"-Anschluss als Prüf-, Spül- oder Befüllanschluss nutzen — zum Beispiel zum Anschluss eines Manometers für eine Niederdruck-Dichtheitsprüfung oder einer Druckluft-/Wasserleitung zum Spülen.
Hinweis: Eine detaillierte Spannanleitung pro Nennweite (Drehmoment, Reihenfolge der Spannschritte) liegt dem ausgelieferten Verschluss bei. Bei Fragen zur konkreten Bedienung vor dem ersten Einsatz Rücksprache an
info@ab-industrie.de.
Wann der Multiverschluss die richtige Wahl ist
-
Große Nennweiten ab DN 425: Wo Standard-Rohrverschlüsse nicht mehr verfügbar oder mechanisch nicht mehr sinnvoll sind, ist die Multiverschluss-Bauart die passende Lösung.
-
Druckloser Verschluss großer Querschnitte: Schutz offener Rohrenden, Verschluss von Toleitungen, Bauwasserhaltung in der Tiefbau- und Kanaltechnik.
-
Niederdruck-Vorabdichtung: Bei Spülarbeiten, Reinigungsdurchgängen oder als Vorverschluss vor einer eigentlichen Druckprüfung mit Absperrblase.
-
Korrosionsanforderung: Die Aluminiumbeschichtung der Stahl-Scheiben verbessert das Korrosionsverhalten gegenüber unbeschichtetem Stahl — relevant bei wiederholtem Kontakt mit Abwasser oder feuchter Lagerung.
Typische Anwendungen
- Schutz offener Rohrenden bei Sammlern, Sielen und großen Hauptleitungen
- Verschluss von Toleitungen und Bypass-Strängen während Wartung oder Umbau
- Druckloser Vorverschluss bei Spülarbeiten und Reinigungsdurchgängen
- Niederdruck-Dichtheitsprüfungen in der Abwasser- und Kanaltechnik (im Rahmen von DIN EN 1610 und DIN 1986-30 in der jeweils gültigen Fassung — siehe Hinweisbox zum Druckbereich)
- Bauwasserhaltung im Tiefbau bei großen Querschnitten
Gefahr: Bei großen Nennweiten ist die Druckkraft auf den Verschluss enorm — bei DN 900 und 0,2 bar wirken bereits über 12 kN auf die Scheibe. Sobald hinter dem Verschluss Druck ansteht und Personen durch ein unkontrolliertes Verschieben gefährdet werden könnten, muss der Verschluss formschlüssig gegen Ausschub gesichert werden — zum Beispiel durch einen Verbau im Schacht oder eine Abstützung am Schachtbauwerk. Die Reibung zwischen Dichtring und Rohrwand darf rechnerisch nicht in Ansatz gebracht werden. Auslegung mit Sicherheitsfaktor 1,5 nach DGUV Information 201-022 in der jeweils gültigen Fassung. Während Druckaufbau und Druckabbau halten sich keine Personen vor dem Verschluss auf.
Druckaufnahme nach Nennweite
Der maximale Gegendruck ist bauartbedingt niedrig — bei großen Durchmessern erzeugt schon ein geringer Druck eine sehr hohe Last. Wer höhere Drücke braucht, greift zu einer Hochdruck-Lösung oder zu Absperrblasen.
-
DN 425 bis DN 500: max. 0,3 bar Gegendruck
-
DN 525 bis DN 900: max. 0,2 bar Gegendruck
Achtung: Die Druckprüfung Verfahren W nach DIN EN 1610 arbeitet mit bis zu 500 mbar (0,5 bar) Wasserdruck am Rohrscheitel. Das überschreitet den maximalen Gegendruck dieses Verschlusses deutlich. Für Druckprüfungen nach DIN EN 1610 in dieser Größenklasse sind
Rohrabsperr- und Prüfblasen die richtige Wahl.
Technische Daten
20 Nennweiten von DN 425 bis DN 900. Die Tabelle entspricht den Hersteller-Angaben.
| DN |
Zoll |
Spannbereich |
Durchgang |
Max. Gegendruck |
Gewicht |
| 425 |
17" |
415–455 mm |
2" |
0,3 bar |
8,7 kg |
| 450 |
18" |
440–480 mm |
2" |
0,3 bar |
9,1 kg |
| 475 |
19" |
465–505 mm |
2" |
0,3 bar |
9,74 kg |
| 500 |
20" |
490–530 mm |
2" |
0,3 bar |
10,4 kg |
| 525 |
21" |
515–555 mm |
2" |
0,2 bar |
11,3 kg |
| 550 |
22" |
540–580 mm |
2" |
0,2 bar |
12,7 kg |
| 575 |
23" |
565–605 mm |
2" |
0,2 bar |
12,9 kg |
| 600 |
24" |
590–630 mm |
2" |
0,2 bar |
15,6 kg |
| 625 |
25" |
615–655 mm |
2" |
0,2 bar |
17,8 kg |
| 650 |
26" |
640–680 mm |
2" |
0,2 bar |
18,0 kg |
| 675 |
27" |
665–705 mm |
2" |
0,2 bar |
18,5 kg |
| 700 |
28" |
690–730 mm |
2" |
0,2 bar |
19,9 kg |
| 725 |
29" |
715–755 mm |
2" |
0,2 bar |
21,5 kg |
| 750 |
30" |
740–780 mm |
2" |
0,2 bar |
25,1 kg |
| 775 |
31" |
765–805 mm |
2" |
0,2 bar |
27,8 kg |
| 800 |
32" |
790–830 mm |
2" |
0,2 bar |
28,9 kg |
| 825 |
33" |
815–855 mm |
2" |
0,2 bar |
30,2 kg |
| 850 |
34" |
840–880 mm |
2" |
0,2 bar |
32,2 kg |
| 875 |
35" |
865–905 mm |
2" |
0,2 bar |
33,0 kg |
| 900 |
36" |
890–930 mm |
2" |
0,2 bar |
35,1 kg |
Werkstoff Scheiben: Stahl mit Aluminiumbeschichtung. Werkstoff Dichtring: Naturkautschuk (NR). Durchgang: 2" Innengewinde, mit aufgeschraubtem Blinddeckel und Dichtring. Beständigkeit: nutz- und abwasserbeständig.
Hinweis: Temperatureinsatzgrenzen sind im Hersteller-Datenblatt zu diesem Artikel nicht ausgewiesen. NR-Naturkautschuk ist branchentypisch für ca. –20 °C bis +70 °C geeignet — für Einsätze außerhalb dieses Bereichs vor Bestellung Rücksprache an
info@ab-industrie.de.
Einbau und Bedienung
Vor dem Setzen wird die Rohrinnenwand auf scharfe Kanten, Grate, Schmutz und Eis geprüft — alles, was den Dichtring beschädigen oder die Abdichtung beeinträchtigen könnte. Die richtige Größe ist die, bei der der Rohrinnendurchmesser im mittleren Drittel des angegebenen Spannbereichs liegt. Wer den Verschluss am oberen Ende des Spannbereichs einsetzt, muss kräftiger anziehen — und stresst den Dichtring früher.
Die Multiverschluss-Spannmechanik wird gemäß beiliegender Anleitung gleichmäßig angezogen. Bei großen Nennweiten ist das Eigengewicht des Verschlusses zu beachten — bei DN 900 sind das über 35 kg. Heben in Schächten und engen Gräben erfolgt zu zweit oder mit Hebezeug.
Wenn ein Prüfanschluss genutzt werden soll, wird der Blinddeckel anschließend abgeschraubt und das Anschlussstück mit 2"-Außengewinde eingedreht.
Vor dem Lösen: erst entspannen
Vor dem Entfernen des Verschlusses wird der Sperrdruck vollständig abgebaut. Bei großen Querschnitten ist das nicht verhandelbar — selbst geringer Restdruck erzeugt eine erhebliche Kraft auf die Scheibe. Sichtbarer Druckabbau über ein Manometer oder einen offenen Ablass ist die einfachste Versicherung.
Sichtprüfung vor jedem Einsatz
Nach DGUV Information 201-022 in der jeweils gültigen Fassung ist der Verschluss vor jedem Einsatz auf sichtbare Schäden, poröse Stellen am Dichtring, Beschädigungen der Aluminiumbeschichtung und intakte Spannmechanik zu prüfen. Wiederkehrende Prüfungen erfolgen nach betrieblicher Festlegung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
Multiverschluss oder Standard-Rohrverschluss — was passt wann?
Im Größenbereich ab DN 425 ist der Multiverschluss die spezialisierte Großdurchmesser-Lösung. Bei kleineren Nennweiten gibt es passende Standard-Rohrverschlüsse mit Flügelmutter-Mechanik.
-
Multiverschluss (DN 425 bis DN 900): Spezielle Spannmechanik für umlaufend gleichmäßige Anpresskraft bei großen Querschnitten. Stahl mit Aluminiumbeschichtung. Druckklasse 0,2–0,3 bar.
-
Aluminium-Rohrverschluss mit 1 Dichtring (DN 40 bis DN 900): Standard-Bauart mit Flügelmutter, leicht. Im Überschneidungsbereich mit dem Multiverschluss (DN 425+) eine Alternative bei Gewichtsanforderung — Multiverschluss ist dort die robustere, mechanisch besser auf den Großdurchmesser-Einsatz zugeschnittene Variante.
-
Stahl-Rohrverschluss mit 1 Dichtring: günstigste Bauart für Standard-Anwendungen.
Für höhere Drücke gibt es den Hochdruck-Rohrverschluss bis 6 bar, allerdings nur in kleineren Nennweiten verfügbar. Für Druckprüfungen nach DIN EN 1610 in dieser Größenklasse sind Rohrabsperr- und Prüfblasen die übliche Lösung.
Alle Rohrverschlüsse im Überblick
Häufige Fragen
Was unterscheidet den Multiverschluss von einem Standard-Rohrverschluss?
Die Spannmechanik. Standard-Rohrverschlüsse arbeiten mit einer zentralen Flügelmutter, die auf einer Gewindestange sitzt — das funktioniert bis etwa DN 400 zuverlässig. Bei größeren Durchmessern lässt sich über eine einzelne zentrale Spannstelle keine umlaufend gleichmäßige Anpresskraft mehr erreichen. Die Multiverschluss-Bauart ist auf diese Anforderung ausgelegt und wird ab DN 425 eingesetzt. Eine ausführliche Spannanleitung pro Nennweite liegt dem Verschluss bei.
Warum ist die Aluminiumbeschichtung relevant?
Aluminium bildet an der Oberfläche eine passivierende Oxidschicht, die den darunter liegenden Stahl vor Korrosion schützt. Bei großen Verschlüssen, die häufig in feuchter Abwasser-Umgebung eingesetzt und gelagert werden, verlängert das die Lebensdauer gegenüber unbeschichtetem Stahl deutlich. Die Beschichtung ersetzt aber keine Pflege — nach jedem Einsatz wird mit klarem Wasser abgespült und trocken gelagert.
Wie wähle ich die richtige Größe?
Maßgeblich ist der Innendurchmesser des Rohrs, in dem der Verschluss sitzen soll. Ideal ist die Nennweite, bei der der Rohrinnendurchmesser im mittleren Drittel des angegebenen Spannbereichs liegt. Beispiel: Bei einem 600-mm-Innendurchmesser passt DN 600 (590–630 mm) gut, weil 600 mm dort nahe der Mitte liegt. Bei DN 575 (565–605 mm) wäre 600 mm am oberen Ende — möglich, aber weniger ideal.
Wie schwer ist der Verschluss bei den größten Nennweiten?
Bei DN 900 sind es rund 35 kg, bei DN 800 rund 29 kg, bei DN 700 rund 20 kg. Heben in Schächten und engen Gräben erfolgt zu zweit oder mit Hebezeug. Die vollständige Gewichts-Liste pro Nennweite finden Sie in der technischen Datentabelle weiter oben.
Was kann ich am 2"-Durchgang anschließen?
Der 2"-Durchgang hat ein Innengewinde und ist mit einem aufgeschraubten Blinddeckel verschlossen. Wird der Blinddeckel abgenommen, lässt sich ein 2"-Anschluss eindrehen — typischerweise für ein Manometer bei der Niederdruck-Dichtheitsprüfung, eine Druckluft- oder Wasserleitung zum Spülen, oder einen Befüllanschluss zum Auffüllen einer abgesperrten Leitung.
Hält der Verschluss eine Druckprüfung nach DIN EN 1610 aus?
Im Standard-Verfahren W (Wasser) der DIN EN 1610 wird mit bis zu 500 mbar (0,5 bar) Wasserdruck am Rohrscheitel geprüft. Das überschreitet den maximalen Gegendruck dieses Verschlusses (0,2–0,3 bar) deutlich. Für Druckprüfungen nach DIN EN 1610 in dieser Größenklasse sind Absperrblasen die richtige Wahl. Der Multiverschluss eignet sich für Niederdruck-Dichtheitsprüfungen unterhalb seines Druckbereichs sowie als Vor- oder Endverschluss in Verbindung mit anderen Prüfgeräten.
Darf ich den Verschluss an Gasleitungen einsetzen?
Nicht bestimmungsgemäß. Für Druckprüfungen an Gasleitungen ist DVGW G 469 in der jeweils gültigen Fassung das einschlägige Regelwerk; eingesetzt werden dort spezialisierte Prüfgeräte und Gas-Absperrblasen. Der Multiverschluss ist für Wasser, Abwasser und vergleichbare Medien im drucklosen bis schwach belasteten Einsatz konzipiert.
Was bedeutet „formschlüssige Sicherung" und wann brauche ich sie?
Sobald hinter dem Verschluss Druck ansteht und Personen durch ein unkontrolliertes Verschieben gefährdet sein könnten, schreibt die DGUV Information 201-022 in der jeweils gültigen Fassung eine formschlüssige Ausschubsicherung vor — typischerweise ein Verbau im Schacht, eine Abstützung am Schachtbauwerk oder eine vergleichbare mechanische Sicherung. Bei großen Nennweiten ist das besonders wichtig: Bei DN 900 und 0,2 bar wirken bereits über 12 kN auf die Scheibe. Die Reibung darf rechnerisch nicht angesetzt werden, Auslegung mit Sicherheitsfaktor 1,5.
Wie pflege ich den Verschluss?
Nach dem Einsatz wird der Verschluss mit klarem Wasser abgespült und trocken gelagert. Der Dichtring sollte nicht dauerhaft im verspannten Zustand gelagert werden. Bei sichtbaren Rissen, porösen Stellen oder bleibender Verformung des Dichtrings wird der Ring ersetzt. Beschädigungen der Aluminiumbeschichtung an den Tellern sollten kontrolliert werden — größere Schadstellen können durch Korrosion an der Stahlkonstruktion zum Aussondern führen.
Liefern Sie ins Ausland?
Versand in alle EU-Länder, in die Schweiz und nach Norwegen. Andere Länder auf Anfrage.
Angaben zu Maßen, Werten und Eigenschaften nach bestem Wissen und Gewissen. Trotz sorgfältiger Pflege können sich Fehler einschleichen — verbindlich sind die Angaben des Herstellers im Datenblatt sowie die tatsächliche Lieferung. Bei Unstimmigkeiten oder Detailfragen schreiben Sie an info@ab-industrie.de.
Überarbeitet: 05/2026