Das falsche Sägeblatt in der Druckluft-Stichsäge kostet Zeit, Standzeit und manchmal das Rohr. Welches Blatt zu welchem Werkstoff passt, welche Länge der Rohrdurchmesser verlangt und wann sich der Aufpreis für ein Bi-lastic-Blatt lohnt — dieser Ratgeber beantwortet die Fragen, die im Rohrleitungsbau jeden Tag auftauchen.
Stand: Mai 2026 · Rohrleitungsbau · Trenntechnik · Druckluft-Stichsäge
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Zahnung folgt dem Werkstoff: 14 ZpZ für Stahl und Duktilguss, 6 ZpZ für PE, PP und Grauguss. Bei falscher Zahnung leidet entweder die Schnittzeit oder die Standzeit.
- Blattlänge folgt dem Rohrdurchmesser: Faustformel Rohr-Außendurchmesser plus rund 130 mm Schnittfreiheit. Konkret: 400 mm für DN 200, 500 mm für DN 300, 600 mm für DN 400, 700 mm für DN 500.
- Standard-HSS: wirtschaftlich für gelegentliche Schnitte. Bei DN 300 und größer ist eine Sägeblattführung empfehlenswert.
- Bi-lastic: Bi-Metall-Konstruktion mit gehärteten Zähnen und elastischem Grundkörper. Bricht seltener bei Klemmen, größere Blatthöhe (rund 45 mm), kommt meist ohne Führungsbügel aus.
- Aufnahme: Standard-Aufnahme passend für Druckluft-Stichsägen von Spitznas, Fein (z. B. STS 325 R) und Hütz & Baumgarten (z. B. Art.-Nr. 746). Bei Unsicherheit: Foto an info@ab-industrie.de.
- Zementauskleidung: Duktilguss mit ZM-Innenauskleidung verschleißt HSS-Zähne sehr schnell. Dafür sind weder Standard-HSS noch Bi-lastic gemacht — dort braucht es Hartmetall.
Wofür Sägeblätter für die Druckluft-Stichsäge?
Die Druckluft-Stichsäge ist im Rohrleitungsbau das Werkzeug für Rohre, die zu groß für die handelsübliche Rohrschere und zu sperrig für die Trennscheibe sind. Stahl- und Duktilrohre vor Ort ablängen, PE- und PP-Rohre im Graben kürzen, Grauguss bei Sanierungen trennen — der typische Einsatz beginnt bei rund DN 100 und reicht je nach Aufnahme und Säge bis DN 500 oder DN 600.
Warum gerade Druckluft? Drei Gründe, die auf der Baustelle zählen:
- ATEX-fähig: In explosionsgefährdeten Bereichen — Gasleitungen, Tankanlagen, Bergbau — ist die elektrische Stichsäge tabu. Druckluft-Sägen mit ATEX-Kennzeichnung sind dort die zugelassene Werkzeugklasse.
- Robust gegenüber Schmutz und Nässe: Kein Motor, keine Elektronik, kein Akku, der bei minus 5 °C streikt. Wartung beschränkt sich auf Öler und Lagerschmierung.
- Geringe Vibration: Vibrationswerte unter 2,5 m/s² sind branchenüblich. Damit ist die Druckluft-Stichsäge auch nach mehreren Schnitten am Tag arbeitsmedizinisch unauffällig.
Was die Säge tatsächlich trennt, entscheidet aber nicht die Säge — sondern das Sägeblatt. Und genau dort wird in der Praxis am häufigsten danebengegriffen.
Drei Stellschrauben für die Sägeblatt-Wahl
Ein Sägeblatt für die Druckluft-Stichsäge wird über drei Eigenschaften ausgewählt — in dieser Reihenfolge:
| Stellschraube | Was sie entscheidet | Was die Wahl beeinflusst |
|---|---|---|
| Werkstoff des Rohrs | Zahnung (ZpZ) | Stahl / Duktilguss → 14 ZpZ. PE / PP / Grauguss → 6 ZpZ. |
| Rohrdurchmesser | Blattlänge | Rohr-Außendurchmesser plus rund 130 mm Schnittfreiheit. |
| Schnittfrequenz und Werkzeug-Setup | Standard-HSS oder Bi-lastic | Gelegentliche Schnitte mit Führungsbügel → Standard. Häufige Schnitte ohne Bügel → Bi-lastic. |
Diese drei Ebenen sind voneinander unabhängig — Werkstoff entscheidet Zahnung, Durchmesser entscheidet Länge, Setup entscheidet Material. Wer sie einzeln durchgeht, kommt zuverlässig auf das richtige Blatt. Die folgenden Abschnitte gehen jede Ebene im Detail durch.
Zahnung — welche ZpZ für welchen Werkstoff?
ZpZ steht für „Zähne pro Zoll" (englisch TPI, teeth per inch) — also wie viele Zähne auf einer Sägeblattlänge von 25,4 mm sitzen. Die richtige Zahnung folgt einer klaren Regel: mindestens drei Zähne sollen gleichzeitig im Schnitt im Eingriff sein. Sind es weniger, brechen Zahnspitzen aus und das Blatt verläuft. Sind es deutlich mehr, setzt sich der Spanraum mit Material zu, der Vorschub bricht ein.
Für die Druckluft-Stichsäge im Rohrleitungsbau ergibt sich daraus eine simple Aufteilung in zwei Zahnungen, die die typischen Werkstoffe abdecken.
14 ZpZ — für Stahl und Duktilguss
Die feinere Zahnung schneidet zähe metallische Werkstoffe sauber durch, ohne dass einzelne Zähne unter der Belastung ausbrechen. Typische Einsätze:
- Stahlrohre im Versorgungs- und Anlagenbau
- Duktilguss-Druckrohre ohne Zementauskleidung — Trinkwasser- und Abwasserleitungen
- Anpassungsschnitte an verzinkten Stahlrohren
- Schweißnahtnahe Schnitte, bei denen Sauberkeit wichtiger ist als Geschwindigkeit
Was die Zahnung 14 ZpZ nicht kann: PE oder PP trennen. Der Spanraum ist zu klein für das weiche, langfaserige Material. Was beim Stahl ein sauberer Span ist, ist beim Kunststoff ein Klumpen, der zwischen den Zähnen festsitzt und den Vorschub blockiert.
6 ZpZ — für PE, PP und Grauguss
Die grobe Zahnung hat mehr Spanraum pro Zahn — das Material wird im großen Brocken weggeräumt, statt im feinen Span. Typische Einsätze:
- PE-Druckrohre (Gas- und Wasserleitungen, SDR 11 / SDR 17) im Graben
- PP-Abwasserrohre bei Tiefbau und Kanalbau
- Grauguss-Rohre bei Sanierungen — Grauguss ist spröde, ein großer Spanraum reduziert das Ausbruch-Risiko
- Schnelle Trennschnitte, bei denen Schnittzeit wichtiger ist als saubere Kante
Was 6 ZpZ nicht kann: Stahl präzise schneiden. Bei zähem Werkstoff sind die wenigen Zähne überlastet, brechen aus, das Blatt verläuft. Wer einmal mit der 6er-Zahnung Stahl gesägt hat, wechselt beim nächsten Mal.
Was bei falscher Zahnung passiert
Die häufigsten Fehlgriffe und ihre Folgen:
| Fehlgriff | Was Sie merken |
|---|---|
| 14 ZpZ in PE oder PP | Span setzt sich zu, Säge dreht hoch ohne Vortrieb, Reibungswärme, Kunststoff schmilzt am Blatt fest. |
| 6 ZpZ in Stahl oder Duktilguss | Zahnspitzen brechen aus, Blatt verläuft, Schnitt wird schief, Standzeit halbiert sich. |
| 14 ZpZ in Grauguss | Grauguss-Späne stopfen den Spanraum, ähnlich wie PE — funktioniert mit viel Geduld, ist aber unwirtschaftlich. |
Länge — Rohrdurchmesser plus rund 130 mm Schnittfreiheit
Die Blattlänge muss reichen, um das Rohr in einem Durchgang zu trennen — mit etwas Reserve. Bei freihändigem Schnitt setzt sich das Blatt am tiefsten Punkt der Schnittfuge fest, wenn die Spitze nicht über das Rohr hinausragt. Bei stationärem Schnitt mit Spannvorrichtung läuft das Blatt zwar geführt, aber auch dort braucht es Bewegungsfreiheit.
Faustformel im Rohrleitungsbau:
Blattlänge = Rohr-Außendurchmesser + ca. 130 mm Schnittfreiheit
Bei DN 200 (Außendurchmesser rund 220 mm) ergibt sich daraus 220 + 130 = 350 mm. Das Sortiment springt in 100-mm-Schritten — also nimmt man die nächstgrößere Standardlänge, in dem Fall 400 mm. Das ist die Logik hinter der DN-Zuordnung in der Tabelle:
| Blattlänge | Rohrdurchmesser | Außen-Ø ungefähr |
|---|---|---|
| 300 mm | DN 150 | Ø ≈ 170 mm |
| 400 mm | DN 200 | Ø ≈ 220 mm |
| 500 mm | DN 300 | Ø ≈ 325 mm |
| 600 mm | DN 400 | Ø ≈ 430 mm |
| 700 mm | DN 500 | Ø ≈ 530 mm |
| 770 mm | DN 550 | Ø ≈ 580 mm |
Der 300-mm- und der 770-mm-Bereich ist beim Standard-HSS-Sägeblatt verfügbar; das Bi-lastic-Sägeblatt deckt aktuell die Spannweite 400 bis 700 mm ab. Für DN 600 und größer ist eine Sonderlänge auf Anfrage möglich.
Was bei falscher Länge passiert
- Blatt zu kurz: Die Spitze kommt nicht durch das Rohr durch. Bei freihändigem Schnitt heißt das: das letzte Stück lässt sich nicht trennen, das Rohr muss nachgesägt werden mit einem längeren Blatt oder mit der Trennscheibe.
- Blatt zu lang: Das Blatt verliert in der Luft an Stabilität, schwingt unter dem Hub, läuft schief. Bei stationärer Säge mit Spannvorrichtung weniger problematisch, bei freihändigem Einsatz deutlich spürbar.
Standard oder Bi-lastic — was bringt der Bi-Metall-Aufbau wirklich?
Beide Blatt-Typen schneiden im Werkstoff dasselbe — die Zähne sind aus dem gleichen Schnellarbeitsstahl. Der Unterschied liegt in der Bauart des Grundkörpers und in der Geometrie.
Standard-HSS — Vollmaterial aus einem Stück
Das Standard-Sägeblatt ist ein durchgehendes HSS-Vollmaterial-Blatt — kein Bi-Metal-Aufbau, kein zusammengeschweißter Zahnstreifen. Werkstoff: DMo 5 (Werkstoffnummer 1.3343), auch bekannt als M2-Schnellarbeitsstahl. Die Sägeblatthöhe liegt bei den kürzeren Blättern um 25 mm, bei den längeren um 28 mm. Die Stärke beträgt 1,5 mm (kurze Längen) bis 2,0 mm (längere Längen).
Wofür das gut ist: das Blatt ist günstig im Stückpreis, einfach gebaut, vorhersagbar im Verschleiß. Wer drei Schnitte im Monat macht und ohnehin mit einer Sägeblattführung arbeitet, fährt damit wirtschaftlich.
Wo es an Grenzen kommt: bei langen Schnitten neigt das Blatt zum Querlaufen. Die geringe Höhe gibt der Spitze wenig Eigenstabilität. Wer freihändig sägt — also ohne Bügel zur Spitze-Führung — bekommt bei DN 300 und größer sichtbar schräge Schnitte. Bei Spannungen im Rohr (vorgespannte Leitung, eingeklemmter Schnitt) bricht das Vollmaterial-Blatt eher, weil der Grundkörper nicht nachgibt.
Bi-lastic — Bi-Metall mit zwei Eigenschaften in einem Blatt
Bi-lastic steht für die Bi-Metall-Bauweise: gehärtete Zähne aus HSS, aufgeschweißt auf einen elastischen Federstahl-Grundkörper. Die Zähne sind hart genug für Stahl und Duktilguss, der Grundkörper federt unter Spannung zurück, ohne zu brechen.
Drei konstruktive Unterschiede zum Standard-Blatt sind im Einsatz spürbar:
- Elastischer Grundkörper: Wenn das Rohr unter Spannung steht und der Schnittspalt das Blatt einklemmt, federt der Bi-lastic-Körper aus — das Vollmaterial-Standardblatt würde brechen. Auf der Baustelle heißt das: weniger plötzliche Blatt-Ausfälle.
- Größere Sägeblatthöhe: Bei rund 45 mm hat das Blatt deutlich mehr Eigenstabilität in der Höhe als die 25–28 mm des Standard-Blatts. Das Resultat: weniger Querlaufen, sauberere rechtwinklige Schnitte, auch ohne Führungsbügel.
- Höhere Standzeit bei Stahl und Duktilguss: Der gehärtete Zahnstreifen bleibt länger scharf als ein durchgehender HSS-Zahnträger, der gleichzeitig den Grundkörper bilden muss.
Im Gegenzug ist der Stückpreis höher. Die Bauart mit Federstahl-Grundkörper und aufgeschweißter HSS-Schneide ist aufwendiger als ein Vollmaterial-Stanzteil.
Standard vs. Bi-lastic im direkten Vergleich
| Merkmal | Standard-HSS | Bi-lastic |
|---|---|---|
| Bauart | durchgehend HSS, Vollmaterial | Bi-Metall: HSS-Zähne, Federstahl-Grundkörper |
| Sägeblatthöhe | 25–28 mm | ca. 45 mm |
| Verhalten bei Klemmen | bricht eher | federt aus, bricht seltener |
| Schiefschnitt-Neigung | bei DN 300 und größer spürbar | deutlich geringer durch Blatthöhe |
| Sägeblattführung nötig | ab DN 300 empfehlenswert | meist nicht nötig |
| Standzeit Stahl / Duktilguss | Standard-Niveau | deutlich höher [PRÜFEN: konkrete Faktor-Angabe aus Praxis möglich?] |
| Stückpreis | niedriger | höher |
| Verfügbare Längen | 300, 400, 500, 600, 700, 770 mm | 400, 500, 600, 700 mm |
Wirtschaftlich entschieden — welches Blatt für Ihren Einsatz?
Drei typische Situationen, drei klare Empfehlungen:
- Gelegentliche Schnitte, Sägeblattführung im Werkzeugkoffer: Standard-HSS ist die wirtschaftliche Wahl. Der Bügel kompensiert die geringere Eigenstabilität des Blatts.
- Häufige Schnitte an Stahl- und Duktilrohren, keine Sägeblattführung verfügbar: Bi-lastic. Höhere Standzeit, sauberer Schnitt ohne Bügel — die Mehrkosten amortisieren sich über die Standzeit.
- Vor allem PE- und PP-Schnitte im Tiefbau: Standard-HSS mit 6 ZpZ. Bei Kunststoff bringt die Bi-lastic-Mehrhöhe weniger zusätzlichen Nutzen, weil das Material das Blatt nicht so stark beansprucht.
In allen drei Fällen lohnt es sich, von beiden Zahnungen (14 und 6 ZpZ) eine Reserve im Werkstattwagen zu haben — Werkstoff wechselt auf der Baustelle schneller, als ein neues Blatt aus dem Lager kommt.
Aufnahme — passt jedes Sägeblatt auf jede Druckluft-Stichsäge?
Im Rohrleitungsbau hat sich eine Aufnahme-Geometrie für Druckluft-Stichsägen durchgesetzt, die von mehreren Herstellern verwendet wird. Diese „Standard-Aufnahme" ist nicht über eine Norm geregelt, sondern über Marktdurchsetzung — sie funktioniert so lange einwandfrei, wie der Hersteller der Säge sich daran orientiert.
Die Bi-lastic-Sägeblätter und Standard-HSS-Sägeblätter aus unserem Sortiment haben die Standard-Aufnahme und sind im Einsatz mit folgenden Druckluft-Stichsägen bewährt:
| Hersteller | Modell-Beispiele | Aufnahme passt |
|---|---|---|
| Spitznas | Druckluft-Stichsägen Standard und Heavy-Duty, ATEX-Modelle | ✓ Ja |
| Fein | STS 325 R | ✓ Ja |
| Hütz & Baumgarten | Art.-Nr. 746 (Druckluft), 746 E (Elektro) | ✓ Ja |
| Andere | Druckluft-Stichsägen mit Standard-Aufnahme | Meist ja — vorab prüfen |
Auch unsere eigene Druckluft-Stichsäge HEAVY ATEX nutzt diese Standard-Aufnahme und ist mit beiden Sägeblatt-Typen kompatibel.
Schiefschnitt und Sägeblattführung
Der häufigste Grund für ein unsauberes Schnittergebnis ist nicht das falsche Blatt, sondern Querlaufen während des Schnitts. Die Spitze wandert seitlich aus, weil die Schubkraft des Sägeblatts und der Widerstand des Werkstoffs eine seitliche Resultierende erzeugen — je länger das Blatt, je tiefer der Schnitt, desto stärker der Effekt.
Wann ist eine Sägeblattführung sinnvoll?
Eine Sägeblattführung sitzt auf der Spannvorrichtung gegenüber der Säge und greift die Blattspitze, sobald sie durchs Rohr durch ist. Damit wird das Blatt an beiden Enden geführt: oben in der Säge, unten in der Führung. Resultat: kein Querlaufen, rechtwinkliger Schnitt auch bei DN 500.
Faustregel im Rohrleitungsbau:
| Rohrdurchmesser | Standard-HSS | Bi-lastic |
|---|---|---|
| Bis DN 200 | Freihändig sauber machbar | Freihändig sauber machbar |
| DN 300 | Führung empfehlenswert | Freihändig meist ausreichend |
| DN 400 und DN 500 | Führung praktisch Pflicht | Mit Führung sauberer, ohne meist noch akzeptabel |
Im Sortiment bei AB Industrie Service: Sägeblattführungen für Ø 325 mm und Ø 530 mm — passend zu den Spannvorrichtungen derselben Größe.
Wie Bi-lastic den Bügel ersetzt
Bei Bi-lastic übernimmt die größere Blatthöhe — rund 45 mm statt 25–28 mm — die Funktion, die beim Standard-Blatt der Führungsbügel hat. Die Höhe sorgt für Eigenstabilität: das Blatt hält die Richtung, auch wenn die Spitze nicht zusätzlich geführt wird. Bis DN 500 reicht das in der Praxis für rechtwinklige Schnitte.
Das ist der Hauptgrund, warum Bi-lastic für freihändige Einsätze auf der Baustelle die bessere Wahl ist — Werkzeugkoffer ohne Bügel, schneller Einsatz, sauberes Ergebnis.
ATEX-Einsatz — was beim Sägeblatt zu beachten ist
Kurz vorab: Die ATEX-Zulassung gilt der Säge, nicht dem Sägeblatt. Ein HSS-Sägeblatt ist ein passives Werkzeug — es erzeugt selbst keine Zündquelle. Wer also in explosionsgefährdeten Bereichen sägt, muss die Säge richtig wählen; das Sägeblatt bleibt das normale HSS- oder Bi-lastic-Blatt.
Unsere Druckluft-Stichsäge HEAVY mit ATEX-Kennzeichnung II 2G Ex h IIB T5 Gb ist freigegeben für:
- Zone 1 und Zone 2 — Gas-Atmosphären in Industrie-Umgebungen (Token „2G")
- Gasgruppe IIB — z. B. Ethylen, Stadtgas, viele Industriegase
- Temperaturklasse T5 — max. Oberflächentemperatur 100 °C
Nicht zugelassen ist die HEAVY für Zone 0, für IIC-Atmosphären (Wasserstoff, Acetylen) und für Staub-Ex-Bereiche. Die Zonen-Einstufung der konkreten Anlage prüft der Anwender vor jedem Einsatz — das gehört zur Gefährdungsbeurteilung.
Wenn die HEAVY zusammen mit Spannvorrichtung und ggf. Sägeblattführung benötigt wird, ist das SET HEAVY ATEX mit Spannvorrichtung die kompaktere Wahl — alle Komponenten in passender Größe und mit Transportkoffer aus einer Bestellung. Sägeblätter sind im SET nicht enthalten und werden je nach Werkstoff separat ausgewählt.
Das passende Sortiment bei AB Industrie Service
Die in diesem Beitrag beschriebenen Sägeblätter und die passende Stichsäge im Überblick. Klicken Sie auf den jeweiligen Button, um direkt zur Produktseite zu gelangen:
Zur Druckluft-Stichsäge HEAVY ATEX
Die Übersicht aller Verbrauchsmaterialien und Zubehörteile finden Sie in der Kategorie Zubehör Druckluftstichsäge.
Häufige Fragen
Welche Zahnung nehme ich für Stahlrohre und Duktilguss?
14 Zähne pro Zoll. Die feinere Zahnung schneidet zähe Werkstoffe sauber, ohne dass Zahnspitzen ausbrechen. Mit 6 ZpZ in Stahl bricht die Verzahnung schneller aus und das Blatt verläuft.
Welche Zahnung für PE, PP und Grauguss?
6 Zähne pro Zoll. Der größere Spanraum verhindert, dass sich der Schnittraum mit weichem Kunststoffspan oder sprödem Grauguss-Span zusetzt. Mit 14 ZpZ kämpfen Sie gegen Zusetzungen und Vorschub-Stillstand.
Welche Länge brauche ich für welchen Rohrdurchmesser?
Faustformel: Rohr-Außendurchmesser plus rund 130 mm Schnittfreiheit. Konkret 400 mm für DN 200, 500 mm für DN 300, 600 mm für DN 400, 700 mm für DN 500. Zu kurz: kommt nicht durch. Zu lang: verliert an Stabilität.
Wann lohnt sich Bi-lastic gegenüber dem Standard-HSS-Blatt?
Bi-lastic lohnt sich bei häufigen Schnitten an Stahl und Duktilguss — die Standzeit liegt höher und der Führungsbügel kann meist entfallen, weil die größere Blatthöhe von rund 45 mm die Spitze stabilisiert. Wer das Sägeblatt selten benutzt oder ohnehin mit Bügel arbeitet, fährt mit Standard-HSS wirtschaftlich.
Brauche ich eine Sägeblattführung?
Bis DN 200 reicht freihändig in der Regel. Bei DN 300 und größer ist eine Sägeblattführung mit Standard-HSS empfehlenswert, sonst läuft das Blatt quer. Mit Bi-lastic können Sie meist auch bei DN 400 und DN 500 freihändig arbeiten — die größere Blatthöhe ersetzt den Bügel.
Passen die Sägeblätter auf meine Druckluft-Stichsäge?
Die Sägeblätter haben die im Rohrleitungsbau übliche Standard-Aufnahme und sind im Einsatz mit Spitznas (Standard und Heavy-Duty), Fein (z. B. STS 325 R) und Hütz & Baumgarten (z. B. Art.-Nr. 746) bewährt. Bei einer Säge, die hier nicht aufgeführt ist: ein Foto der Blattaufnahme an info@ab-industrie.de schicken — wir prüfen die Kompatibilität.
Sind die Sägeblätter für Duktilguss mit Zementauskleidung geeignet?
Nein. Duktilguss-Rohre mit Zement-Innenauskleidung verschleißen HSS-Zähne in wenigen Schnitten — die Zement-Schicht wirkt wie Schleifpapier. Dafür sind weder Standard-HSS noch Bi-lastic gemacht. Für solche Rohre werden Sägeblätter mit Hartmetall-Bestückung oder andere Trennverfahren (Trennscheibe, Schneidring) eingesetzt.
Wie viele Sägeblätter sind in einer Verpackungseinheit?
Beim Standard-HSS-Sägeblatt enthält die Verpackungseinheit 5 Stück; Mindestabnahme und Abnahmeintervall im Shop liegen entsprechend bei 5 Stück. Beim Bi-lastic-Sägeblatt sind die Mengen pro Variante zu prüfen — die aktuellen Werte stehen direkt auf der Produktseite.
Welche Druckluft braucht die Stichsäge?
Branchenüblich für Druckluft-Stichsägen im Rohrleitungsbau sind 6 bar Betriebsdruck und ein Luftverbrauch von rund 1,45 m³/min. Der Anschluss ist meist R 3/4″ außen. Der Kompressor sollte diese Werte dauerhaft halten — bei zu wenig Druck sinkt die Hubzahl, der Schnitt wird langsam und das Blatt verschleißt schneller.
Gibt es Sägeblätter für Rohre größer als DN 500?
Im Standard-Sortiment führen wir Bi-lastic-Sägeblätter bis 700 mm (DN 500) und Standard-HSS bis 770 mm (DN 550). Für DN 600 und größer sind Sonderlängen auf Anfrage möglich. Für Rohre über DN 500 ist meist auch eine größere Spannvorrichtung mit Spannketten-Verlängerung nötig — schreiben Sie uns Ihre konkrete Anwendung an info@ab-industrie.de, wir prüfen die passende Konfiguration.
Fazit — die richtige Wahl in drei Schritten
- Werkstoff bestimmt die Zahnung: Stahl und Duktilguss → 14 ZpZ. PE, PP und Grauguss → 6 ZpZ. Bei Zementauskleidung gehört die Stichsäge eingepackt und ein Hartmetall-Werkzeug ausgepackt.
- Rohrdurchmesser bestimmt die Länge: Außen-Ø plus rund 130 mm Schnittfreiheit, nächstgrößere Standardlänge nehmen.
- Setup bestimmt das Blatt-Material: Mit Sägeblattführung im Werkzeugkoffer fahren Sie mit Standard-HSS wirtschaftlich. Ohne Bügel und mit häufigen Schnitten an Stahl oder Duktilguss ist Bi-lastic die robustere Wahl.
Wer beide Zahnungen in zwei gängigen Längen auf Lager hat, ist für 90 % der Schnitte auf der Baustelle gerüstet. Den Rest klärt ein kurzer Anruf oder eine Mail — wir helfen bei der Auswahl, wenn die Standardlogik nicht passt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information auf unserem aktuellen Informationsstand und stellt eine technische Orientierungshilfe dar. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) und keine fachliche Prüfung im konkreten Einzelfall. Auswahl, Auslegung und sicherheitstechnische Bewertung obliegen dem Anwender. Verbindlich sind die Angaben des jeweiligen Herstellers im Datenblatt sowie die tatsächlich gelieferte Ware. Bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten — insbesondere in explosionsgefährdeten Bereichen — sind Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und die jeweils geltenden Sicherheitsvorschriften im Einzelfall maßgeblich. Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt. Bei technischen Detailfragen schreiben Sie an info@ab-industrie.de. Stand: Mai 2026.
Autor: Frank Abraham, Geschäftsführer bei AB Industrie Service.
Veröffentlicht am 18.04.2018, zuletzt aktualisiert am 14.05.2026.
Werkstatt-PS: Das Sägeblatt liegt selten an der Säge, sondern fast immer im Werkzeugkoffer. Sortieren Sie die Reserveblätter nach Werkstoff (zwei Stapel: Stahl-Zahnung und Kunststoff-Zahnung) und nach Länge — dann finden Sie das richtige Blatt auch im Graben bei Regen.