Stand: Juni 2026 · Zerstörungsfreie Dichtheitsprüfung von Schweißnähten und verschweißten Dichtungsbahnen (Blasenprüfung mit Vakuumglocke, Methode C3 nach DIN EN 1779)
Die Vakuumprüfung weist Undichtheiten in Schweißnähten und verschweißten Dichtungsbahnen nach, ohne dass das Bauteil gefüllt oder von beiden Seiten zugänglich sein muss. Schaumbildendes Mittel auf die Naht, durchsichtige Glocke aufsetzen, evakuieren — wo ein durchgehender Defekt sitzt, zieht Luft in den Glockenraum und treibt eine sichtbare Blase. Das ist das Prinzip, und genau diese Einfachheit macht das Verfahren auf der Baustelle so robust.
In der Klassifikation der DIN EN 1779 läuft das Verfahren als Methode C3 — Blasenprüfung mit Vakuumglocke. Das Blasenprinzip selbst beschreibt DIN EN 1593; für Kunststoff-Dichtungsbahnen greift die DVS-Richtlinie 2225-2, für Fernwärme-Schweißnähte das Unterdruckverfahren E3 des DVGW-Arbeitsblatts G 469. Wer einseitig zugängliche Nähte schnell und ortgenau auf Dichtheit prüfen muss, kommt an dieser Methode kaum vorbei.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Prinzip: schaumbildendes Mittel plus Unterdruck unter einer durchsichtigen Glocke — durchgehende Defekte zeigen sich als kontinuierliche Blasen oder als wachsender Schaumpilz.
- Einseitiger Zugang reicht. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber Wasserfüllung und Druckhalteversuch — die Gegenseite muss nicht erreichbar sein.
- Prüfunterdruck je nach Regelwerk rund 150 bis 500 mbar, Haltezeit 10 bis 30 s.
- Empfindlichkeit etwa 10⁻³ bis 10⁻⁵ mbar·l/s — ausreichend für Tank-, Behälter- und Folienbau, nicht für Hochvakuum.
- Nur oberflächenoffene Defekte werden erkannt. Bei sicherheitsrelevanten Druckbauteilen bleibt die Kombination mit Durchstrahlungs- (RT) oder Ultraschallprüfung (UT) Pflicht.
- Maßgebliche Regelwerke: DIN EN 1593 und DIN EN 1779, ASME BPVC Section V Article 10 App. II, DVS 2225-2 (Dichtungsbahnen), DVGW G 469 Verfahren E3 (Fernwärme).
- Ausstattung: ein ölfreies Lecksuchgerät, die zur Naht passende Glocke, ein geprüftes Prüfmittel.
Wie die Vakuumprüfung funktioniert
Auf die gereinigte Naht kommt ein schaumbildendes Prüfmittel. Darüber wird ein durchsichtiger Vakuumkasten oder eine Vakuumglocke gesetzt und mit einer Pumpe evakuiert. Zwischen dem Bauteilinneren auf Atmosphärendruck und dem Glockenraum im Unterdruck entsteht eine Druckdifferenz. Sitzt in der Naht ein durchgehender Leckkanal — eine Pore, ein Riss, ein Bindefehler mit Verbindung zur Gegenseite — strömt Luft hindurch in den Glockenraum und treibt im benetzenden Mittel eine Schaumblase oder einen Schaumpilz. Der Prüfer sieht die Anzeige direkt durch das Sichtfenster.
Eine Bedingung muss erfüllt sein: Der Defekt muss durchgehend offen sein, also die geprüfte Oberfläche mit der Gegenseite verbinden. Innenliegende Fehler ohne Verbindung zur Oberfläche bleiben unsichtbar. Das ist keine Schwäche des Verfahrens, sondern seine Definition — die Vakuumprüfung ist eine Dichtheitsprüfung, keine Festigkeitsbewertung.
Was sich zeigt — und was nicht
Erkannt werden durchgehende Poren und Pinholes, Risse von der Ober- zur Unterseite, Bindefehler an der Wurzel mit durchgehendem Spalt, Lochfraß und Korrosionsdurchbrüche, undichte Stutzendurchführungen und Flanschspalte. Nicht erkannt werden innenliegende Poren und Lunker, Bindefehler ohne Spalt zur Oberfläche und Flankenbindefehler unter intakter Decklage. Genau deshalb steht bei sicherheitsrelevanten Bauteilen die Vakuumprüfung neben den volumetrischen Verfahren, nicht an deren Stelle.
Empfindlichkeit und Abgrenzung zu anderen Verfahren
Die nachweisbare Leckrate der Blasenprüfung liegt praxisnah bei etwa 10⁻³ bis 10⁻⁵ mbar·l/s. Das ist rund drei bis sieben Größenordnungen weniger empfindlich als die Helium-Massenspektrometer-Lecksuche — und für Tanks, Auffangwannen, Behälter und Dichtungsbahnen, bei denen es um Flüssigkeitsdichtheit geht, vollkommen ausreichend. Für Hochvakuum-, Halbleiter- oder Kryotechnik ist sie es nicht.
| Verfahren | Empfindlichkeit | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Vakuum-Blasenprüfung (C3) | 10⁻³ … 10⁻⁵ mbar·l/s | ortet das Leck direkt, einseitiger Zugang | qualitativ, witterungsabhängig |
| Druckhalteversuch | 10⁻² … 10⁻³ mbar·l/s | quantitativ (Leckrate) | ortet das Leck nicht |
| Helium-Massenspektrometer | bis 10⁻¹¹ mbar·l/s | höchstempfindlich, quantitativ | teuer, geschultes Personal |
| Funkenprüfung (Dichtungsbahn) | sehr hoch, ortet Löcher | prüft die gesamte Folienfläche | nur für isolierende Folien |
Prüfdrücke, Haltezeiten und Normen
Einen einzigen Prüfdruck gibt es nicht — er folgt aus dem Regelwerk, nach dem geprüft wird. Die folgende Übersicht fasst die gängigen Vorgaben zusammen; verbindlich ist im Einzelfall der Originaltext der jeweiligen Norm.
| Regelwerk | Prüfunterdruck | Mindesthaltezeit | Überlappung |
|---|---|---|---|
| DVGW G 469 (A):2019-07, Verfahren E3 | 200–500 mbar | ≥ 30 s | — |
| DVS 2225-2:2019-02 (Dichtungsbahnen) | ca. 300 mbar (0,3 bar) | ≥ 10 s | ca. 100 mm |
| ASME BPVC Section V (2025), Art. 10 App. II | ≥ ca. 150 mbar (2 psi) | typ. 5–10 s | ≥ 50 mm |
| API 650 (14. Edition, 2025) | ca. 200 mbar (3 psi) | — | — |
In der Industrie-Praxis bewegt sich der Arbeitsbereich meist zwischen −200 und −500 mbar, in Einzelfällen bis −800 mbar. Eine Handpumpe erreicht diesen Bereich; für größere Glocken und Dauerbetrieb übernimmt das ein elektrisches Gerät.
Die wichtigsten Regelwerke
Drei Normen-Ebenen greifen ineinander: die Auswahl- und Verfahrensnormen, die Personal- und Sichtprüfungs-Grundlagen und die anwendungsspezifischen Regelwerke für Tankbau, Dichtungsbahnen und Gasleitungen.
| Regelwerk | Inhalt (kurz) |
|---|---|
| DIN EN 1779:1999-11 (Neufassung DIN EN 1779:2024-12) | Auswahl der Dichtheits-Prüfmethoden; Vakuum-Blasenprüfung = Methode C3 |
| DIN EN 1593:1999-11 | Blasenprüfverfahren — Eintauch- und Filmverfahren |
| DIN EN ISO 17637:2017-04 | Sichtprüfung (VT) von Schmelzschweißverbindungen — Voraussetzung vor jeder Dichtheitsprüfung |
| DIN EN ISO 9712:2022-09 | Qualifizierung und Zertifizierung des ZfP-Personals (u. a. LT, VT) |
| DIN EN 14291:2005-02 | Schaumbildende Lösungen zur Lecksuche an Gasinstallationen |
| AD 2000-Merkblatt HP 5/3 (Ausgabe 2025-01) | Zerstörungsfreie Prüfung der Schweißverbindungen an Druckbehältern |
| DVS-Richtlinie 2225-2:2019-02 | Baustellenprüfungen an Dichtungsbahnen aus polymeren Werkstoffen |
| DVGW G 469 (A):2019-07 | Druckprüfverfahren Gas; Unterdruckverfahren E3 (u. a. Fernwärme-Schweißnähte) |
| ASME BPVC Section V, Art. 10, Mandatory App. II | Bubble Test, Vacuum Box Technique — internationale Referenz |
Wichtig für die Praxis: Die DIN EN 1779 wurde im Dezember 2024 neu gefasst (DIN EN 1779:2024-12) und löst die Fassung von 1999 ab. Wer ein Prüfprotokoll auf die Auswahlnorm stützt, sollte mit der aktuellen Ausgabe arbeiten.
Wo die Vakuumprüfung eingesetzt wird
Überall dort, wo eine Naht von einer Seite zugänglich ist und vor dem Befüllen auf Dichtheit geprüft werden muss. Im Tank- und Behälterbau prüft die Vakuumglocke Bodenblech-Stoßnähte und die Boden-Mantel-Kehlnaht, oft vor der hydrostatischen Probe, und ergänzt an T-Stößen und Stutzen die Durchstrahlungs- oder Ultraschallprüfung — geregelt etwa über API 650 und das AD 2000-Merkblatt HP 5/3. Im Rohrleitungs- und Anlagenbau geht es um Rund- und Stutzennähte; Fernwärme-Schweißnähte deckt das Unterdruckverfahren E3 des DVGW G 469 ausdrücklich ab.
Im Bereich der Dichtungsbahnen ist die Vakuumglocke die Methode der Wahl überall dort, wo eine Doppelnaht-Druckkanalprüfung konstruktiv nicht möglich ist: an Reparaturstellen, Extrusionsnähten, T-Stößen und Stutzendurchführungen, wie es die DVS 2225-2 vorsieht. Dazu zählt auch das Prüfen verschweißter PE-Auskleidungen — etwa wenn ein Speicher neu mit verschweißten Bahnen ausgekleidet wird und die Nähte der Auskleidung auf Dichtheit nachzuweisen sind. Geprüft wird hier die Schweißnaht der Bahn, nicht das Bauteil dahinter.
Weitere Felder: Stahl- und Schiffbau (Stoß- und Kehlnähte an Großkonstruktionen, ergänzend zu MT/UT), Flachdach- und Bauwerksabdichtungen mit Folienbahnen sowie Auffangwannen und Sekundärabdichtungen nach Wasserhaushaltsgesetz und AwSV, bei denen die Vakuumprüfung als Dichtheitsnachweis dient, wo eine Wasserstandsprobe nicht möglich ist.
Die Ausstattung: Pumpe, Glocke, Prüfmittel
Die Vakuumprüftechnik in unserem Sortiment stammt aus eigener Produktion — Lecksuchgerät, Glocken und Verbrauchsmaterial sind aufeinander abgestimmt. Drei Bausteine ergeben die komplette Prüf-Ausstattung.
Das Lecksuchgerät — ölfrei und wartbar
Den Unterdruck erzeugt eine Pumpe. Für die mobile Reparaturprüfung reicht eine Hand-Vakuumpumpe; für größere Glocken-Volumen, längere Prüfsequenzen und hohe Frequenz ist ein elektrisches Gerät die bessere Wahl. Unsere Vakuumlecksuchgeräte der TP-Serie arbeiten mit einer trockenlaufenden Drehschieberpumpe — kein Öl im Schöpfraum, kein Ölnebel im Saugkreis, beliebige Aufstellung auf der Baustelle. Beide Geräte erreichen ein Endvakuum von −850 mbar; das TP 6 mit 6 m³/h, das größere TP 8 mit 8 m³/h Förderleistung — relevant ab Bauformen über DN 200 oder bei hoher Prüf-Frequenz.
Trockenlaufend heißt nicht wartungsfrei. Im Schöpfraum rotieren Kohleschieber, die einen feinen Kohlestaub abgeben. Zusammen mit der Feuchtigkeit, die ein schaumbildendes Mittel zwangsläufig einträgt, kann dieser Staub verkleben; stehende Feuchtigkeit fördert außerdem Korrosion und kostet Leistung. Lassen Sie die Pumpe nach der Prüfung nachlaufen, damit die Feuchtigkeit auskondensiert — und öffnen Sie sie ein- bis zweimal im Jahr zur Innenreinigung. Kohleschieber, Filter und weitere Ersatzteile sind nachbestellbar.
Die Vakuumglocke — Bauform nach Naht
Die Glocke wird nach der Nahtgeometrie gewählt, nicht umgekehrt. Für Rohrumfangsnähte gibt es Rundnaht-Glocken in fester DN-Abstufung oder als dimensionsvariable Ausführung; für gerade Stoßnähte, Kehlnähte, Ecken, Stutzen und Pontondeckel jeweils eigene Bauformen.
| Naht / Bauteil | Empfohlene Glocke |
|---|---|
| Rohrumfangsnaht, fester Durchmesser | Rundnaht-Glocke der passenden DN-Stufe (DN 32 bis DN 300) |
| Wechselnde Durchmesser im selben Einsatz | Dimensionsvariable Glocke (z. B. DN 200–350, DN 400–600, DN 650–1000) |
| Lange gerade Naht (Tankboden, Stoßnaht) | Glocke für Stumpfnähte |
| Boden-Mantel-Verbindung, T-Stoß | Glocke für Kehlnähte |
| Außen- oder Innenecke am Behälter | Außenkanten- oder Innenkanten-Glocke |
| Stutzen, Pontondeckel, runde Aufdoppelung | zylindrische Glocke (mit Vakuumregulierventil) |
| Untypische Geometrie, Sonderbauteil | Sonderkonstruktion auf Anfrage |
Alle Glocken sind mit Schnellkupplung NW 7,2 ausgestattet — passend zu beiden TP-Geräten und zu den meisten Marktstandard-Pumpen. Die Sichtfenster bestehen aus Makrolon (Polycarbonat). Dimensionsvariable Glocken sind auf eine mittlere Weite vorgeformt — eine Glocke DN 400–DN 600 etwa auf DN 500 — und werden im Einsatz nur leicht auf- oder zugebogen. Wie weit das Material trägt, prüfen wir vor der Produktion an Testrohlingen mit einem Biegetest; den vollen Kreis biegen wir dabei nur unter Werksbedingungen, nicht im Feld.
Das schaumbildende Prüfmittel
Das Prüfmittel ist kein Nebenschauplatz: Bildet sich kein stabiler Film auf der Naht, zeigt auch eine Undichtheit keine Blase. Für sicherheitsrelevante Prüfungen sind geprüfte Lecksuchmittel nach DIN EN 14291:2005-02 vorgesehen — mit definierter Oberflächenspannung, Schaumstabilität und Korrosivitätsgrenzen. Reines Spülmittel-Wasser erfüllt das nicht und ist nach ASME BPVC Section V Article 10 sogar ausdrücklich ausgeschlossen; für die Baustellenprüfung an Kunststoff-Dichtungsbahnen lässt die DVS 2225-2 dagegen eine Seifenlauge als blasenbildende Flüssigkeit zu. Im Sortiment: Lecksuchspray in der 400-ml-Dose, auch kältestabil bis −15 °C, für mobile Prüfungen — sowie Lecksucher als Konzentrat im Kanister für den Dauereinsatz.
Der Prüfablauf in der Praxis
Der Ablauf ist überschaubar, aber jeder Schritt hat seinen Grund. In Kurzform:
- Sichtprüfung (VT) nach DIN EN ISO 17637 — die Naht zuerst visuell beurteilen, bei ausreichender Beleuchtung (mindestens 350 lx, empfohlen 500 lx).
- Naht reinigen — Schweißschlacke, Spritzer, Rost, Fett, Öl und Farbe entfernen.
- Oberflächentemperatur prüfen — mindestens 5 °C; bei Frost die Stelle vorwärmen.
- Schaumbildner vollständig auftragen — die gesamte Naht muss benetzt sein. Wo kein Film liegt, bildet sich an einer Undichtheit keine Blase, und man erkennt sie nicht.
- Glocke dichtend aufsetzen und evakuieren — auf den Sollunterdruck des jeweiligen Regelwerks.
- Haltezeit einhalten, durch das Sichtfenster beobachten — kontinuierliche Blasen oder ein wachsender Schaumpilz an einer festen Stelle sind eine Anzeige.
- Belüften, mit Überlappung umsetzen, Anzeigen markieren — reparieren, nachprüfen.
Zwei Dinge entscheiden in der Praxis über ein sauberes Ergebnis. Erstens die vollständige Benetzung: Die häufigste vermeidbare Fehlanzeige ist eine zu trocken aufgetragene Naht. Zweitens das richtige Lesen der Anzeige — einzelne Blasen am Glockenrand entstehen durch die Auflagedichtung und sind keine Undichtheit. Eine echte Anzeige bleibt ortsfest und wächst weiter.
Das Verfahren ist witterungsabhängig: Wind verbläst den Schaum, Frost unter 5 °C lässt die Prüfflüssigkeit gefrieren, Hitze über 50 °C trocknet den Film an, bevor man ihn beobachten kann, Regen wäscht ihn ab. Auf der Baustelle heißt das: Prüfbereich gegen Wind abschirmen, bei Kälte vorwärmen, den Schaum erst kurz vor dem Aufsetzen der Glocke auftragen. Die Prüfung selbst gehört in qualifizierte Hände — üblich ist ein Prüfer der Stufe 2 für die Dichtheitsprüfung (LT) nach DIN EN ISO 9712:2022-09, häufig zusammen mit der Sichtprüfung (VT).
Sonderformen für Spezialgeometrien
Nicht jede Naht passt zu einer Katalog-Glocke. Schiffsrümpfe, Dächer von Schienenfahrzeugen, stark gekrümmte Bauteile, ungewöhnliche Nahtverläufe — dafür fertigen wir Sonderglocken nach Aufgabe. Was wir dazu brauchen, ist eine aussagefähige Skizze, Zeichnung oder ein paar Fotos der Stelle. Auf dieser Grundlage haben wir bereits die unterschiedlichsten Sonderformen geliefert. Eine kurze Beschreibung der Geometrie per E-Mail genügt für den Einstieg.
Häufige Fragen
Was ist die Vakuumprüfung von Schweißnähten?
Ein zerstörungsfreies Dichtheitsprüfverfahren (Blasenprüfung). Schaumbildendes Mittel auf die Naht, durchsichtige Vakuumglocke aufsetzen, evakuieren — an durchgehenden Defekten bilden sich sichtbare Blasen. In DIN EN 1779 ist das Verfahren als Methode C3 geführt.
Welche Defekte erkennt die Vakuumprüfung — und welche nicht?
Erkannt werden nur oberflächenoffene, durchgehende Defekte: Poren, Risse und Bindefehler mit Spalt zur Oberfläche. Innenliegende Poren, Lunker oder Bindefehler ohne Verbindung zur Oberfläche bleiben unerkannt. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen daher mit Durchstrahlungs- (RT) oder Ultraschallprüfung (UT) kombinieren.
Wie hoch ist der Prüfunterdruck?
Das hängt vom Regelwerk ab. DVGW G 469 Verfahren E3: 200 bis 500 mbar, mindestens 30 s. DVS 2225-2 für Dichtungsbahnen: rund 300 mbar, mindestens 10 s. ASME Section V App. II: mindestens etwa 150 mbar. In der Praxis liegt der Arbeitsbereich bei −200 bis −500 mbar, in Einzelfällen bis −800 mbar.
Welche Norm gilt für die Vakuumprüfung von Schweißnähten?
Die Klassifikation steht in DIN EN 1779, das Blasenprinzip in DIN EN 1593. International wird nach ASME BPVC Section V Article 10 App. II geprüft. Für Kunststoff-Dichtungsbahnen gilt die DVS 2225-2, für Fernwärme-Schweißnähte das Verfahren E3 des DVGW G 469.
Wie empfindlich ist das Verfahren im Vergleich zur Helium-Lecksuche?
Die Blasenprüfung erreicht etwa 10⁻³ bis 10⁻⁵ mbar·l/s, die Helium-Massenspektrometrie bis 10⁻¹¹. Für Tank-, Behälter- und Folienbau ist die Blasenprüfung ausreichend; für Hochvakuum-, Halbleiter- oder Kryotechnik ist sie es nicht.
Reicht eine Handpumpe oder brauche ich ein elektrisches Lecksuchgerät?
Für einzelne Reparaturprüfungen reicht eine Handpumpe. Für größere Glocken, Dauerbetrieb und hohe Prüffrequenz ist ein elektrisches, ölfreies Gerät sinnvoll — die TP-Serie erreicht −850 mbar, das TP 6 mit 6 m³/h, das TP 8 mit 8 m³/h.
Reicht einfaches Seifenwasser als Prüfmittel?
Für sicherheitsrelevante Prüfungen nein. Geprüfte Mittel nach DIN EN 14291 haben definierte Schaumstabilität und Korrosivitätsgrenzen; ASME Section V schließt Reinigungsseifen aus. Für die Baustellenprüfung an Kunststoffbahnen lässt die DVS 2225-2 dagegen eine Seifenlauge zu.
Welche Glocken-Bauform brauche ich für welche Naht?
Rundnaht-Glocken für Rohrumfangsnähte (feste DN-Stufe oder dimensionsvariabel), Stumpfnaht-Glocken für lange gerade Nähte, Kehlnaht-Glocken für Boden-Mantel- und T-Verbindungen, Kanten-Glocken für Ecken, die zylindrische Glocke für Stutzen und Pontondeckel.
Muss die Vakuumpumpe gewartet werden?
Ja. Feuchtigkeit aus dem Prüfmittel und der Kohlestaub der Schieber können verkleben und Korrosion fördern. Die Pumpe nach der Prüfung nachlaufen lassen und ein- bis zweimal im Jahr öffnen und innen reinigen. Kohleschieber und Filter sind nachbestellbar.
Wer darf die Vakuumprüfung durchführen?
Üblich ist ein Prüfer der Stufe 2 für die Dichtheitsprüfung (LT) nach DIN EN ISO 9712, oft zusammen mit der Sichtprüfung (VT). Maßgeblich sind die Gefährdungsbeurteilung und die Vorgaben des jeweiligen Regelwerks.
Fertigen Sie Sonderformen für besondere Geometrien?
Ja. Für Schiffsrümpfe, Fahrzeugdächer, Sondergeometrien und ungewöhnliche Nahtverläufe fertigen wir Sonderglocken. Dafür brauchen wir eine aussagefähige Skizze, Zeichnung oder Fotos. Anfragen per E-Mail.
Fazit: das richtige Verfahren für einseitig zugängliche Nähte
Wo eine Naht nur von einer Seite zugänglich ist und schnell, ortgenau und ohne großen Aufwand auf Dichtheit geprüft werden muss, ist die Vakuum-Blasenprüfung die naheliegende Wahl — innerhalb ihrer Grenzen. Für die Festigkeits- und Volumenbewertung sicherheitsrelevanter Druckbauteile bleibt die Kombination mit RT oder UT Pflicht. Die Ausstattung ist überschaubar: ein ölfreies Lecksuchgerät, die zur Naht passende Glocke, ein geprüftes Prüfmittel. Alles davon — aus eigener Produktion — finden Sie in unserem Sortiment.
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Versand in alle EU-Länder, in die Schweiz und nach Norwegen. Andere Länder auf Anfrage.
PS: Die häufigste vermeidbare Fehlanzeige ist eine zu trocken aufgetragene Naht. Lieber einmal mehr Mittel auftragen als eine Undichtheit übersehen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information auf unserem aktuellen Informationsstand und stellt eine technische Orientierungshilfe dar. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) und keine fachliche Prüfung im konkreten Einzelfall. Auswahl, Auslegung und sicherheitstechnische Bewertung obliegen dem Anwender. Verbindlich ist der Originaltext der zitierten Norm oder Regel in der jeweils aktuellen Ausgabe. Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt. Stand: Juni 2026.