Eckrohrzange aus Sonderbronze für Rohrarbeiten in EX-Zonen
Die Eckrohrzange – auch Swedish Plier genannt – ist ein funkenarmes Werkzeug aus Sonderbronze (Aluminium-Bronze) für das Greifen, Halten und Drehen von Rohren in explosionsgefährdeten Bereichen. Die zwei Backen sind angewinkelt – wahlweise 45° oder 90° – und greifen das Rohr selbstklemmend: je größer das Drehmoment, desto fester der Griff. Made in Germany.
Im Gegensatz zur Kettenrohrzange ist die Eckrohrzange schneller einsatzbereit (kein Umlegen einer Kette), hat dafür einen begrenzteren Durchmesserbereich pro Größe.
Gefahr: Maximaler Energieeintrag 31 Nm – bezogen auf Schlagpartner aus armiertem Estrich-Beton. Bei der Eckrohrzange ist der Energieeintrag in der Regel kein Schlagvorgang, sondern eine Hebelkraft – Reibvorgänge zwischen Backen und Rohr fallen ebenfalls unter die BAM-Prüfgrundlage. Funkenarme Werkzeuge sind nie alleinige Schutzmaßnahme – Vorgaben der Berufsgenossenschaft und das Explosionsschutzdokument sind zusätzlich einzuhalten.
Zwei Maul-Ausführungen
Die 45°-Variante ist die universellere Bauform – sie fasst Rohre, die unter normalem Winkel zugänglich sind, und liefert eine ausgewogene Kraftübertragung. Verfügbar in fünf Größen für Rohre von 1" bis 4".
Die 90°-Variante ist für Rohrarbeiten in beengten Situationen gedacht, in denen die Zange senkrecht ans Rohr geführt werden muss – etwa bei Wandnähe oder zwischen anderen Anlagenteilen. Verfügbar in zwei Größen, 1 ½" und 2".
Werkstoff Aluminium-Bronze
Die Sonderbronze ist eine Kupfer-Aluminium-Legierung. Sie ist weicher als herkömmlicher Werkzeugstahl, hat dafür aber zwei Eigenschaften, die in EX-Zonen entscheidend sind: Sie ist nichtfunkend bei Reibvorgängen im normalen Anwendungsbereich und sie korrodiert nicht. Die Zange ist durchgängig aus Bronze gefertigt – ohne isolierten oder beschichteten Griff. Das ist Voraussetzung für die durchgängige funkenarme Eigenschaft.
Im Vergleich zum härteren Kupfer-Beryllium ist Aluminium-Bronze die wirtschaftlichere Wahl, wenn die Explosionsgruppe IIC nicht relevant ist. Für IIC-Bereiche (Wasserstoff, Acetylen-Mischungen, Schwefelkohlenstoff) wäre das funkenarme Pendant aus Kupfer-Beryllium notwendig.
Technische Daten – 45° Maul
| Größe |
Länge |
Gewicht |
| 1" |
320 mm |
820 g |
| 1 ½" |
430 mm |
1.570 g |
| 2" |
540 mm |
3.200 g |
| 3" |
700 mm |
4.100 g |
| 4" |
790 mm |
6.200 g |
Technische Daten – 90° Maul
| Größe |
Länge |
Gewicht |
| 1 ½" |
430 mm |
1.570 g |
| 2" |
540 mm |
3.200 g |
Allgemeine Daten
| Merkmal |
Wert |
| Werkstoff |
Sonderbronze (Aluminium-Bronze) |
| Konstruktion |
durchgängig Bronze, kein isolierter Griff |
| Maul-Ausführungen |
45° und 90° |
| Zugelassene EX-Zonen |
1, 2, 21, 22 nach Richtlinie 1999/92/EG |
| Explosionsgruppen |
I, IIA, IIB und Acetylen |
| Prüfgrundlage |
DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09 |
| BAM-Zertifikat |
BAM/ZBF/001/24 (Sonderbronze) |
| Maximaler Energieeintrag |
31 Nm bei armiertem Estrich-Beton |
| Herkunft |
Made in Germany |
Typische Einsatzbereiche
- Wartungs- und Demontagearbeiten an Rohrleitungen in Anlagen
- Lösen und Anziehen verschraubter Rohrabschnitte
- Halten von Rohren bei Schweiß- und Montagearbeiten in EX-Zonen
- Chemie, Petrochemie, Raffinerien, Gas- und Energieversorgung
- Anlagenbau in staubexplosionsgefährdeten Zonen 21 und 22
Achtung: „Funkenarm“ ist der fachlich korrekte Begriff – auch DGUV und BG RCI verwenden ihn so. „Funkenfrei“ ist im Markt geläufig und meint dasselbe Werkzeug, ist aber technisch nicht ganz präzise: Bei sehr hohem Energieeintrag oder bei Reib- und Schlagvorgängen mit metallischen Verunreinigungen können auch hier zündfähige Funken entstehen. Deshalb gilt das Limit von 31 Nm.
Pflege und Sorgfalt im Umgang
Funkenarme Werkzeuge sind weicher als Stahlwerkzeuge. Bei der Eckrohrzange entstehen die Hauptverschleißpunkte an den Backen. Vor jedem Einsatz wird die Zange auf Risse, ausgeschlagene Backen-Geometrie und gleichmäßigen Lauf des Gewerbes geprüft. Eingearbeitete Späne werden mechanisch entfernt – nicht eingearbeitet. Der Bronze-Hebel darf nicht durch Verlängerungsrohre verstärkt werden – das hebelt die 31-Nm-Prüfgrundlage aus und führt zu Materialüberlastung.
Geschliffen werden die Bronze-Teile nicht – das verändert die Geometrie und kann die Funken-Eigenschaft verschlechtern. Bei Beschädigung wird das Werkzeug aussortiert. Welche EX-Zonen und Explosionsgruppen im Betrieb tatsächlich vorliegen, regelt das Explosionsschutzdokument nach § 6 GefStoffV – Sonderbronze ist nicht für die Explosionsgruppe IIC freigegeben.
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Häufige Fragen
Was ist eine Swedish Plier?
„Swedish Plier" ist die international verbreitete Bezeichnung für die Eckrohrzange – eine Rohrzange mit zwei festen, angewinkelten Backen, ähnlich einer großen Wasserpumpenzange, aber mit speziell für Rohrgriff geformten Backen. Die schwedische Konstruktion hat sich im Anlagenbau und in der Petrochemie als Standard etabliert.
Wann nehme ich 45°, wann 90° Maul?
Die 45°-Variante ist die Standardform. Sie greift Rohre, die in normalem Winkel zugänglich sind, und ist für die meisten Wartungsarbeiten an Anlagenkomponenten die richtige Wahl. Die 90°-Variante wird gewählt, wenn die Zange wegen wandnaher Verlegung oder enger Bauart der Anlage senkrecht angesetzt werden muss. Sie steht in 1 ½" und 2" zur Verfügung.
Welche Rohrdurchmesser deckt die Eckrohrzange ab?
Bei der 45°-Variante: 1" bis 4" (entspricht ungefähr 25 bis 100 mm Rohraußendurchmesser, je nach Rohrnorm). Bei der 90°-Variante: 1 ½" und 2" (ca. 38 bis 50 mm). Für deutlich größere Durchmesser ist die Kettenrohrzange die passende Lösung.
Was ist der Unterschied zur Kettenrohrzange?
Die Eckrohrzange hat zwei feste Backen – schnell einsetzbar, kein Umlegen nötig. Die Kettenrohrzange wickelt eine Kette um das Rohr – flexibler bei sehr großen oder sehr unterschiedlichen Durchmessern, aber langsamer in der Anwendung. Für den Standard-Anwendungsbereich bis 4" ist die Eckrohrzange schneller; ab 150 mm Durchmesser ist die Kettenrohrzange oft die einzige praktikable Lösung.
Welche EX-Zonen sind abgedeckt?
Zugelassen für die EX-Zonen 1 und 2 (Gase, Dämpfe, Nebel) sowie 21 und 22 (Stäube) nach Richtlinie 1999/92/EG. Für die Zonen 0 und 20 ist die Zange nicht zugelassen.
Was bedeutet das BAM-Zertifikat BAM/ZBF/001/24?
Das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Sonderbronze auf Funkenverhalten geprüft. Das Zertifikat bestätigt die Eignung für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Geprüft wurde nach DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09. Voraussetzung: Schlagpartner armierter Estrich-Beton, Energieeintrag bis 31 Nm. Auf Anfrage ist das Zertifikat verfügbar.
Darf der Hebel verlängert werden?
Nein. Die Werkzeuge sind auf den vorhandenen Hebel ausgelegt. Bronze ist weicher als Stahl, das Hebel-Material würde überbeansprucht. Verlängerungen mit Stahlrohren bringen zudem Stahl in den Einsatzbereich – das hebelt die durchgängige Funkenarmut aus. Wenn ein höheres Drehmoment nötig ist, wird die nächstgrößere Ausführung gewählt – oder bei sehr großen Durchmessern auf die Kettenrohrzange umgestiegen.
Wie wird die Zange gepflegt?
Vor jedem Einsatz Sichtkontrolle der Backen und des Gewerbes. Festsitzender Schmutz wird trocken mit Bürste oder Lappen entfernt – kein Stahlbürsten, das hinterlässt Stahlpartikel im Werkzeug. Das Gewerbe darf nicht geölt werden: Schmierstoffe binden Staub und können in EX-Zonen die Funken-Eigenschaft beeinflussen. Bei sichtbarer Backen-Verformung wird die Zange aussortiert.
Reicht Sonderbronze für jede Explosionsgruppe?
Nicht für alle. Sonderbronze ist freigegeben für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Nicht freigegeben ist sie für die Explosionsgruppe IIC – also für Atmosphären mit Wasserstoff, Acetylen-Mischungen oder Schwefelkohlenstoff (außer reinem Acetylen, das gesondert geprüft ist). Für IIC-Bereiche werden funkenarme Werkzeuge aus Kupfer-Beryllium eingesetzt.
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Ja. Lieferung erfolgt innerhalb der EU sowie weltweit. Für eine konkrete Lieferung ins Ausland fragen Sie bitte die Versandkonditionen vorab an.