Fäustel aus Sonderbronze für Meißel- und Schlagarbeiten in EX-Zonen
Der Fäustel mit Hickorystiel ist ein funkenarmes Werkzeug aus Sonderbronze (Aluminium-Bronze) für einhändige Schlagarbeit in explosionsgefährdeten Bereichen. Charakteristisch sind der kurze, wuchtige Doppelkopf und der kurze Stiel – das macht den Fäustel zur klassischen Wahl, wenn Meißel, Stemmeisen oder Spalteisen geführt werden müssen und der Schlag kontrolliert in der Nähe des Werkstücks landen soll. Made in Germany.
Sieben Gewichts-Varianten von 1 kg bis 8 kg decken die typischen Fäustel-Aufgaben ab – vom kontrollierten Meißelschlag mit dem 1-kg-Fäustel bis zur wuchtigen Spaltarbeit mit dem 8-kg-Modell.
Gefahr: Maximaler Energieeintrag 31 Nm – bezogen auf Schlagpartner aus armiertem Estrich-Beton. Beim Fäustel mit kurzem Stiel und voller einhändiger Schlagführung ist dieses Limit in der Praxis schnell erreicht. Das Limit gilt unabhängig vom Hammergewicht – wer es überschreitet, riskiert in EX-Zonen Funkenbildung und damit Lebensgefahr. Funkenarme Werkzeuge sind nie alleinige Schutzmaßnahme – Vorgaben der Berufsgenossenschaft und das Explosionsschutzdokument sind zusätzlich einzuhalten.
Werkstoff Aluminium-Bronze
Die Sonderbronze ist eine Kupfer-Aluminium-Legierung. Sie ist weicher als herkömmlicher Werkzeugstahl, hat dafür aber zwei Eigenschaften, die in EX-Zonen entscheidend sind: Sie ist nichtfunkend bei Reibvorgängen im normalen Anwendungsbereich und sie korrodiert nicht. Die Oberfläche ist sandgestrahlt, der Kopf zeigt die typische rötlich-goldene Bronze-Farbe.
Im Vergleich zum härteren Kupfer-Beryllium ist Aluminium-Bronze die wirtschaftlichere Wahl, wenn die Explosionsgruppe IIC nicht relevant ist. Für IIC-Bereiche (Wasserstoff, Acetylen-Mischungen, Schwefelkohlenstoff) wäre das funkenarme Pendant aus Kupfer-Beryllium notwendig.
Stiel und Geometrie
Der Stiel ist deutlich kürzer als beim Vorschlaghammer und länger als bei einem reinen Setzhammer. Die Länge ist auf einhändige Führung am Werkstück ausgelegt – die zweite Hand hält den Meißel oder das Spalteisen. Hickory ist das Standard-Holz für Hammerstiele, zäh und mit guter Eigendämpfung. Der Stiel ist konisch im Kopf eingepasst und mit Keil verspannt. Bei den schwereren Varianten (5 kg, 8 kg) verlangt der Keilsitz besondere Aufmerksamkeit – Hickory arbeitet bei Temperaturwechseln, der Sitz wird vor jedem Einsatz geprüft und bei Bedarf nachgesetzt.
Der Kopf selbst ist beidseitig schlagfähig und symmetrisch ausgeführt – beide Bahnen werden gleichermaßen genutzt, das verteilt den Verschleiß und verlängert die Standzeit.
Technische Daten
| Merkmal |
Wert |
| Werkstoff Kopf |
Sonderbronze (Aluminium-Bronze) |
| Stiel |
Hickoryholz, kurze Ausführung |
| Kopf-Form |
beidseitig symmetrisch, kurz und wuchtig |
| Oberfläche |
sandgestrahlt |
| Gewichts-Varianten |
1 / 1,5 / 2 / 3 / 4 / 5 / 8 kg |
| Zugelassene EX-Zonen |
1, 2, 21, 22 nach Richtlinie 1999/92/EG |
| Explosionsgruppen |
I, IIA, IIB und Acetylen |
| Prüfgrundlage |
DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09 |
| BAM-Zertifikat |
BAM/ZBF/001/24 (Sonderbronze) |
| Maximaler Energieeintrag |
31 Nm bei armiertem Estrich-Beton |
| Herkunft |
Made in Germany |
Typische Einsatzbereiche
- Meißelarbeit mit Flach- und Kreuzmeißel an Anlagenkomponenten
- Spaltarbeit mit dem Spalteisen bei festsitzenden Verbindungen
- Stemmen und Lösen in beengten Arbeitssituationen, wo der Vorschlaghammer keinen Schwung holen kann
- Wartungs- und Demontage-Arbeiten in Chemie, Petrochemie und Raffinerien
- Anlagenbau in staubexplosionsgefährdeten Zonen 21 und 22
Achtung: „Funkenarm“ ist der fachlich korrekte Begriff – auch DGUV und BG RCI verwenden ihn so. „Funkenfrei“ ist im Markt geläufig und meint dasselbe Werkzeug, ist aber technisch nicht ganz präzise: Bei sehr hohem Energieeintrag oder bei Reib- und Schlagvorgängen mit metallischen Verunreinigungen können auch hier zündfähige Funken entstehen. Deshalb gilt das Limit von 31 Nm.
Pflege und Sorgfalt im Umgang
Funkenarme Werkzeuge sind weicher als Stahlwerkzeuge. Beim Fäustel kommt eine Besonderheit dazu: Die wuchtigen Schläge auf einen Meißel oder ein Spalteisen belasten Kopf und Stielsitz besonders, weil die Energie konzentriert auf eine kleine Fläche übertragen wird. Vor jedem Einsatz wird der Hammer auf eingearbeitete Fremdkörper im Kopf, Risse im Stiel und festen Sitz von Kopf und Keil geprüft. Sichtbare Späne werden mechanisch entfernt – nie eingeschlagen. Schläge auf Werkstücke mit harten Verunreinigungen, Rost-Schuppen oder Aluminium-Spänen sind zu vermeiden, weil solche Ablagerungen unabhängig vom Werkzeug Funken auslösen können.
Geschliffen wird der Bronze-Kopf nicht – das verändert die Geometrie und kann die Funken-Eigenschaft verschlechtern. Bei Beschädigung wird das Werkzeug aussortiert. Welche EX-Zonen und Explosionsgruppen im Betrieb tatsächlich vorliegen, regelt das Explosionsschutzdokument nach § 6 GefStoffV – Sonderbronze ist nicht für die Explosionsgruppe IIC freigegeben.
Alle funkenarmen Werkzeuge Spalteisen ansehen
Häufige Fragen
Was unterscheidet einen Fäustel vom Schlosserhammer und vom Vorschlaghammer?
Der Fäustel hat einen kurzen Stiel und einen kurzen, wuchtigen, beidseitig symmetrischen Kopf. Er sitzt zwischen Schlosser- und Vorschlaghammer: schwerer als der Schlosserhammer (der bei 2 kg endet), kürzer geführt als der Vorschlaghammer (der zweihändig läuft). Sein Einsatzfeld ist die einhändige Meißel- und Spaltarbeit – der Schlag landet kontrolliert dicht am Werkstück, weil der kurze Stiel weniger Schwungweg hat.
Welche Gewichts-Variante passt für welchen Einsatz?
1 bis 1,5 kg sind die feineren Größen für Meißelarbeit mit dünnem Flachmeißel oder Stemmeisen. 2 bis 3 kg ist die universelle Wahl für Schlosser- und Wartungsarbeiten an Anlagen. 4 und 5 kg eignen sich für Spaltarbeit mit kräftigem Spalteisen und für das Lösen festsitzender Verbindungen. 8 kg ist die Sondergröße für ausgesprochen wuchtige Aufgaben – wer mehr Energie braucht, wechselt zum Vorschlaghammer mit zweihändiger Führung.
Welcher Meißel passt zum Fäustel?
Im EX-Bereich werden Flachmeißel, Kreuzmeißel und Spalteisen ebenfalls aus funkenarmem Werkstoff verwendet – sonst ist die Schutzwirkung gebrochen. Die Schlagfläche des Meißels darf nicht aus gehärtetem Stahl sein. In der Praxis wird oft Sonderbronze auf Sonderbronze kombiniert (Fäustel und Meißel beide aus Aluminium-Bronze). Schlagpartner aus Stahl sind in der BAM-Prüfgrundlage nicht abgebildet und sollten in EX-Zonen vermieden werden.
Warum ist der Fäustel-Stiel so kurz?
Die Länge richtet sich nach der Anwendung. Bei Meißelarbeit hält die zweite Hand den Meißel direkt am Werkstück; der Fäustel wird in unmittelbarer Nähe geführt. Ein langer Stiel würde zu Schwungweg und Kraftverlust führen, außerdem zu Fehlschlägen, weil die Hand mit dem Meißel im Schlagbereich liegt. Der kurze Stiel sorgt für gezielte Schlagführung und kontrollierte Energie.
Welche EX-Zonen sind abgedeckt?
Zugelassen für die EX-Zonen 1 und 2 (Gase, Dämpfe, Nebel) sowie 21 und 22 (Stäube) nach Richtlinie 1999/92/EG. Für die Zonen 0 und 20 ist der Fäustel nicht zugelassen – dort ist explosionsfähige Atmosphäre dauerhaft oder häufig vorhanden, dort dürfen nur Werkzeuge eingesetzt werden, die überhaupt keine Funken erzeugen können.
Was bedeutet das BAM-Zertifikat BAM/ZBF/001/24?
Das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Sonderbronze auf Funkenverhalten geprüft. Das Zertifikat bestätigt die Eignung für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Geprüft wurde nach DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09. Voraussetzung: Schlagpartner armierter Estrich-Beton, Energieeintrag bis 31 Nm. Auf Anfrage ist das Zertifikat verfügbar.
Wie wird der Fäustel richtig gepflegt?
Vor jedem Einsatz Sichtkontrolle: keine eingearbeiteten Späne im Kopf, keine Risse im Stiel, fester Sitz von Kopf und Keil. Bei Lockerung wird der Keil nachgesetzt – nicht weiter mit losem Sitz arbeiten. Der Stiel darf nicht geölt werden, das macht das Holz weich. Trocken lagern, vor Feuchtigkeit und direkter Sonne schützen. Nach dem Einsatz groben Schmutz mit Bürste oder Lappen entfernen. Beim Schlagen auf einen Meißel: regelmäßig prüfen, ob die Schlagfläche des Meißels noch sauber ist – Grate gehören mit funkenarmem Werkzeug abgetragen.
Reicht Sonderbronze für jede Explosionsgruppe?
Nicht für alle. Sonderbronze ist freigegeben für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Nicht freigegeben ist sie für die Explosionsgruppe IIC – also für Atmosphären mit Wasserstoff, Acetylen-Mischungen oder Schwefelkohlenstoff (außer reinem Acetylen, das gesondert geprüft ist). Für IIC-Bereiche werden funkenarme Werkzeuge aus Kupfer-Beryllium eingesetzt.
Liefern Sie ins Ausland?
Ja. Lieferung erfolgt innerhalb der EU sowie weltweit. Für eine konkrete Lieferung ins Ausland fragen Sie bitte die Versandkonditionen vorab an – die Frachtkosten richten sich nach Zielland, Gewicht und gewünschtem Versanddienstleister.