Kettenrohrzange aus Sonderbronze für Rohrarbeiten in EX-Zonen
Die Kettenrohrzange ist ein funkenarmes Werkzeug aus Sonderbronze (Aluminium-Bronze) für das Greifen, Halten und Drehen von Rohren in explosionsgefährdeten Bereichen. Die Kette legt sich um das Rohr und verkrallt sich beim Ziehen am Hebel selbsttätig – je größer das Drehmoment, desto fester der Griff. Made in Germany.
Das Sortiment umfasst zwei Ausführungen – leicht und schwer – mit insgesamt acht Größen, die Rohrdurchmesser von 38 mm bis 450 mm abdecken.
Gefahr: Maximaler Energieeintrag 31 Nm – bezogen auf Schlagpartner aus armiertem Estrich-Beton. Bei der Kettenrohrzange ist der Energieeintrag in der Regel kein Schlagvorgang, sondern eine Hebelkraft – aber Reibvorgänge zwischen Kette und Rohr fallen ebenfalls unter die BAM-Prüfgrundlage. Funkenarme Werkzeuge sind nie alleinige Schutzmaßnahme – Vorgaben der Berufsgenossenschaft und das Explosionsschutzdokument sind zusätzlich einzuhalten.
Zwei Ausführungen für unterschiedliche Lasten
Die leichte Ausführung ist für Rohre mit kleinem bis mittlerem Durchmesser ausgelegt – 50 bis 450 mm – und entsprechend leichter im Eigengewicht. Sie eignet sich für Wartungsaufgaben, Demontage und Verschraubungs-Arbeiten an Anlagen.
Die schwere Ausführung hat einen massiveren Kopf mit mehreren Befestigungspunkten für die Kette und ist für höhere Drehmomente konstruiert. Sie wird gewählt, wenn festsitzende Verbindungen gelöst werden müssen oder wenn größere Wandstärken im Spiel sind.
Werkstoff Aluminium-Bronze
Die Sonderbronze ist eine Kupfer-Aluminium-Legierung. Sie ist weicher als herkömmlicher Werkzeugstahl, hat dafür aber zwei Eigenschaften, die in EX-Zonen entscheidend sind: Sie ist nichtfunkend bei Reibvorgängen im normalen Anwendungsbereich und sie korrodiert nicht. Die Kette und der Hebelkörper sind komplett aus Bronze, ohne isolierten Griff – das ist Voraussetzung für die durchgängige funkenarme Eigenschaft.
Im Vergleich zum härteren Kupfer-Beryllium ist Aluminium-Bronze die wirtschaftlichere Wahl, wenn die Explosionsgruppe IIC nicht relevant ist. Für IIC-Bereiche (Wasserstoff, Acetylen-Mischungen, Schwefelkohlenstoff) wäre das funkenarme Pendant aus Kupfer-Beryllium notwendig.
Technische Daten – leichte Ausführung
| Artikel-Nr. |
für Ø max. |
Länge |
Gewicht |
| 100825-002 |
50 mm |
600 mm |
1.700 g |
| 100825-004 |
100 mm |
600 mm |
2.500 g |
| 100825-005 |
150 mm |
600 mm |
3.000 g |
| 100825-007 |
450 mm |
1.600 mm |
8.000 g |
Technische Daten – schwere Ausführung
| Artikel-Nr. |
für Ø max. |
Länge |
Gewicht |
| 100825-008 |
38 mm |
510 mm |
2.650 g |
| 100825-010 |
65 mm |
685 mm |
4.500 g |
| 100825-011 |
100 mm |
915 mm |
11.500 g |
| 100825-013 |
300 mm |
1.830 mm |
30.300 g |
Allgemeine Daten
| Merkmal |
Wert |
| Werkstoff |
Sonderbronze (Aluminium-Bronze) |
| Konstruktion |
durchgängig Bronze, kein isolierter Griff |
| Wirkprinzip |
selbstklemmende Kette, drehmomentabhängige Klemmkraft |
| Zugelassene EX-Zonen |
1, 2, 21, 22 nach Richtlinie 1999/92/EG |
| Explosionsgruppen |
I, IIA, IIB und Acetylen |
| Prüfgrundlage |
DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09 |
| BAM-Zertifikat |
BAM/ZBF/001/24 (Sonderbronze) |
| Maximaler Energieeintrag |
31 Nm bei armiertem Estrich-Beton |
| Herkunft |
Made in Germany |
Typische Einsatzbereiche
- Lösen und Anziehen von Rohrverbindungen in Anlagen, an denen ein Rollgabelschlüssel mangels passender Schlüsselweite nicht greift
- Halten und Fixieren von Rohren während Demontage- und Wartungsarbeiten
- Drehen festsitzender Rohrabschnitte in Chemie, Petrochemie und Raffinerien
- Anlagen-Service in staubexplosionsgefährdeten Zonen 21 und 22
- Bergbau und Untertage-Anwendungen (Explosionsgruppe I)
Achtung: „Funkenarm“ ist der fachlich korrekte Begriff – auch DGUV und BG RCI verwenden ihn so. „Funkenfrei“ ist im Markt geläufig und meint dasselbe Werkzeug, ist aber technisch nicht ganz präzise: Bei sehr hohem Energieeintrag oder bei Reib- und Schlagvorgängen mit metallischen Verunreinigungen können auch hier zündfähige Funken entstehen. Deshalb gilt das Limit von 31 Nm.
Pflege und Sorgfalt im Umgang
Funkenarme Werkzeuge sind weicher als Stahlwerkzeuge. Bei der Kettenrohrzange entstehen die Hauptverschleißpunkte an der Kette und an den Klauen, die das Rohr greifen. Vor jedem Einsatz wird die Kette auf Risse, ausgeschlagene Glieder und gleichmäßigen Lauf geprüft. Eingearbeitete Späne oder festsitzender Rost zwischen den Gliedern werden mechanisch entfernt – nicht eingearbeitet. Der Bronze-Hebel darf nicht durch Verlängerungsrohre verstärkt werden – das hebelt die 31-Nm-Prüfgrundlage aus und führt zu Materialüberlastung des Hebels.
Geschliffen werden die Bronze-Teile nicht – das verändert die Geometrie und kann die Funken-Eigenschaft verschlechtern. Bei Beschädigung wird das Werkzeug aussortiert. Welche EX-Zonen und Explosionsgruppen im Betrieb tatsächlich vorliegen, regelt das Explosionsschutzdokument nach § 6 GefStoffV – Sonderbronze ist nicht für die Explosionsgruppe IIC freigegeben.
Alle funkenarmen Werkzeuge Eckrohrzange ansehen
Häufige Fragen
Wann nehme ich die leichte, wann die schwere Ausführung?
Die leichte Ausführung deckt Rohre ab 50 mm Durchmesser ab und ist für Wartungsaufgaben mit normalen Anzugs- und Lösemomenten gedacht. Sie hat einen schlanken Hebel und ist deutlich leichter im Eigengewicht – das bringt Vorteile bei Arbeiten über Kopf oder in beengten Anlagen. Die schwere Ausführung beginnt bei 38 mm und ist für höhere Drehmomente konstruiert: festsitzende Verbindungen, dickwandige Rohre, größere Querschnitte. Wer nicht sicher ist: Die schwere Ausführung hat mehr Reserve, ist aber unhandlicher.
Wie wird die Kettenrohrzange angesetzt?
Kette ums Rohr legen, im Hebelkopf einhängen, Hebel in Drehrichtung ziehen. Die Klauen verkrallen sich beim Ziehen automatisch – je größer das Drehmoment, desto fester der Griff. Wichtig: Die Kette muss auf der Seite des Rohrs liegen, gegen die der Hebel gezogen wird. Wird der Hebel in die andere Richtung bewegt (zum Lösen einer Anzugsrichtung), muss die Kette neu umgelegt werden. Das gehört zur Routine beim Arbeiten mit Kettenrohrzangen.
Funktioniert die Zange nur an runden Rohren?
Sie ist für runde Querschnitte konstruiert. An Sechskant-Verschraubungen oder anderen Polygonen kann die Kette zwar greifen, sitzt aber unsymmetrisch und kann verrutschen. Für Sechskant-Anschlüsse sind Doppelmaul- oder Doppelringschlüssel die bessere Wahl – sofern sie passend verfügbar sind.
Was ist der Unterschied zur Eckrohrzange?
Eine Eckrohrzange hat zwei feste, gegeneinander beweglich gelagerte Backen – ähnlich einer großen Wasserpumpenzange, aber mit angewinkelten Backen für Rohrgriff. Sie ist schneller einsetzbar (kein Umlegen einer Kette), hat dafür einen begrenzteren Durchmesserbereich pro Größe. Die Kettenrohrzange ist flexibler bei sehr unterschiedlichen Rohrdurchmessern und für sehr große Rohre (ab ca. 150 mm) oft die einzige praktikable Lösung.
Welche EX-Zonen sind abgedeckt?
Zugelassen für die EX-Zonen 1 und 2 (Gase, Dämpfe, Nebel) sowie 21 und 22 (Stäube) nach Richtlinie 1999/92/EG. Für die Zonen 0 und 20 ist die Zange nicht zugelassen – dort ist explosionsfähige Atmosphäre dauerhaft oder häufig vorhanden, dort dürfen nur Werkzeuge eingesetzt werden, die überhaupt keine Funken erzeugen können.
Was bedeutet das BAM-Zertifikat BAM/ZBF/001/24?
Das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Sonderbronze auf Funkenverhalten geprüft. Das Zertifikat bestätigt die Eignung für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Geprüft wurde nach DIN EN ISO/IEC 80079-20-1:2020-09. Voraussetzung: Schlagpartner armierter Estrich-Beton, Energieeintrag bis 31 Nm. Auf Anfrage ist das Zertifikat verfügbar.
Darf der Hebel verlängert werden?
Nein. Die Werkzeuge sind auf den vorhandenen Hebel ausgelegt – sowohl materialseitig (Bronze ist weicher als Stahl, das Hebel-Material würde überbeansprucht) als auch sicherheitstechnisch (das 31-Nm-Limit bezieht sich auf normale Anwendung). Verlängerungen mit Stahlrohren bringen zudem Stahl in den Einsatzbereich – das hebelt die durchgängige Funkenarmut aus. Wenn ein höheres Drehmoment nötig ist, wird die nächstgrößere Ausführung gewählt.
Wie wird die Kette gepflegt?
Vor jedem Einsatz Sichtkontrolle der Kettenglieder auf Risse, Verformungen, ausgeschlagene Bohrungen und gleichmäßigen Lauf. Festsitzender Schmutz zwischen den Gliedern wird trocken mit Bürste oder Lappen entfernt – kein Stahlbürsten, das hinterlässt Stahlpartikel im Werkzeug. Die Kette darf nicht geschmiert werden: Schmierstoffe binden Staub und können in EX-Zonen die Funken-Eigenschaft beeinflussen. Bei sichtbarer Verformung eines Gliedes wird die Kette nicht weiter verwendet.
Reicht Sonderbronze für jede Explosionsgruppe?
Nicht für alle. Sonderbronze ist freigegeben für die Explosionsgruppen I, IIA, IIB und Acetylen. Nicht freigegeben ist sie für die Explosionsgruppe IIC – also für Atmosphären mit Wasserstoff, Acetylen-Mischungen oder Schwefelkohlenstoff (außer reinem Acetylen, das gesondert geprüft ist). Für IIC-Bereiche werden funkenarme Werkzeuge aus Kupfer-Beryllium eingesetzt.
Liefern Sie ins Ausland?
Ja. Lieferung erfolgt innerhalb der EU sowie weltweit. Für eine konkrete Lieferung ins Ausland fragen Sie bitte die Versandkonditionen vorab an – die Frachtkosten richten sich nach Zielland, Gewicht und gewünschtem Versanddienstleister. Bei den schweren Varianten ab 11 kg gelten ggf. Sperrgutregeln.