Volumendurchfluss-Messkoffer

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Wenn Restgas aus einer Leitung muss — beim Stilllegen, Spülen oder vor einer Reparatur — reicht es seit der EU-Methanverordnung 2024/1787 nicht mehr, das Gas einfach abzufackeln. Die Menge muss erfasst und dokumentiert werden. Der Volumendurchfluss-Messkoffer ist die mobile Antwort darauf: ein Trolley mit allem, was zwischen Leitung und Fackel hängt, wenn am Ende ein nachvollziehbares Mess-Protokoll dabei rauskommen soll.

Der Koffer ist die direkte Ergänzung zu unseren KROHSE-Gasfackeln in DN 25 und DN 50. Erst misst der Koffer, dann verbrennt die Fackel — und am Schluss steht ein PDF, das Sie an Behörde, Auftraggeber oder QM weiterreichen können.

Worum es geht — kurz

  • Messprinzip: Kármánsche Wirbelstraße, dichteunabhängig — keine Umrechnung pro Gasart nötig
  • Gase: Erdgas (Methan), Propan, Biogas, Stadtgas, Wasserstoff
  • Messbereich atmosphärisch: 2,5–250 m³/h, bis 16 bar Betriebsdruck
  • Genauigkeit: ± 1,5 % vom Messwert
  • Bedienung: direkt am Gerät oder per Smartphone/Tablet über WLAN-Hotspot
  • Ausgabe: PDF-Messprotokoll mit Firmen-Logo, Standort, Gasart, Zählerstand und Messdauer
  • Akku: LiFePO4, 24 V, 5,8 Ah — rund 50 h Dauerbetrieb

Wozu — der rechtliche Hintergrund

Die Verordnung (EU) 2024/1787 über die Verringerung der Methanemissionen im Energiesektor gilt seit dem 4. August 2024. Sie verpflichtet Betreiber von Gasinfrastruktur zur genauen Messung, Quantifizierung und Berichterstattung von Methanemissionen — auch dort, wo Gas geplant abgelassen oder abgefackelt wird. Routinemäßiges Abfackeln ist beschränkt; wo es zulässig bleibt (Wartung, Stilllegung, Notfall), muss die Menge erfasst werden.

Praktisch heißt das: Wer mit Gas arbeitet — als Netzbetreiber, Stadtwerk, Versorger oder Rohrleitungsbauer — muss in der Lage sein, die Menge der freigesetzten oder verbrannten Gase nachvollziehbar zu erfassen. Der Volumendurchfluss-Messkoffer ist dafür gedacht, diese Mess- und Quantifizierungspflicht im mobilen Baustelleneinsatz zu erfüllen.

Hinweis: LDAR (Leak Detection and Repair) und die Messung abgefackelter Mengen sind zwei verschiedene Pflichten der Methanverordnung. LDAR betrifft die regelmäßige Lecksuche an der Anlage. Der Messkoffer adressiert die Mengen-Erfassung beim geplanten Ablassen oder Abfackeln.

So funktioniert das Gerät

Im Inneren steckt ein Wirbel-Strömungsmesser, der nach dem Prinzip der Kármánschen Wirbelstraße arbeitet: Hinter einem Störkörper im Strömungskanal entstehen abwechselnd Wirbel — die Frequenz dieser Wirbel ist proportional zur Strömungsgeschwindigkeit. Das Verfahren funktioniert unabhängig von der Dichte des Mediums. Eine separate Kalibrierung pro Gasart entfällt; das Gerät rechnet anhand der gemessenen Frequenz, des Drucks und der Temperatur den Volumenstrom aus.

Der Koffer hat dafür drei Sensoren an Bord:

  • Wirbel-Sensor für den Volumenstrom
  • PT100-Temperatursensor (3-Leiter) für die Mediumstemperatur
  • Barometrischer Drucksensor für den Umgebungsdruck — nötig, um vom Betriebsvolumen auf das Normvolumen umzurechnen

Auf dem 4-zeiligen LCD werden Volumenstrom (Bm³/h und Nm³/h), Strömungsgeschwindigkeit, Zählerstand, Druck, Lufttemperatur und Status parallel angezeigt. Bei 5 bar Betriebsdruck verschiebt sich der Messbereich entsprechend nach oben — aus den 250 m³/h atmosphärisch werden rund 1.250 Bm³/h.

Bedienung am Gerät und per Browser

Auf der Frontplatte sitzen sechs Tasten — Pfeile, OK und Esc — zusammen mit dem Display und dem Power-Knopf. Damit lassen sich alle Einstellungen durchgehen: Sprache, Druckquelle, Rohrdurchmesser der Messstrecke (54,3 mm bei diesem Modell), die Dichte des zu messenden Gases. Bei Auslieferung sind die Standardwerte für Methan voreingestellt (Dichte 0,717 kg/Nm³); für Propan, Biogas oder Wasserstoff wird die Dichte angepasst.

Wer lieber mit Smartphone oder Tablet arbeitet, schaltet den WLAN-Hotspot ein und verbindet sich direkt mit dem Gerät — die SSID heißt „WLAN_GDR_xxxxxx", das Standard-Passwort ist im Lieferumfang dokumentiert. Im Browser öffnet sich dann die Bedien-Oberfläche unter der IP des Geräts. Die Tasten der Frontplatte sind dort als Buttons abgebildet. Wer bereits Erfahrung mit dem Gerät hat, kommt über die Web-Oberfläche schneller durch die Menüs als am LCD.

Tipp: Im Browser-Menü „Messprotokoll" lassen sich Firma, Logo, Standort und Gasart einmal eintragen und als Vorlage exportieren. Beim nächsten Einsatz wird die Vorlage importiert — dann müssen vor Ort nur noch Gasart und Standort kontrolliert werden, der Rest bleibt gleich.

PDF-Protokoll als Pflicht-Output

Der Mess-Ablauf im Browser ist immer derselbe: Vorlage importieren oder Felder ausfüllen, Aufzeichnung starten, Messung laufen lassen, Aufzeichnung beenden, PDF herunterladen. Im PDF stehen Beginn und Ende der Messung, Messdauer, Zählerstand am Anfang und am Ende, Normvolumen und das voreingetragene Firmen-Logo plus Standort. Eine Datei pro Einsatz — fertig zum Ablegen.

Wer mehrere Einsätze pro Tag fährt, sollte die Aufzeichnung zwischen den Einsätzen aktiv beenden und zurücksetzen, sonst landen mehrere Vorgänge im selben Protokoll. Das ist im Praxisbetrieb der häufigste Bedien-Fehler.


Typische Einsätze in der Praxis

Restgasentleerung beim Stilllegen einer Leitung

Wenn ein Leitungsabschnitt aus dem Netz genommen wird, muss das Gas raus, bevor zur Bauteil-Demontage geschritten wird. Der Messkoffer hängt zwischen dem Leitungsabschnitt und dem Abfackelgerät und protokolliert die abgefackelte Menge mit. Das Protokoll geht an die Stelle, die den Stilllegungs-Antrag bearbeitet — oder bleibt im Betrieb als Nachweis für die jährliche Methan-Berichterstattung.

Spülvorgänge vor Inbetriebnahme oder Medienwechsel

Vor der Inbetriebnahme einer neuen Leitung wird die Restluft ausgespült; bei Medienwechsel (z. B. von Erdgas auf Wasserstoff im Rahmen von H₂-Pilotprojekten) muss die ausgespülte Menge dokumentiert werden. Auch hier liefert der Koffer einen sauberen Datensatz — und durch die Dichteunabhängigkeit der Wirbel-Messung funktioniert das ohne Umstellung, egal welches Gas durchläuft.

Entgasung von Behältern und Speicheranlagen

Bei Reparaturen, Inspektionen oder Neubefüllungen von Druckbehältern und Speicheranlagen wird der Inhalt kontrolliert entlassen. Mit dem Messkoffer entsteht parallel ein Mengen-Nachweis, der bei wiederkehrenden Prüfungen (BetrSichV) und in Audits verlangt wird.

Achtung: Der Messkoffer ist ein sicherheitsrelevantes Gerät für Arbeiten an gasführenden Leitungen. Aufstellung und Bedienung dürfen nicht in Ex-Zonen erfolgen. Komplette persönliche Schutzausrüstung ist Pflicht. Der Hersteller verweist auf die nationalen Sicherheitsregeln (in Deutschland u. a. DGUV Information 203-090, in der Schweiz die SUVA-Regeln zu Erdgasleitungen).

Technische Daten

Merkmal Wert
Messprinzip Kármánsche Wirbelstraße, dichteunabhängig
Gase Erdgas (Methan), Propan, Biogas, Stadtgas, Wasserstoff
Messbereich atmosphärisch 2,5 – 250 m³/h
Max. Betriebsdruck 16 bar
Beispiel bei 5 bar bis 1.250 Bm³/h (Normbedingung 10 °C)
Genauigkeit ± 1,5 % vom Messwert
Mengenzähler m³, Nm³, Strömungsgeschwindigkeit (m/s)
Sensorik integriert PT100 (3-Leiter), barometrischer Drucksensor
Anzeige LCD, 20 Zeichen / 4 Zeilen
Schnittstellen WLAN-Hotspot, LAN, Modbus RTU/TCP, 4–20 mA
Datenausgabe PDF-Messprotokoll mit Logo, Standort, Gasart
Akku LiFePO4, 24 V, 5,8 Ah, ca. 50 h Dauerbetrieb
Temperatur Medium max. +70 °C
Temperatur Umgebung max. +70 °C (Ladegerät: +10 bis +45 °C)
Anschlüsse RD 75 x 1/6" AG, Edelstahl 1.4301, mit Vorfilter eingangsseitig
Gehäuse Polypropylen-Trolley mit Deckeleinteiler, IP 44 (geschlossen)
Maße 560 × 290 × 460 mm
Gewicht ca. 42,5 kg
Lieferumfang Messkoffer, Ladegerät, 2 Schutzkappen Silikon, 2 Vorfilter Reserve, Klemmfeder, Werksprüfprotokoll
Optional Adapter für Fremdschläuche (DN 19, DN 32, DN 50, DN 65)

Quelle: KROHSE GmbH, Bedienungsanleitung Volumen-Messkoffer, Version 11/2025 V3.


Mess-Koffer und Gasfackel im Zusammenspiel

Die typische Reihenfolge im Einsatz:

  1. Restgas strömt aus der Leitung in den eingangsseitigen Anschluss des Messkoffers (grüner O-Ring).
  2. Der Koffer misst Volumenstrom, Temperatur und Druck und schreibt das Protokoll mit.
  3. Über den ausgangsseitigen Anschluss (roter O-Ring) geht das Gas weiter zum Abfackelgerät DN 25 oder zum Abfackelgerät DN 50.
  4. Die Fackel verbrennt das Gas sicher; der Koffer beendet die Aufzeichnung, sobald die Leitung leer ist.
  5. Per Tablet das PDF herunterladen, ablegen, fertig.

Verbunden werden die Komponenten mit den passenden Entgasungsschläuchen für Propan, Erdgas und Biogas. Der Koffer hat seitliche Anschlüsse mit RD 75 x 1/6" AG; für Fremdschlauch-Größen sind Adapter (DN 19 bis DN 65) als Zubehör verfügbar.

Was vor dem Einsatz geprüft wird

Vor jedem Einsatz prüfen Sie nach Anleitung der KROHSE GmbH:

  • Vorfilter: sauber, unbeschädigt, korrekt eingesetzt
  • O-Ringe und Anschlussnippel: sauber, leicht geschmiert, ohne Risse
  • Akku-Stand: reicht für die geplante Einsatzdauer (50 h Dauerbetrieb sind die Obergrenze)
  • Dichtheitsprüfung der Verbindungsstellen nach Druckaufgabe — mit Gasspürgerät oder durch Abseifen
  • Fließrichtung: der Pfeil mit „FLOW" auf der Frontplatte zeigt die Richtung an; falsch herum angeschlossen liefert das Gerät keine plausiblen Werte

Die jährliche Wartung — Dichtheitsprüfung der Messstrecke und Sensor-Check — ist dem Hersteller bzw. dessen Servicepartner vorbehalten. Andere Eingriffe an der Messtechnik führen zum Verlust von Garantie und Haftung.


Häufige Fragen

Wofür wird der Volumendurchfluss-Messkoffer eingesetzt?

Der Volumendurchfluss-Messkoffer erfasst und dokumentiert die Mengen von Gasen, die beim Stilllegen, Spülen oder Entleeren von Leitungen, Behältern und Anlagen freigesetzt oder abgefackelt werden. Das Mess-Protokoll dient als Nachweis für interne Dokumentation, Audits und die Berichtspflichten aus der EU-Methanverordnung 2024/1787.

Für welche Gase ist der Messkoffer geeignet?

Der Messkoffer arbeitet mit Erdgas (Methan), Propan, Biogas, Stadtgas und Wasserstoff. Da die Messung nach dem Prinzip der Kármánschen Wirbelstraße dichteunabhängig erfolgt, sind keine gasartspezifischen Kalibrierungen nötig — die Dichte des jeweiligen Mediums wird im Geräte-Menü als Parameter eingestellt.

Wie genau misst der Volumendurchfluss-Messkoffer?

Die Messgenauigkeit beträgt ± 1,5 % vom Messwert. Der atmosphärische Messbereich liegt bei 2,5 bis 250 m³/h, bei einem Betriebsdruck von 5 bar entsprechend bis etwa 1.250 Bm³/h (bezogen auf Normbedingung 10 °C).

Wie werden die Messdaten dokumentiert?

Über den integrierten WLAN-Hotspot lässt sich der Koffer per Smartphone oder Tablet im Browser bedienen. Im Menü „Messprotokoll" werden Firmendaten, Standort, Gasart und Logo eingetragen, die Aufzeichnung gestartet und beendet. Am Ende wird ein PDF heruntergeladen — mit Beginn und Ende der Messung, Messdauer, Zählerständen und Normvolumen.

Wie lange hält der Akku?

Der eingebaute LiFePO4-Akku (24 V, 5,8 Ah) reicht für rund 50 Stunden Dauerbetrieb. Geladen wird über das mitgelieferte Ladegerät (100–240 VAC); die Statusanzeigen am Ladegerät signalisieren den Lade-Zustand (rot = lädt, grün = vollständig geladen).

Ist der Messkoffer baustellentauglich?

Ja. Das Gehäuse ist ein Polypropylen-Trolley mit Rollen und Deckeleinteiler, IP 44 bei geschlossenem Deckel. Mit rund 42,5 kg ist der Koffer für den Transport zu zweit ausgelegt — die stirnseitigen Tragegriffe sind dafür vorgesehen. Vorfilter, Schutzkappen und Reserve-Filter sind im Lieferumfang.

Kann der Koffer in eine bestehende Anlagensteuerung eingebunden werden?

Ja. Neben dem WLAN-Hotspot stehen LAN sowie Modbus RTU/TCP zur Verfügung. Damit ist eine Anbindung an SCADA-Systeme oder lokale Netzwerke möglich. Zusätzlich gibt es einen 4–20-mA-Ausgang und konfigurierbare Grenzwert-Relais für Start-Stopp-Steuerungen.

Kann der Messkoffer in Ex-Zonen eingesetzt werden?

Nein. Aufstellung und Bedienung des Messkoffers dürfen laut Hersteller nicht in explosionsgefährdeten Bereichen erfolgen. Die Arbeiten an in Betrieb befindlichen Gasleitungen unterliegen den nationalen Sicherheitsvorschriften (in Deutschland u. a. DGUV Information 203-090).

Warum die Kombination mit den KROHSE-Gasfackeln?

Volumendurchfluss-Messkoffer und KROHSE-Gasfackel ergänzen sich funktional: Der Koffer misst, die Fackel verbrennt. Beide Geräte stammen vom selben Hersteller und sind in den Anschlüssen aufeinander abgestimmt. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — Leitung → Schlauch → Messkoffer → Schlauch → Fackel.


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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information auf unserem aktuellen Informationsstand und stellt eine technische Orientierungshilfe dar. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) und keine fachliche Prüfung im konkreten Einzelfall. Auswahl, Auslegung und sicherheitstechnische Bewertung obliegen dem Anwender. Verbindlich ist der Originaltext der zitierten Verordnung oder Norm in der jeweils aktuellen Ausgabe. Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt; bei sicherheitstechnischen Fragen ist die Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall maßgeblich. Stand: Mai 2026.

Wofür wird der Volumendurchfluss-Messkoffer eingesetzt?
Der Volumendurchfluss-Messkoffer dient der genauen Erfassung und Dokumentation von Restgasen bei Abfackelvorgängen, Spülungen oder Entleerungen von Gasleitungen, Behältern und Anlagen – in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung 2024/1787 zur Reduzierung von Methanemissionen.
Für welche Gase ist der Messkoffer geeignet?
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Wie werden die Messdaten verarbeitet und dokumentiert?
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